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Herzlich Willkommen! Hier haben Sie die Möglichkeit, auf Wunsch einige Lieder einiger aktueller Programme der "Passepartout GmbH" anzuhören und herunterzuladen.

Die dazugehörigen Texte finden sich in der inzwischen etwa 2000-seitigen Materialsammlung Uli Otto: "Musikalisches Schlampermäppchen" - "Geschichte(n) im Lied - Lieder zur Geschichte", Regensburg 2012. (600-seitige Erstfassung 2006)

„Ein neues Lied, ein bess'res Lied ...“

Lieder von Heinrich Heine, August Heinrich Hoffmann (von Fallersleben), Ferdinand Freiligrath und anderen Vormärzpoeten

Sepp Zauner, Uli Otto, Robert Hasleder

Obere Reihe:
Ferdinand Freiligrath, Georg Herwegh, Adolph Glassbrenner
Mittlere Reihe:
Robert Prutz, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Ludwig Uhland
Untere Reihe:
Heinrich Heine

Rezensionen zum Vormärzprogramm

Passepartout GmbH & Vormärz-Chor

vormaerz-chor

„Vormärz-Chor“

Im Vordergrund „Passepartout GmbH“ (Stand Januar 2012)

Von links nach rechts:
Sepp Zauner, Uli Otto, Robert Hasleder, Thomas Otto

Im Hintergrund

Von links nach rechts:
Obere Reihe:
1. Carl Herloßsohn (1804-1849), deutscher Schriftsteller und Journalist  -  2. Karl Ludwig Pfau (1821-1894), deutscher Schriftsteller, Journalist und Revolutionär – 3.  Friedrich Engels (1820-1895), deutscher Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Journalist und kommunistischer Revolutionär -  4. Heinrich Marschner (1795-1861), deutscher Komponist -  5. Franz von Suppé  (1819-1895), österreichischer Komponist – 6. Friedrich Christoph Dahlmann (1785-1860), deutscher Historiker, Universitätsprofessor und Staatsmann;1837 v Mitglied der „Göttinger Sieben“ und Mitverfasser der Paulskirchen-Verfassung von 1848 – 7. Gustav Freytag (1816-1895), Universitätsdozent und deutscher Schriftsteller – 8. Georg Gottfried Gervinus (1805-1871) deutscher Historike, Universitätsprofessor  und nationalliberaler Politiker, 1837 Mitglied der „Göttinger Sieben“- 9. Georg Heinrich August Ewald  (1803-1875) deutscher Orientalis, Universitätsprofessor und evangelischer Theologe, 1837 Mitglied der „Göttinger Sieben“ – 10. Wilhelm Eduard Albrecht  (1800-1876), deutscher Staatsrechtler und Universitätsprofessor, 1837 Mitglied der „Göttinger Sieben“ – 11. Wilhelm Eduard Weber (1804-1891), deutscher Physiker und Universitätsprofessor,  1837 Mitglied der „Göttinger Sieben“ – 12. Nikolaus Lenau, eigentlich Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau (1802-1850) österreichischer Dichter und Schriftsteller.
Mittlere Reihe:
13. Albert Lortzing (1801-1851), deutscher Komponist, Librettist, Schauspieler, Sänger und Dirigent, Begründer der deutschen Spieloper – 14. Carl Schurz (1829-1906), deutscher Politiker und Revolutionär in den Staaten des Deutschen Bundes und während der badischen Revolution von 1848/1849, später amerikanischer General, Historiker und Staatsmann und als solcher Innenminister der USA -  15. Adolf Glaßbrenner  (1810-1876) deutscher Humorist, Dichter und Satiriker – 16. Johann Gottfried Kinkel (1815-1882), deutscher evangelischer Theologe, Schriftsteller, Lieder- und Kirchenlieddichter, demokratisch gesinnter Politiker und Revolutioär in den Jahren 1848/1849 – 17. Robert Eduard Prutz (1816-1872), deutscher Schriftsteller, politischer Lyriker und Dramatiker und einer der markantesten Publizisten des Vormärz  - 18. Ludwig (Louis) Spohr (1784-1859), deutscher Komponist, Dirigent, Pädagoge, Organisator von Musikfesten und Geiger von internationaler Reputation -19. Uli Otto (von Weiden) – 20. Wolfgang Müller´(von Königswinter) (1816-1873)m Arzt, Politiker sowie Dichter demokratischer und patriotischer Lyrik, beliebter Volkslieder und Sagen – 21.Robert Schumann (1810-1856), deutscher Komponist und Pianist der Romantik – 22.Christian Johann Heinrich Heine  (1797-1856), einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts -  23. Friedrich Karl Franz Hecker (1811-1881), deutscher Rechtsanwalt, Politiker und radikaldemokratischer Revolutionär in den Staaten des Deutschen Bundes, hier v.a. während der ersten Phase der Badischen Revolution im Rahmen der Revolution von 1848/1849, einer der populärsten Redner und Agitatoren, der nach dem Scheitern des nach ihm benannten „Heckerzuges“ in die USA auswanderte und dort noch einmal während der Sezessionskriege auf Seiten der Nordstaaten eine Rolle spielte– 24. Johann Baptist Strauss d.J.  (1825-1899), österreichischer Kapellmeister und Komponist, als „Walzerkönig“ auch international bekannt und geschätzt – 25. Hermann Grieben (1822-1890), deutscher Journalist und Dichter, der von 1859 bis 1890 als Redakteur der Kölnischen Zeitung tätig war.
Untere Reihe:
26. Franz  (Ferencz) Liszt  (1811-1886), Komponist, Pianist, Dirigent, Theaterleiter, Musiklehrer und Schriftsteller -  27./28. Jakob & Wilhelm Grimm (1785-1863 und 1875-1859), Universitätsprofessoren, Sprachwissenschaftler, Sammler von Märchen, 1837 Mitglieder der „Göttinger Sieben“.  Sie gelten gemeinsam mit Karl Lachmann und Georg Friedrich Benecke als „Gründungsväter“ der Deutschen Philologie bzw. Germanistik – 29. Ludwig Uhland (1787-1862), deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker sowie Sammler und Herausgeber von Volksliedern – 30. August Heinrich Hoffmann (von Fallersleben), Hochschullehrer für Germanistik, der wesentlich mit zur Etablierung des Faches als wissenschaftlicher Disziplin beitrug. „Liedermacher“ nicht zuletzt politischer Lyrik des Vormärz sowie Sammler und Herausgeber von „Volksliedern“ und alten Schriften aus verschiedenen Sprachen. Viele seiner Kinderlieder sind noch heute verbreitet – 31. Richard Wagner (1813-1883), deutscher Opernkomponist, Dramatiker, Philosoph, Dichter, Theaterregisseur und Dirigent 32. Hermann Ferdinand Freiligrath (1810-1876), deutscher Lyriker,namhafter Vormärzdichter und Übersetzer – 33. Georg Friedrich Rudolh Theodor Herwegh (1917-1875), sozialistisch-revolutionärer Dichter des Vormärz und Aktivist während der Revolution in Baden im Jahr 1848 sowie Übersetzer -  34. Karl Marx (1818-1883), deutscher Philosoph, Nationalökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung und Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft. Zusammen mit Friedrich Engels wurde er zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus – 35. Robert Blum (1807-1848), deutscher Politiker, Publizist, Verleger und Dichter in den Jahren vor und während der Märzrevolution von 1848. Er war Mitglied des Paulskirchenparlaments und dort Führer der demokratischen Linken sowie eine führende Persönlichkeit des Deutschkatholizismus. Sein revolutionäres Engagement kostete ihn schließlich das Leben, als er Anfang November 1848 nach der Niederschlagung der Revolution in Wien gegen jegliches Völkerrecht standrechtlich erschossen wurde – 36. Gustav von Struve (1805-1870), deutscher Politiker, Rechtsanwalt, Publizist und radikaldemokratischer Revolutionär während der Märzrevolution von 1848/1849 im Großherzogtum Baden – 37. Ferdinand Gustav Kühne (1806-1888) war ein deutscher Schriftsteller und Literaturkritiker des „Jungen Deutschland“, der sich in den 1830er Jahren für die aktuell verbotene Literatur einsetzte, dessen „Klosternovelle“ im Jahr 1837 daraufhin verboten wurde, der verschiedentlich politische Lyrik und  1848 immer wieder auch Artikel über die politischenZeitereignisse verfasste.

 

Programm

 

1. „Man gab uns viele schöne Wort“ (Anonym, um 1815 – Uli Otto)
2. „Ein neues Lied, ein bessres Lied“ ( Heine, Silcher)
3. „Drei Zigeuner“ ( Lenau, 1830, de André & Bubola)
4. „Die Hambacher Sterne“ (Anonym, 1832, Kotzebue & Himmel)
5. „Die Fürstenjagd" (Kölner der Saure, Anonym)
6. „O haengt ihn auf" (Anonym)
7. „Die freie Republik" (Anonym)
8. „Gute Presse und guter Druck" (Hoffmann von Fallersleben, E. Schmeckenbecher)
9. „Freiheitsbüchlein" (Prinz oder Dreves, Werner)
10. „Variationen zum Leierkasten" (Glasbrenner, Anonym)
11. „Von der Wallhalla die Rede seiend" (Hoffmann von Fallersleben, Anonym)
12. „Trostlied eines abgesetzten Professors" (Hoffmann von Fallersleben, Anonym)
13. „Spießbürger Tugend" (Hoffmann von Fallersleben, Anonym)
14. „Die große Hungersnot" (Anonym)
15. „In einem kühlen Grunde" (Eichendorff, Glück)
„Und in dem Schneegebirge" (Anonym)
17. „Das Blutgericht" (Anonym)
18. „Die Weber" (Heine, Ermisch)
19. Sie sähn es gern, ich würde kirre" (Prutz, Blake)
20. Trotz alledem" (1844) (Freiligrath, Anonym)
21. Freifrau von Droste-Vischering" (Löwenstein, Anonym)
22. Ludwig I. und Lola Montez" (Glaßbrenner, Anonym)
23. Schwarz-Rot-Gold" (Freiligrath, Schumann)
24. Berliner Demokratenmarsch" (Loevinson, Hauer)
25.Wir wollen ihn nicht haben" (Anonym, Bär)
26. Steh' ich in finstrer Mitternacht" (Anonym)
27. Guckkastenlied vom großen Hecker" (Nadler, Anonym)
28. Beamtenwillkür treibt mich fort" (Hecker, Anonym)
29. Das Reden nimmt kein End'" (Herwegh, Anonym)
30. Den Volksvertretern" (Uhland, Anonym)
31.Ich hatt' einen Kameraden" (Uhland)
32. Abschied" (Uhland, Otto, Buskin)
33. Die gute Polizei" (Wehl, Kreutzer)
34. Nun hütet euch, ihr Fürsten" (Anonym, Anonym)
35. Badisches Wiegenlied" (Pfau, Anonym)
36. Es ist wieder März geworden" (Anonym, Binzer)
37. Ein stolzes Schiff" (Anonym, Schmeckenbecher)
38. Kein schöner Land in dieser Zeit" (Zuccalmaglio)
39. Ade zur guten Nacht" (Anonym)
40./41. Dat du min Leevsten büst & Över de stillen Straten (Anonym/Storm - Anonym/Licht)
42. Fuchsmühler Holzschlacht" (Anonym)

1. Man gab uns viele schöne Wort’ (1815)
(Worte: Anonym – Weise: U. Otto)

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Der unbekannte Verfasser dieses ersten vorgestellten Liedes, das uns der fränkische Liedersammler und Liedforscher Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth überliefert hat, scheint einer der zahllosen aktiven Teilnehmer der „Freiheitskriege“ gewesen zu sein, der, vertrauend auf die Versprechungen der Landesherren in Bezug auf ein einiges Deutschland mit einer Verfassung und frei gewählten Volksvertretung, in den Krieg gegen die französische Fremdherrschaft gezogen war. Seine angesichts des Wiener Kongresses enttäuschten Erwartungen und Hoffnungen haben ihn zur Schreibfeder greifen lassen.
 
2. Ein neues Lied, ein bessres Lied (1843)
(Worte: Heinrich Heine – Weise: „Anke van Tharaw“ von Friedrich Silcher, 1827)

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In dem Lied „Ein neues Lied, ein bessres Lied“, welches aus dem Gedichtzyklus „Deutschland ein Wintermärchen“ stammt, in welchem Heinrich Heine Anfang der 1840er Jahre über die Verhältnisse in seiner deutschen Heimat reflektiert und rechtet, die er 1843 nach langen Jahren der Absenz in Frankreich endlich wieder einmal besuchen konnte, hat der Dichter unter anderem auch sein Programm einer zukünftigen Welt dargelegt, in der alle Menschen das Recht auf den Genuss der irdischen Güter und auf Müßiggang haben würden. Bei den von uns mit der Weise von „Anke van Tharaw“ unterlegten Zeilen handelt es sich um eines der meistzitierten und am meisten aufgegriffenen Lieder Heinrich Heines, der auch heute noch einer der bekanntesten Literaten des 19. Jahrhunderts ist. Er gilt als „letzter Dichter der Romantik und deren Überwinder“ und ist nach wie vor einer der meistübersetzten Dichter der deutschen Sprache
 

3. Drei Zigeuner (um 1830)
(Worte: Nikolaus Lenau – Weise: „Sally“ von Fabrizio de André & Massimo Bubola)

Nikolaus (Edler von Strehlenau) Lenau (1802-1850) verfasste 1830 sein Lied „Drei Zigeuner“, eines seiner „melancholischen Lieder“ und für uns eines der ältesten deutschsprachigen „Hippielieder“ überhaupt, welches um 1900 zu einer Hymne des „Wandervogel“ und in den 1970er Jahren dann auch von der damaligen Deutschfolkszene wiederentdeckt wurde, standen hier doch seine Apologeten, die Zigeuner, als Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit. Mit der tatsächlichen Realität des Zigeunerlebens hat dieser romantische Text natürlich wenig zu tun, hier handelt es sich eher um eine Idealisierung. In Wirklichkeit führten die meisten Zigeuner ein armseliges Leben und wurden angefeindet, wobei später viele Angehörige dieses Volkes während des Dritten Reiches in nationalsozialistischen KZs ermordet wurden. Auch heute noch oder gerade wieder erleben die Zigeuner – Sinti und Roma – häufig noch Diskriminierungen und Verfolgungen in den meisten Ländern. Dies gilt es bei diesem Lied immer mitzudenken. „Die „drei Zigeuner“ wurden unter anderem auch von Franz Liszt vertont, die bis heute bekannteste Vertonung des Liedes aber stammt wohl von Theodor Meyer-Steinegg. Sie erschien uns im Lauf der Zeit jedoch zu „abgedroschen“, weswegen wir dem Text die Weise eines Liedes von Fabrizio de André und Massimo Bubola unterlegt haben, die uns passend erschien und besser gefallen hat. Wir verweisen hier auf die Aufnahmen von Fabrizio de André und von "Trio Salato".

 

4. Die Hambacher Sterne (1832)
(Worte: Anonym  - Weise: „Es kann ja nicht immer so bleiben“ von A.v.Kotzebue & F.H. Himmel)

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Aus dem Umfeld des Hambacher Festes stammt das Lied „Die Hambacher Sterne“ eines bisher unbekannten Verfassers, dies eine Kontrafaktur auf die Melodie des im Jahr 1802 von August von Kotzebue (Worte) und Friedrich Heinrich Himmel (Musik) verfassten populären Liedes „Es kann ja nicht immer so bleiben“.
Das Hambacher Fest, das vom 27. bis 30. Mai 1832 auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt an der Haardt – dem heutigen Neustadt an der Weinstraße – in der damals noch zu Bayern gehörenden Pfalz durchgeführt wurde, gilt als Höhepunkt der frühliberalen Opposition in der Restaurationszeit nach dem Wiener Kongress und des Vormärz. Die Forderungen der ca. 30.000 Festteilnehmer nach deutscher Einheit, Freiheit und Demokratie hatten ihre Wurzeln dabei in der Unzufriedenheit großer Bevölkerungsteile der Pfalz mit der Verwaltung der Region durch das Königreich Bayern, das eine immer rigidere Unterdrückungspolitik verfolgte, um Kritik nicht aufkommen zu lassen. Als Reaktion hierauf und daraus resultierende Druckverbote hatten die Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth Anfang Februar 1832 den „Deutschen Press- und Vaterlandsverein“ ins Leben gerufen, zu dessen Vorsitzenden der pfälzische Abgeordnete Friedrich Schüler gewählt worden war. Dieser Kreis organisierte am 27. Mai 1832 in Neustadt ein „Volksfest“, nachdem politische Kundgebungen von der bayerischen Obrigkeit verboten worden waren. Es fand auf dem nahen Schlossberg statt, der auf der Gemarkung des damals noch selbständigen Dorfes Hambach liegt und wurde zu einer massenhaften politischen Kundgebung, deren Hauptforderungen Freiheit, d.h. Versammlungs-, Presse- und Meinungsfreiheit, sowie nationale Einheit, eine Neuordnung Europas auf der Grundlage gleichberechtigter Völker, Volkssouveränität und religiöse Toleranz wurden.

 

5. Die Fürstenjagd (um 1835)
(Worte: Kölner der Saure - Weise: Traditionell)

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Bei „Die Fürstenjagd“ handelt es sich ebenfalls um ein Lied aus dem direkten Umfeld bzw. in der Nachfolge des obenerwähnten Hambacher Festes. Das bereits im August 1835 geschriebene Lied „Die Fürstenjagd“, das wir dem Liederbuch „Zehn republikanische Lieder von Kölner dem Sauren, Verfasser der raurazischen Lieder, Basel 1848, S. 3ff. entnommen haben, wobei sich hier allerdings 12 Strophen à jeweils vier Zeilen abgedruckt finden, entstammt der Feder von Johann Rudolf Körner, der es unter dem genannten Pseudonym „Kölner der Saure“ als geächteter politischer Flüchtling in Stäfa am Zirchersee verfasste und dabei die Weise eines Kärntner Volksliedes aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts benutzte.

 

6. O hängt ihn auf (nach 1832)
(Worte & Weise: Anonym)

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Von „O hängt ihn auf“, einem Lied ebenfalls aus dem Umfeld des Hambacher Festes, das Bekannte von uns in den frühen 1960er Jahren sogar noch in der Schule gelernt und gesungen haben, wobei dies allerdings einen Einzelfall dargestellt haben dürfte, ist uns weder ein Textdichter noch ein Komponist bekannt.

 

7. Die freie Republik (1837)
(Worte & Weise: Anonym)

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Mittelbar auf den Frankfurter Wachensturm des 03. April 1833 sowie direkt auf die Flucht einiger der daraufhin Inhaftierten am 10. Januar 1837 nimmt das anonyme Lied „Die freie Republik“ Bezug, auf dessen zeitweilige Beliebtheit und Verbreitung eine Vielzahl von Varianten hinweist.
 

8. Wir sind nicht Mumien (1842)
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: Franz Liszt)

Interessant ist wohl die Tatsache, dass zu den zahlreichen Komponisten, die Texte von Hoffmann von Fallersleben vertonten, auch namhafte und renommierte Tonkünstler wie Franz Liszt gehörten, wobei den Letzteren mit dem Dichter eine lange und tiefe Freundschaft und Geistesverwandtschaft verband. Bei der hier abgedruckten Vertonung von Hoffmanns Text „Wir sind nicht Mumien“ handelt es sich im Original um einen vierstimmigen Chorsatz des Komponisten, den wir – zumal zu Zeiten der Aufnahmen als Duo – nicht in unser Repertoire übernehmen konnten und wollten, wenn uns diese Version auch aus musikhistorischen Gründen sehr interessant erschien. Hierzu existiert also bisher auch keine Aufnahme.

 

9. Gute Presse und guter Druck (1842)
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: E. Schmeckenbecher)

Aus der Feder August Heinrich Hoffmanns von Fallersleben stammt das Lied „Gute Presse und guter Druck“, in welchem das Zensuropfer Hoffmann (siehe Lied Nr. 13)  sich gegen jegliche Bevormundung der Presse durch die Obrigkeit wendet, wobei der Verfasser hier wahrscheinlich das zeitweilige Verbot der „Rheinischen“ sowie der „Leipziger Allgemeinen Zeitung“ sowie anderer missliebiger Pressorgane vor Augen hatte. Die von uns verwendete Melodie, die seinerzeit für das Handwerkerlied „Fordre Niemand mein Schicksal zu hören“ komponiert wurde, stammt von dem Kollegen und verehrten Freund Erich Schmeckenbecher („Zupfgeigenhansel“). Hier seien die "Zupfgeigenhansel"-Aufnahmen empfohlen.

 

10. Freiheitsbüchlein (um 1840)
(Worte: August Prinz, Hamburg oder Lebrecht Dreves – Weise: „Sah ein  Knab’ ein Röslein stehn“ von Heinrich Werner)

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Allem Anschein nach war es der oppositionelle Verleger August Prinz aus Altona, der sein Lied vom „Freiheitsbüchlein“, in welchem er seiner Hoffnung auf die endliche Vergeblichkeit der Zensur Ausdruck verlieh auf die Weise von Goethes „Heideröslein“ verfasste. August Prinz wurde im Juni 1852 verhaftet, als man bei einer Haussuchung bei ihm 57 Exemplare von Heinzens „Brod oder Tod“ gefunden hatte, wie es in einer Eintragung im „Anzeiger für die politische Polizei Deutschlands vom 01. Januar 1848 bis zur Gegenwart“, Dresden 1856, S. 276 heißt. Anderen Lesarten zufolge  soll es sich bei dem Verfasser des anstößigen Textes dagegen um Lebrecht Dreves gehandelt haben, einen Dichter der am 12.9. 1816 in Hamburg als Sohn eines Kaufmanns geboren wurde und am 19.12. 1870 in Feldkirch (Vorarlberg) starb. Dreves besuchte die Hamburger Gelehrtenschule und war seit 1836 in Jena und seit 1838 in Heidelberg Student der Jurisprudenz. Im Jahr 1838 promovierte er zum Dr. jur. und ließ sich 1839 als Advokat in Hamburg nieder. von Dreves war 1847 bis 186 1Notar in Hamburg. 1862 siedelte er nach Feldkirch über. Dreves war mit dem Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff befreundet, der sein Meister und Vorbild war.

 
11. Variationen zum Leierkasten (um 1840)
(Worte: Adolf Glassbrenner – Weise: „Guter Mond, du gehst so stille“, seit 1800)
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Eine trügerische biedermeierliche Idylle zeichnet der Berliner Poet Adolf Glassbrenner in seinem Gedicht „Variationen zum Leierkasten“ liebevoll auf die Melodie von „Guter Mond, du gehst so stille“ nach, in welchem er auf die vermeintliche Behaglichkeit und trügerische Ruhe dieser Jahre vor der Revolution anspielt, die realiter durch Unterdrückung und mannigfache politische Repressionen gekennzeichnet waren.

 
12. Von der Walhalla die Rede seiend
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Als Adam, als Adam die Eva gesehn“)
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In Hoffmanns von Fallersleben auf die Weise von „Als Adam, als Adam die Eva geseh’n“ verfassten Spottlied auf den auf Geheiß des damaligen bayerischen Königs Ludwigs I. von Leo von Klenze in den Jahren von 1830 bis 1842 errichteten „Ruhmestempel“ Walhalla bei Donaustauf in der Oberpfalz, in dem seit seiner Fertigstellung bedeutende Deutsche sowie mit der Geschichte Deutschlands und der deutschsprachigen Völker verbundene Persönlichkeiten mit Marmorbüsten und Gedenktafeln geehrt werden, macht sich der Dichter zum einen über diese architektonische Schöpfung, zum anderen indirekt auch über deren Bauherren lustig.

 

13. Trostlied eines abgesetzten Professors (1842)
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Mir fehlet die Freiheit auf Erden“)

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Hier hat Hoffmann von Fallersleben seine Amtsentsetzung und das darauffolgende Berufsverbot thematisiert. Seit den 1830er Jahren Professor der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Breslau wurde er 1841 wegen seiner Gedichte und Lieder, in denen es unter anderem immer wieder auch um das politische Schicksal, das Wohl und Wehe Deutschlands ging, seines Lehrstuhls enthoben und führte in der Folge jahrelang ein unstetes Wanderleben als „Politflüchtling“, welches 1854 mit seinem Aufenthalt in Weimar endete, wo er sechs Jahre lang arbeitete und hier eng mit Franz Liszt verbunden und befreundet war, in dessen Haus Hoffmann neben seinen literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten oftmals als „Maître de Plaisir“ fungierte. Durch Vermittlung der Familie Liszt wurde er 1860 schließlich Bibliothekar des Herzogs von Ratibor in dessen Schloss in Corvey, wo er schließlich auch sein Leben beschloss. Hoffmann selbst hat seinem „Trostlied“ ursprünglich die Melodie eines bekannten Liedes aus der Napoleonzeit – „Nachts um die zwölfte Stunde verlässt der Tambour sein Grab“ – unterlegt, wir haben diese Weise jedoch durch die Melodie des anonym verfassten Liedes „Mir fehlet die Freiheit auf Erden“ ersetzt, das sich im Jahr 1867 mit der Erschießung des aus dem österreichischen Haus Habsburg stammenden Kaisers Maximilian von Mexiko befasste, und das 1908 in der schlesischen Grafschaft Glatz aufgezeichnet wurde. Hier und in Breslau hatte Hoffmann um 1840 selbst zahlreiche Lieder gesammelt, die er später zusammen mit Ernst Richter als „Schlesische Volkslieder“ herausgab.

 
14. Spießbürger Tugend
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Ein Jäger aus Kurpfalz“)
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Thema dieses Liedes Hoffmanns von Fallersleben ist das Wirtshaus als Heimstätte und „Heimat“ des politisierenden deutschen Spießbürgers und Stammtischphilisters, der dann bei Anbruch der Polizeistunde nach bierseligem Räsonnieren friedfertig nach Hause trottet und die Bettdecke über seine Zipfelmütze zieht, dies ein Sujet, das bei Hoffmann – aber nicht nur bei diesem – immer wieder auftaucht. So stammen aus seiner Feder zahllose „Michellieder“, in denen er mit seinen bürgerlichen Zeitgenossen, die sich mit den widrigen Verhältnissen abgefunden haben bzw. sich aus allen zeitpolitischen Auseinandersetzungen herauszuhalten pflegen sarkastisch abrechnet. Verfasst wurde die „Spießbürger Tugend“ dabei auf die Melodie des bekannten Liedes „Ein Jäger aus Kurpfalz“, das noch bis weit ins 20. Jahrhundert eines der bekanntesten Chor- und Volkslieder war. Der Text dieser Vorlage ist dabei schon seit 1763 nachweisbar, die Melodie wurde 1807 in Schwaben aufgezeichnet und 1839 von Erk-Irmer veröffentlicht.

 

15. Die große Hungersnot
(Worte und Weise: Anonym)

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Wir haben dieses und die folgenden beiden Lieder, die an sich nichts mit dem Vormärz zu tun haben, mit in dieses Programm übernommen, um damit auf den „Volksliedsammler“ Hoffmann von Fallersleben hinzuweisen, der mit seinen „Schlesischen Volksliedern“ seinerzeit eine der ersten regionalen Liedsammlungen zusammengetragen hat. Auch war Hoffmann unseres Wissens der erste Universitätsgelehrte, der – damals noch als Professor in Breslau – eine Vorlesung über das Volkslied an einer deutschen Hochschule gehalten hat. Bei „Die große Hungersnot“ handelt es sich um ein ehemals wohl weitverbreitetes Lied, das mit seiner schlichten Darstellung und der schwermütigen Melodie zu den vermutlich eindruckvollsten deutschen Soldatenliedern gehört. Es findet sich bereits in dem 1848 erschienenen Deutschen Volksgesangbuch von Hoffmann von Fallersleben. Dabei ist unklar, ob sich die Schilderung auf die schreckliche Hungersnot während des 30jährigen Krieges oder auf den Siebenjährigen Krieg in Schlesien bezieht.

 
16. In einem kühlen Grunde
(Worte: Joseph von Eichendorff   Weise: Friedrich Glück)

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Bei Joseph von Eichendorffs aus dem Jahr 1809 stammenden und erstmals 1814 von Friedrich Glück vertonten „In einem kühlen Grunde“ handelt es sich um das wohl bekannteste Abschiedslied der deutschen Romantik. Eichendorff verfasste sein Lied auf seinem Gut Lubowitz – bei Ratibor in Oberschlesien – wohin er nach seiner Studienzeit, unter anderem in Halle und Heidelberg, zurückgekehrt war. „Der kühle Grund“ ist ein kleines Tal im Gebiet von Heidelberg. Hier hatte der schlesische Adelige Joseph von Eichendorff anlässlich seines zeitweiligen Studienaufenthaltes im Februar 1808 die Rohrbacher Küferstochter Katharina Barbara Förster kennen und lieben gelernt, wobei diesem Liebesverhältnis jedoch kein Glück beschieden war, sondern es durch irgendein plötzliches Ereignis oder durch das Eingreifen der Familie des Mädchens unterbrochen wurde. Eichendorff nahm dies zum Anlass, unter dem Titel „Untreue“ eine Klage im romantischen Weltschmerz-Tenor zu verfassen und verließ am 05. April 1808 überstürzt Heidelberg, um nach Paris zu reisen. Er hat Barbara Förster niemals wiedergesehen. Seine „Klage“ wurde in der Folge zu einem der bekanntesten und langlebigsten „Volkslieder“ der deutschen Romantik, zumal als es durch die Komposition Friedrich Glücks bzw. durch die Männerchorbearbeitung von Friedrich Silcher seit 1826 („Volkslieder für vier Männerstimmen“) eine so starke Verbreitung gefunden hatte, dass es schon bald in zahlreiche Liedersammlungen aufgenommen wurde. Joseph von Eichendorff war dabei auch ein politisch tätiger Mensch. So nahm er in den Jahren von 1813 bis 1815 als Lützower Jäger aktiv an den Befreiungskriegskämpfen gegen die napoleonischen Truppen teil. Zu einem „Vormärzdichter“ wurde er insofern, als Robert Schumann während des Schweizer Sonderbundkrieges im Dezember 1847 diese Ereignisse zum Anlass nahm, Eichendorffs Gedicht „Der Eidgenossen Nachtwache“ aus dem Jahr 1809 zu vertonen und in einen aktuellen Bezugsrahmen zu stellen.
 

17. Und in dem Schneegebirge
(Worte und Weise: Anonym)

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„Und in dem Schneegebirge“, das auch heute noch bekannteste „schlesische Volkslied“, fand Hoffmann von Fallersleben ebenfalls während seiner Feldforschungen in Schlesien. Die erste Strophe, die auf ein altes Jungbrunnenlied aus dem Glatzer Schneegebirge zurückgeht, und die seit den 1530er Jahren bekannt ist, wurde durch Strophen eines alten Wanderliedes ergänzt, die sich als Zwiegesang anschlossen. Die Melodie wurde in Breslau aufgezeichnet und von Hoffmann von Fallersleben und Ernst Richter ebenfalls in deren Sammlung „Schlesische Volkslieder mit Melodien“, Leipzig 1842 veröffentlicht. Wir haben uns bzgl. unserer Version eng an das Arrangement gehalten, das wir in den 1970er Jahren von Erich Schmeckenbecher und Thomas Friz gehört haben.
 
18. Das Blutgericht (1844)
(Worte: Anonym – Weise: „Es steht ein Schloss in Österreich“)
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Als bekanntestes Lied, welches sich mit dem elenden Schicksal der schlesischen Weber Mitte der 1840er Jahre auseinandersetzt, das 1844 schließlich sogar zu einem dann blutig unterdrückten Hungeraufstand in Peterswaldau und Langenbielau führte, gilt nach wie vor das „Blutgericht“. Bei diesem in voller Länge 24-strophigen Lied handelt es sich dabei um eines jener Beispiele, die nicht nur auf bestehende Ereignisse Bezug nehmen, sondern seinerzeit gleichzeitig zum Mitauslöser für Aktionen wurden. Das Lied ist insofern indirekt auch in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen, als Gerhard Hauptmann in seinem naturalistischen Drama „Die Weber“ darauf sowie auf die Ereignisse Bezug genommen und die Letzteren verewigt hat. Der Text des „Blutgerichts“ war dabei auf die Melodie des Liedes „Es liegt ein Schloss in Österreich“ verfasst worden, einer Ballade, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Zahlreiche Gruppen des Deutschfolk-Revivals haben das „Blutgericht“ in den 1970er Jahren für sich entdeckt und – wenigstens zeitweilig – zum Leben wiedererweckt.
 
19. Die Weber (1844)
(Worte: Heinrich Heine – Weise: Jörg Ermisch)

Ebenfalls auf diese Weberunruhen bzw. die damit verbundenen Opfer nimmt Heinrich Heine in einem Gedicht „Die schlesischen Weber“ Bezug, das sich bereits am 10. Juli 1844 im Pariser „Vorwärts“ abgedruckt fand, und in welchem der Dichter eine Drohung gegen den als Hauptverantwortlichen für das Weberelend und die blutigen Ereignisse in Schlesien angesehenen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. ausstößt. Auch dieses Gedicht wurde in den 1970er Jahren wiederentdeckt und erlebte viele Vertonungen, wobei diejenige des Musikerkollegen und verehrten Freundes Jörg Ermisch („Liederjan“) herangezogen wurde, die uns persönlich am meisten zusagte. Auch bezüglich des Arrangements haben wir uns eng an den „Liederjans“ orientiert, deren Aufnahem wir hier wärmstens empfehlen.

 
20. Sie sähn es gern, ich würde kirre (1844)
(Worte: Robert Prutz – Weise: Norman Blake)
Auch Robert Eduard Prutz (1816-1872), ein seinerzeit bekannter, wenn auch heute leider ebenfalls weitgehend vergessener überzeugter demokratischer Dichter aus Stettin / Pommern, der nur zu oft an den Verhältnissen in der Heimat litt, ruft in seinem Gedicht aus dem Jahr 1844 dazu auf, sich nicht unterkriegen zu lassen und aktiv und mutig für seine Überzeugungen einzutreten. Als überzeugter Junghegelianer hatte Prutz dabei oftmals unter Willkürmaßnahmen der Behörden zu leiden. So wurde mehrfach seine Absicht, sich an der Universität Jena zu habilitieren durch die Weimarische Regierung verhindert, da Prutzens enge Freundschaft mit Georg Herwegh bekannt und aktenkundig war. Mehrfach wurde Prutz auch wegen seiner Dichtungen des Landes – seien es Weimar oder Preußen – verwiesen, die Aufführung von Werken („Moritz von Sachsen“) untersagt, ein Hochverratsprozess gegen ihn angestrengt, desgleichen seine im Winter 1847 veröffentlichten „Vorlesungen  über die Literatur der Gegenwart“ bereits nach dem ersten Vortrag verboten. Gleichwohl wurde er im Frühjahr 1849 als Professor der Literaturgeschichte an die Universität Halle berufen, wo er jedoch weiterhin aus seinen liberalen Einstellungen keinen Hehl machte. Verschiedene Schwierigkeiten und Anfeindungen vor allem seitens Universitätskollegen, denen er sich immer wieder ausgesetzt sah, bewogen ihn 1858 schließlich jedoch dazu, der Universität von sich aus den Rücken zu kehren. Prutz zog sich nunmehr in seine Heimatstadt Stettin zurück, wo er bis zu seinem Tod lebte und journalistisch tätig war und einem der Stammväter des deutschen Journalismus wurde. Wir verweisen auf die Aufnahme von "Planxty"
 

21. Trotz alledem (1844)
(Worte: Ferdinand Freiligrath – Weise: Lady McIntoshs Reel)

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Ferdinand Freiligrath hat in seinem 1844 verfassten Lied „Trotz alledem“ eigentlich nur eine fast wortgetreue Übersetzung des Liedes „For a that and a that“ von Robert Burns vorgelegt, d wobei auch Freiligraths Version auf die Weise von „Lady McIntoshs Reel“ gesungen wurde, nachdem sich die zunächst dem Freiligrathschen Text unterlegte Weise von „Als Noah aus dem Kasten kam“ nicht hatte durchsetzen können. Weitaus bekannter und populärer wurde jedoch die folgende Textfassung, die Ferdinand Freiligrath im Sommer 1848 angesichts der Rückkehr des Prinzen Wilhelm von Preußen, des Kartätschenprinzen, der ein Jahr später zum Totengräber der Revolution in Südwestdeutschland werden sollte, auf das Erstarken der Reaktion hin aktualisiert verfasste. Die Textzeile „Trotz alledem“ krönte später den sozialdemokratischen „Vorwärts“ und wurde zu einem populären Slogan der Arbeiterbewegung. Relativ weit verbreitet war die 1848er Liedversion vor allem auch in den 1970er Jahren, als viele Gruppen und Einzelsänger des Deutschfolkrevivals, dessen erste Anfänge bereits auf den „Waldeck-Festivals“ ab Mitte der 1960er Jahre festzumachen sind, sich des Liedgutes der Vormärzzeit annahmen und auch „Trotz alledem“ in ihre Repertoires übernahmen. In der Folge entstanden auch weitere aktualisierte Fassungen, welche aktuelle Ereignisse jener Jahre aufgriffen und thematisierten.

 

22. Freifrau von Droste-Vischering (1844)
(Worte: Rudolf Löwenstein – Weise: Anonym)

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Auf die seinerzeit vielkritisierte und bespöttelte Ausstellung des „Heiligen ungenäthen Rockes Jesu“ im Jahr 1844, in deren Gefolge die deutsch-katholische Bewegung entstand, die – vor allem am Rhein und auch in Schlesien – einen großen Teil des angewachsenen Oppositionsgeistes in sich aufnahm, reagierte Rudolf Löwenstein, Redakteur der satirischen Zeitschrift „Kladderadatsch“ mit seinem Spottlied, welches die Freifrau von Droste-Vischering, eine gutgläubige Nichte des Kölner Erzbischofs Clemens August von Droste in den Mittelpunkt stellt, die sich von der ausgestellten Reliquie die Heilung ihrer Gebrechen verspricht. Der Heilige Rock, eine Tunika, in welcher angeblich Wollfäden aus dem Gewand Jesu eingearbeitet sein sollen, und die – wie die Trierer Kirchengeschichte zu berichten weiß – von Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin des Großen von deren Pilgerreise im 4. Jahrhundert aus Jerusalem mitgebracht worden und der Trierer Kirche geschenkt worden sein soll, wurde früher in unregelmäßigen Abständen der Öffentlichkeit vorgestellt, wobei die zahlreichen frommen Pilger diese Reliquie nur gegen Entrichtung eines nicht unerheblichen Obulus betrachten durften. So strömten im Jahr 1844 innerhalb von nur sieben Wochen über 500 000 Menschen nach Trier, was für die Kirche ein erhebliches Geschäft bedeutete. Auch heute noch finden in bestimmten Abständen Ausstellungen dieser „Reliquie“ statt.

 
23. Ludwig I. und Lola Montez
(Worte: Adolf Glassbrenner – Weise: „Prinz Eugenius, der edle Ritter“)
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Mit „Prinz Eugenius, der edle Ritter“ bildet eines der bekanntesten, populärsten und verbreitetsten historischen Lieder des 18. Jahrhundert die musikalische Grundlage zu dem Lied „Ludwig I. und Lola Montez“, welches der demokratische Berliner Literat Adolf Glassbrenner Anfang 1848 auf die Episode um den bayerischen König Ludwig und dessen „Busenfreundin“ und Vertraute Lola Montez verfasste. Das Lied geht auf die „Vorgeschichte“ dieses Paares und auf Einzelheiten ihrer Beziehung und der sich darum rankenden Ereignisse ein, wobei Glassbrenner sich nicht scheut, hier auch erotische Anspielungen zu machen (Str. 1: „ ... Eine Tänz’rin Lola Montez nur verstand und konnt’ es ihn zu rühren allerwärts– Str. 4: „Kurzen Rockes musst’ sie tanzen, so dass man oft sah den janzen ... Tag den König bei ihr sein. So kam’s, dass er unterdessen Baiern hatte janz verjessen über Lola Montez’ Bein.“). Weiterhin kommt die Erhebung Lolas in den Adelsstand („Gräfin Landsfeld“) sowie die Empörung weiter Kreise der bayrischen Bevölkerung zur Sprache, die schließlich zur Entfernung der königlichen Mätresse aus der bayerischen Metropole führte und mittelbar den Anlass zur Demission des bayerischen Königs im Februar 1848 bot.
Das Originallied „Prinz Eugenius“, welches die Belagerung und Einnahme der Stadt Belgrad durch Eugen von Savoyen im Jahr 1717 während des sechsten österreichischen Türkenkriegs beschreibt und das vermutlich unmittelbar nach der Einnahme der Stadt von einem Soldaten der österreichischen Armee gedichtet worden war, findet sich zuerst in der „Musikalischen Rüstkammer auf der Harfe“, Leipzig 1719 aufgezeichnet. Durch seine Popularität und weite Verbreitung in der Bevölkerung hat das Lied verschiedene weitere Lieder und musikalische Werke beeinflusst, seine Weise hat immer wieder Liedermacher zu Kontrafakturen angeregt, sodass sie immer wieder in den unterschiedlichsten Zusammenhängen Verwendung fand. Eine ebenfalls auf diese Melodie verfasste Kontrafaktur, die vermutlich bereits im Jahr 1845 von Dr. Netteler, später Oberlandes-Chefpräsident des Oberlandesgerichts Naumburg, gedichtet worden war und sich vor allem während des Deutschfolkrevivals in den 1970er/80er Jahren großer Popularität erfreute, war das „Bürgerlied“.

 

24. Schwarz-Rot-Gold (1848)
(Worte: Ferdinand Freiligrath, 17.03.1848 – Robert Schumann, 04.04.1848)

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Wie viele andere Zeitgenossen war auch Ferdinand Freiligrath angesichts der Märzunruhen in Paris voller Hoffnung auf die baldige Errichtung einer neuen Republik auch in Deutschland unter den Farben Schwarz-Rot-Gold, der Trikolore, die von den Uniformen der Lützower Jäger herrührte, und die sich vor allem die revolutionären Burschenschaften zu eigen gemacht hatten, wie er am 17. März 1848, am unmittelbaren Vorabend der revolutionären Ereignisse in Berlin in einem Gedicht kundtat. Dabei äußerte er in der letzten Strophe den Wunsch
„Und der das Lied für euch erfand
In einer dieser Nächte,
Der wollte, dass ein Musikant
Es band in Noten brächte!
Heißt das: ein rechter Musikant! (...)“
Und dieser Wunsch sollte alsbald in Erfüllung gehen, als das freiligrathsche Gedicht „Schwarz-Rot-Gold“ bereits am 04. April 1848 durch keinen Geringeren als Robert Schumann eine kongeniale Vertonung fand. Freiligrath erlebte den Ausbruch der Revolution im Frühjahr 1848 in London, wo er seit September 1846 erneut als kaufmännischer Angestellter tätig war, und wo er sich zu dieser Zeit gerade mit dem Gedanken trug, nach den USA auszuwandern. Nunmehr übersiedelte er voller Hoffnung nach Deutschland, wo in der Folgezeit viele seiner politischen Gedichte entstanden, etwa am 25. Februar 1848 „Im Hochland fiel der erste Schuss“, am 26. Februar „Die Republik“, am 17. März unser Lied „Schwarz-Rot-Gold“, am 25. März „Berlin“ und „Ein Lied vom Tode“, am 30.  April  Gedichte, die den Kämpfen im übrigen Deutschland gewidmet waren und die vor allem in der „Deutschen Zeitung“ sowie auf zahlreichen Flugblättern erschienen und hauptsächlich im Rheinland große Verbreitung fanden.

 
25. Berliner Demokratenmarsch
(Worte: Moritz Loevinson – Weise: Hermann Hauer )

Den Text des „Berliner Demokratenmarsches“, eines martialischen Kampfrufes verfasste Moritz Loevinson, der 1820 in Danzig geboren worden war, sich 1848 aktiv an den Kämpfen in der preußischen Metropole beteiligte und 1887 in seiner Wahlheimat Berlin starb. Bereits als Gymnasiast hatte sich Loevinson für die Ideen radikal-demokratischer Burschenschafter wie Carl Follen interessiert und begeistert. Wir haben unsere Version des Demokratenmarsches von den Kollegen der Gruppe „Wacholder“ gelernt, die wir auf einer vom Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg i. Br. herausgegebenen CD zur Revolution von 1848 aus dem Jahr 1998 gehört und von dort entlehnt haben. Wir verweisen auf die Aufnahme von "Wacholder".

 

26. Wir wollen ihn nicht haben
(Worte: Anonym, März 1848 – Weise: Bär)

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Das Flugblattlied „Wir wollen ihn nicht haben“, eine Zusammenstellung zweier Lieder sowie Kontrafaktur auf die Melodie des beliebten „Rheinliedes“ („Sie wollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“) von Nikolaus Becker aus dem Jahr 1840, wendet sich entschieden gegen den Prinzen Wilhelm, den Bruder König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen als Scharfmacher und verhassten Vertreter der „Militärpartei“ am Königshof in Berlin. Er reorganisierte das preußísche Militär, dessen Oberbefehl er nach seiner Rückkehr aus dem englischen Exil im Sommer 1848 ab Anfang 1849 innehatte, zur blutigen Niederschlagung der Revolution in Baden und der Pfalz. 1871 sollte Wilhelm zum ersten deutschen Kaiser werden.

 

27. Steh’ ich in finstrer Mitternacht (1848)
(Worte: Anonym, Altenburg/Thüringen – Weise: „Ho Ro Mo Nighean Donn Bhóidleach“)

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Hier geht es um die unmittelbaren Erfahrungen eines Soldaten während der Zeit der Volkserhebungen des Jahres 1848. Normalerweise waren die Soldaten früher in Privatquartiere einquartiert worden, was zum einen für das Militärbudget günstig, zum anderen für die Soldaten angenehm und bequem war, hatten sie doch in vielen Fällen „Familienanschluss“ und wurden mit versorgt. In der Revolutionszeit jedoch mussten sie im Regelfall biwakieren oder wurden in Garnisonen untergebracht, wodurch verhindert werden sollte, dass sie private Kontakte aufnahmen und mit der Bevölkerung fraternisierten. Ursprünglich wurde der Text auf ein bereits existierendes Lied gleichen Titels von Wilhelm Hauff (1802-1827), Schriftsteller des deutschen Biedermeier und einer der Hauptvertreter der Schwäbischen Dichterschule, verfasst, welches jener Mitte der 1820er Jahre geschrieben hatte. Wilhelm Hauff ist uns vor allem durch seine Märchen- und Sagensammlungen („Das Wirtshaus im Spessart“ u.a.) bekannt. Sein Lied war seinerzeit sehr populär, kam mit Auswanderern sogar mit in die USA, wo sich zwei angloamerikanische Versionen finden. Da uns die Melodie nach den langen Jahren, in denen sich das Lied in unserem Repertoire befand, inzwischen zu „abgespielt“ erschien, haben wir uns hier einer Weise schottischen Ursprungs bedient, die wir von der Rankin Family aus Nova Scotia gelernt haben.

 

28. Guckkastenlied vom großen Hecker (1848)
(Worte: Karl Gottfried Nadler – Weise: „Weißt du wie viel Sternlein stehen?“)

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Unter dem Pseudonym „Johann Schmitt, Spielmann bei den Hessen“ verfasste der Pfälzer Jurist und Mundartdichter Karl Gottfried Nadler nach dem Scheitern des Heckerzuges  im April 1848 eine umfang- und detailreiche Spottballade auf den pfälzischen Rechtsanwalt, Abgeordneten und Revolutionär Friedrich Hecker, der bestrebt war, einer Stagnation der revolutionären Bewegung entgegenzuwirken und die Revolution in Südwestdeutschland zusammen mit seinem Kollegen Gustav von Struve in demokratischem Sinne weiterzutreiben. Dabei erlitten die Revolutionäre am 20. April aufgrund ihrer Unerfahrenheit sowie der zahlenmäßigen und waffentechnischen Überlegenheit der konterrevolutionären hessisch-badischen Truppen unter dem General Friedrich von Gagern und der soldatischen Disziplin bei Kandern eine erste bereits alles entscheidende Niederlage. Dies änderte sich auch bei den nachfolgenden kleineren Gefechten nicht. Am 21. April wurde eine ihrer Kolonnen bei Steinen im Wiesental geschlagen, zwei Tage später wurden von Güntherstal gegen Freiburg vorrückende Zuzüge zurückgeworfen, am 24. April schließlich fiel Freiburg dem Sturmangriff der Linientruppen aus mehreren deutschen Bundesstaaten zum Opfer. Bereits einen Tag vorher hatte Georg Herweghs aus Frankreich zur Unterstützung herbeieilende Freischar nach ihrem Übersetzen über den Rhein bei Nieder-Dossenbach durch die Württemberger Truppen eine Niederlage erlitten und wurden aufgerieben, wobei Georg Herweghs selbst, ebenso wie Friedrich Hecker, die Flucht in die Schweiz gelang. All diese militärischen Ereignisse und ihre Protagonisten wurden von Nadler sarkastisch und spöttisch beschrieben, wobei dies etwa der Popularität Friedrich Heckers keinen Abbruch tat.
Wir haben uns dabei auf einige wenige Strophen dieses umfangreichen „Textkonvoluts“ beschränkt, welche wir auf die Weise von „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ singen.

 
29. Beamtenwillkür treibt mich fort
(Worte: Friedrich Hecker – Weise: „Morton Bay“)
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Ein die USA idealisierendes Lied, welches der Feder Friedrich Heckers entstammen soll, der nach dem Scheitern des nach ihm benannten „Heckerzuges“ in Baden im Sommer 1848 nach Amerika auswanderte und sich dort als Farmer in Illinois niederließ. Zeitweise nahm Hecker in seiner neuen Heimat als Führer deutschstämmiger Verbände auf Seiten der Nordstaaten am US-amerikanischen Bürgerkrieg der Jahre 1861 bis 1865 teil. Diem Text von „Beamtenwillkür treibt mich fort“ haben wir wir die Weise eines australischen Folksongs unterlegt, „Morton Bay“, den wir von Andy Irvine („Sweenys Men“, „Planxty“, „St Patrick Street“ u.a.) gelernt haben.

 
30. Das Reden nimmt kein End’ (1848)
(Worte: Georg Herwegh – Weise: „Was kommt dort von der Höh’“)
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Zeitweise auf Seiten Friedrich Heckers kämpfte auch der Arbeiterdichter Georg Herwegh – siehe Kommentar zu Lied Nr. 29 -, welcher der Frankfurter Nationalversammlung vor allem Misstrauen und Spott entgegenbrachte, da er einen aktiven Kampf für die Revolution den bloßen Reden im Parlament vorzog. Was die Paulskirchenversammlung anbelangt, kann man an dieser Stelle wohl ein passendes Zitat des Dichterkollegen und Freundes von Georg Herwegh, Heinrich Heine anführen: „Worte, Worte, niemals Taten, viel Gemüse, niemals Braten!“ Herwegh unterlegte seinem Text dabei die Melodie eines populären Studentenliedes aus dem 18. Jahrhundert, das, wie es in vielen Quellen, etwa auch im „Allgemeinen Deutschen Kommersbuch“, Lahr 1858, S. 292 heißt „beim Fuchsritt zu singen“ war. Wir haben das Lied in dieser Version seinerzeit von der Gruppe „Fortschrott“ gehört und übernommen.

 
31. Den Volksvertretern (1817)
(Worte: Ludwig Uhland – Weise: „Sind wir vereint zu guter Stunde“)
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Im Gegensatz zu dem vorangegangenen Lied Herweghs äußern die Zeilen des Liedes  aus dem Jahr 1817 „Den Volksvertretern“ von Ludwig Uhland noch Hoffnungen in Bezug auf eine Nationalversammlung, deren engagiertes und prominentes Mitglied der schwäbische Dichter dann 1848 in Frankfurt werden sollte, den viele heute – wenn überhaupt – nur mehr als Balladendichter oder als Autor der Soldatenklage „Ich hatt’ einen Kameraden“ in Erinnerung haben. Als eine heute ein wenig gravitätisch und pathetisch anmutende Ermunterung für die Abgeordneten hat Ludwig Uhland sein Lied verfasst, das noch einen durchaus optimistischen Tenor aufweist und zum Liedrepertoire vieler‚‘48er gehörte, obwohl schon sehr bald deutlich wurde, dass diesem Parlament kein langes Leben beschieden sein werde.

 

32. Ich hatt’ einen Kameraden
(Worte und Weise: Ludwig Uhland, 1809)

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Das bekannteste Lied des schwäbischen Gelehrten, Liedsammlers, Poeten und Politikers Ludwig Uhland  ist wohl nach wie vor „Der gute Kamerad“, der auch heute noch – oftmals in einer bloßen Instrumentalfassung – am Volkstrauertag zu hören ist und an die Opfer der beiden Weltkriege erinnern soll. Unter dem Eindruck der Napoleonischen Kriege hatte Uhland dieses Lied 1809 geschrieben, das sich bemerkenswert von anderen „Kriegs- und Hassgesängen“ vieler Zeitgenossen abhebt und zum Volksgut geworden ist. Dennoch hat dieses Lied dazu geführt, dass Ludwig Uhland auch in unseren Tagen bisweilen von Menschen, die der Geschichte und seiner Biographie unkundig sind, als Nationalist und Ultrakonservativer abgestempelt wird, wie wir in Gesprächen bisweilen erfahren mussten

 

33. Abschied
(Ludwig Uhland / U. Otto / D. Buskin)

Bei Ludwig Uhlands „Abschied“ aus dem Jahr 1809 handelt es sich um ein romantisches Lied, in welchem der Dichter seinen heimlichen Abschied von seiner Vaterstadt Tübingen thematisiert hat, und dem wir – nachdem uns seine Melodie von Konradin Kreutzer aus dem Jahr 1818 nicht zugesagt hat – eine Weise unterlegt haben, die Uli in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre während eines Studienaufenthaltes im Volksliedarchiv in Freiburg / Br. einer LP der Songgruppe „Singspiel“ entnommen hat, nämlich „Wenn ich dich brauche, finde ich dich dann“ aus der Feder von D. Buskin. Uli hat Uhlands Text dabei in den 1980er Jahren um eigene Zeilen ergänzt. Wir verweisen auf die Aufnahme von "Singspiel".

 
34. Die gute Polizei
(Worte: Feodor Wehl - Weise: Konradin Kreutzer: „Da streiten sich die Leut’ herum“)
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Dem „Hobellied“ aus der Posse der „Verschwender“ von Ferdinand Raimund hat Feodor Wehl seine Beschreibung der „sehr ungemütlichen Polizei-Allgegenwart im Belagerungszustand seit dem Oktober 1848 in Wien und Berlin beigesteuert. Aber während sich der ‚liebe Valentin’ in der musikalischen Vorlage des Liedes in sein Schicksal fügen und dem Tod ‚keine Umstände’ machen will, wird im neuen Text in ironischer Überspitzung vorgeführt, dass man die polizeiliche ‚Fürsorglichkeit’ gerne entbehren würde. Im übrigen kann man sich sinnvollere Aufgaben für die Polizei vorstellen. ‚Und wo man stahl im guten Reich, Da kommt sie später an’. Vor Diebstählen konnte sie die Bürger wohl nicht so effektiv schützen wie den Staat vor möglichen Aufrührern“. (so der treffende Kommentar von Barbara Boock nach dem CD-Inlay von 1848 „...weil jetzt die Freiheit blüht“. Lieder aus der Revolution von 1848/1849“, hrsg. vom Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg/Br. 1998.), dem man wohl kaum etwas hinzufügen kann. Wir haben das Lied von den „Liederjanen“ kennen gelernt.  

 
35. Nun hütet euch, ihr Fürsten (November 1848)
(Worte: Anonym – Weise: “Bonny Woodhall“)
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Eines der vielen Lieder, die sich mit dem tragischen Schicksal des Paulskirchenabgeordneten und Führers der dortigen Linken Robert Blum beschäftigen. „Nun hütet euch, ihr Fürsten“, lässt es dabei nicht bei der Erschießungsszene des 08. November 1848 in der Brigittenau in Wien bewenden, sondern geht auf die Vorgeschichte von Robert Blums tragischem Ende ein. Blum war zur Unterstützung der Revolution in Wien zusammen mit seinem Parlamentskollegen Julius Fröbel in die österreichische Hauptstadt geeilt. Auf ihre diplomatische Immunität aufgrund ihres Abgeordnetenstatus vertrauend verblieben die beiden auch nach dem Zusammenbruch der Wiener Herbstrevolte in der österreichischen Metropole. Das Kriegsgericht verurteilte Blum und Fröbel zum Tode. Ein Schreiben, in welchem die Hinrichtung der beiden Abgeordneten ausgesetzt werden sollte, kam für Robert Blum zu spät. Fröbel wurde begnadigt und aus Österreich abgeschoben. Wir haben den anonymen Text an einigen Stellen leicht verändert, ihn von „antislawischen Tönen“ gereinigt, und uns der Melodie eines iroschottischen Liedes - „Bonny Woodhall“ - bedient, die wir in den 1980er Jahren während eines Irlandaufenthaltes in Gorey von Andy Irvine und Paul Brady gelernt haben. Ursprünglich war der Text auf die Melodie des „Andreas Hofer-Liedes“ verfasst worden.

 

36. Badisches Wiegenlied (1849)
(Worte: Karl Ludwig Pfau – Weise: Volksweise)

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Der Feder von Karl Ludwig Pfau (*25.08.1821 in Heilbronn - +12.04.1894 in Stuttgart) entstammt das „Badische Wiegenlied“, die wohl bewegendste Klage ob der preußischen Unterdrückungsmaßnahmen nach der endgültigen Niederschlagung der Revolution im Südwesten Deutschlands im Frühsommer des Jahres 1849, der zahllose Demokraten zum Opfer fielen und die viele Badener in der Folge zur Auswanderung – vor allem in die Vereinigten Staaten von Amerika als damaligem Hoffnungsträger und Zielland – bewog. Gegen das Wiedererstarken der Reaktion und deren Vorgehen gegen die revolutionären Errungenschaften des März 1849 – an deren Spitze sich die preußische Soldateska unter dem Oberfehl des „Kartätschenprinzen“, des Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I. setzte – und für die Erhaltung demokratischer Rechte hatte es 1849 mehrere Volksaufstände, so im Rheinland, in Westfalen, Sachsen, in der Pfalz und in Baden gegeben, die diesmal, - im Gegensatz zu früheren Revolten -, etwa in der Pfalz vom einheimischen Militär unterstützt wurde. Auf diese Kämpfe bezieht sich das „Badische Wiegenlied“ implizite. Das badische Rastatt wurde zur letzten Festung des badischen und pfälzischen Aufständischen, die der preußischen Soldateska hinhaltenden Widerstand leisteten. Als Rastatt Ende Juli 1849 gleichwohl vor der Übermacht kapitulieren musste, wurde eine große Anzahl von Aufständischen standrechtlich erschossen. Hunderte starben in preußischer Gefangenschaft, unzählige Menschen suchten ihr Heil in der Auswanderung. Noch jahrelang musste die Region unter der preußischen Besatzung leiden, was feindselige Gefühle wach hielt. Wenn Pfau leider auch inzwischen bei einer breiteren Öffentlichkeit weitestgehend in Vergessenheit geraten ist, wurde sein „Badisches Wiegenlied“ zu einem echten „Volkslied“, das in zahlreichen Varianten verbreitet noch lange Zeit gesungen und während des Deutsch-Folkrevivals der 1970er Jahre schließlich von zahlreichen Musikgruppen wiederentdeckt wurde.

 

37. ’s ist wieder März geworden
(Worte: Anonym – Weise: Ferdinand Maßmann„Ich hab’ mich ergeben“)

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Einer ausgewählten Blumenmetaphorik bediente sich der anonym gebliebene Verfasser von „’s ist wieder März geworden“, einem Lied, welches das Scheitern der demokratischen Kräfte der Jahre 1848/1849 nach der brutalen Niederschlagung der Volksaufstände in Baden und der Pfalz durch die preußischen Truppen unter dem Prinzen Wilhelm thematisiert hat. Dieses poetisch verschlüsselte und doch eindeutig politische „Märzlied“, dessen Blumen einzelne gesellschaftliche Klassen und Kräfte symbolisieren, stand ursprünglich im „Demokratischen Liederbuch“, Stuttgart 1898, das fünfzig Jahre nach der Revolution von 1848 herausgegegen wurde. Geschrieben wurde das Lied auf die Weise eines Burschenschaftsliedes des späteren Germanisten, Lehrers und Sportpädagogen Ferdinand Maßmann (15.08.1797-13.08.1874), „Ich hab’ mich ergeben mit Herz und mit Hand“, aus dem Jahr 1819, welchem die Singweise von „Wir hatten gebauet ein stattliches Haus“ von Daniel August von Binzer zugrunde lag. Wir haben unsere Fassung, was das Arrangement anbelangt, eng an die Version der Kollegen von „Zupfgeigenhansel“ angelehnt, die wir seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre kennen.

 
38. Ein stolzes Schiff
(Worte: Anonym – Weise: Erich Schmeckenbecher)

Bei „Ein stolzes Schiff“ handelt es sich um das nicht zuletzt durch seine hervorragende Interpretation in den 1970er Jahren durch das erwähnte Duo „Zupfgeigenhansel“ wohl aktuell bekannteste Auswandererlied, das die Emigration aus Deutschland und deren Gründe um die Mitte des 19. Jahrhunderts reflektiert. Armut und Unterdrückung veranlassten nach 1848 drei Millionen Menschen, Deutschland den Rücken zu kehren und ihr Glück und Auskommen im Ausland, hier vor allem in Amerika zu suchen. Ansonsten ist das Genre Auswandererlied bis heute in Deutschland weitgehend „unbearbeitet“ und unbeachtet geblieben. Die kongeniale Vertonung von „Ein stolzes Schiff“ erfolgte durch Erich Schmeckenbecher, der auch heute noch gesellschaftspolitisch und musikalisch sehr aktiv ist. Wir verweisen hier auf die hörenswerte "Zupfgeigenhansel"-Aufnahme.

 
39. Kein schöner Land in dieser Zeit
(Worte und Weise: Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio)
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Sind viele der vorangegangenen Lieder alsbald weitgehend in Vergessenheit geraten, hat sich das folgende Lied alsbald zu einem regelrechten „evergreen“ und „Volkslied“ entwickelt,  dies kein Wunder, da es ob seines unpolitischen und „staatserhaltenden“ Charakters natürlich nicht verboten, vielmehr seine Verbreitung gefördert wurde. Der 1803 in Waldbröd gebürtige Heimatdichter, Volksliedforscher und Liedermacher Zuccalmaglio, der 1869 in Nachrodt verstarb, hat seinem romantisierenden Text eine Umformung der Weisen „Ade, mein Schatz, und ich muss fort“ sowie „Ich kann und mag nimmer fröhlich sein“ unterlegt, und dieses sein Lied hat schon bald seinen Weg in zahllose Liederbücher und ins Repertoire unzähliger Männerchöre gefunden. Wir haben dieses Lied, welches wir an ein Arrangement von Erich Schmeckenbecher angelehnt haben, ganz bewusst mit ans Ende unseres Programmes gestellt, weil es sehr gut den rückwärtsgewandten Geist und die „Innerlichkeit“ des deutschen Bürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts widerspiegelt, nachdem man sich während der „tollen Tage“ 1848/1849 eine blutige Nase geholt hatte.

 

40. Ade zur guten Nacht
(Anonym)

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Mit „Ade zur guten Nacht“ entstand wohl um 1850 in Thüringen eines der bekanntesten „romantischen“ Abschiedslieder des 19. Jahrhunderts, das wegen seines unpolitischen Charakters im Gegensatz zum missliebigen Lied der Vormärzzeit und der Jahre 1848/1849 wohlgelitten war, bis in unsere Tage tradiert wurde und damit zu einem der bekanntesten und populärsten „Volkslieder“ überhaupt wurde. Nach einer anderen Lesart wurde das Lied zunächst nur in der Rheinpfalz, in Franken und in Sachsen gesungen. Von dort aus fand es jedoch durch die Jugendbewegung sehr schnell seinen Weg in alle Gebiete Deutschlands.

 

41./42. Dat du min Leevsten büst & Över de stillen Straten
(Worte: Anonym/Theodor Storm – Weise: Anonym/ Ernst Licht

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Als kleines Extra zwei plattdeutsche Lieder, die an sich auf den ersten Blick nichts mit unserem Thema zu tun haben. Es handelt sich um ein von uns zusammengestelltes Medley, welches das heimliche Zusammentreffen eines Liebespaares in der nächtlichen Kammer des Mädchens sowie – um auf die möglichen „direkten Folgen“ der genossenen Liebesfreuden hinzuweisen – ein Wiegenlied von Theodor Storm in Zusammenhang gebracht und verbunden hat. Immer wieder haben junge Leute trotz des – bisweilen vermeintlichen - Widerstandes ihrer „verständnislosen“ Eltern zusammengefunden, immer wieder haben junge Burschen ihre Liebsten in ihrer Kammer besucht und mit diesen zusammen die Nacht verbracht, und dies beileibe nicht nur in Schleswig-Holstein, woher unser Medley stammt, sondern auch anderswo, etwa gerade auch in Bayern, wo das „Fensterln“ auf dem Land mancherorts zeitweise durchaus Usus gewesen zu sein scheint. Sehr oft dürften die Eltern der nächtlichen Besuche durchaus gewahr geworden sein, und in manchen Fällen, nämlich wenn es sich um „den richtigen Burschen“ handelte, dürften diese Besuche nicht einmal unwillkommen gewesen sein. Wenn sich nämlich die richtigen „Brautleute“ fanden, sodass vielleicht eine gute Partie ins Haus stand, d.h. bei einer Hochzeit etwa zwei wohlhabende Familien „fusionieren“ konnten, drückten die Eltern der jungen Leute oftmals wohl mehr als nur ein Auge zu. Wichtig war dabei vor allem, dass die jungen Leute in diesem Fall nicht nur fortpflanzungsbereit sondern auch –fähig waren, damit sich ein Erbe für den weiterzugebenden Besitz einfand. Wenn das Mädchen dann schwanger wurde, musste natürlich geheiratet werden, und bald waren dann auch Wiegenlieder zu hören.
Das um 1850 erschienene Liebeslied „Dat du min Leevsten büst“, welches einen derartigen Besuch thematisiert, stammt aus Schleswig-Holstein, der Verfasser dieses plattdeutschen „Klassikers“, der auch heute noch allenthalben in Deutschland populär und verbreitet ist, ist unbekannt. Ihm folgt Theodor Storms Wiegenlied „Över de stillen Straten“, das wir in den 1960er Jahren seinerzeit in verschiedenen Fassungen – einer mit dem Gitarristen Henri Regnier und einer anderen der Hamburger Sängerin Lale Andersen – kennengelernt haben, wobei die letztere Interpretin mit „Lili Marleen“ schon während des Zweiten Weltkrieges ja einen Evergreen gesungen hat und damit  in die (Folk-)Musikgeschichte eingegangen ist. In den 1960ern waren wir von Lale Andersen dabei keineswegs angetan, haben diese seinerzeit eher den unverbindlichen „Schlager- und Schnulzensängern“ zugeordnet, konnten auch mit ihren „Volksliedern“ (noch) nichts anfangen und haben sie von daher vehement abgelehnt., bestenfalls belächelt Erst als wir uns in späteren Jahren noch einmal in anderen Zusammenhängen – und dann auch intensiver – mit ihrer Biographie befassen mussten, nahmen wir zur Kenntnis, dass Frau Andersen eine im besten Sinne unangepasste Frau und zudem auch eine entschiedene und couragierte Gegnerin des NS-Regimes war und sich von diesem nicht hat vereinnahmen lassen. So hat sie sich niemals von ihren jüdischen Freunden losgesagt und etwa Kontakte zu befreundeten Emigranten in die Schweiz gehalten, sich auch nicht zu Propagandazwecken vereinnahmen und missbrauchen lassen, hat sich z.B. geweigert, an einer „Werbetour“ im Warschauer Ghetto teilzunehmen. Von einer Verhaftung und Einlieferung Frau Andersens ins Zuchthaus oder gar KZ haben die Nazis seinerzeit vor allem deswegen Abstand genommen, weil BBC London von einer diesbezüglichen bevorstehenden Aktion gegen sie berichtete und man die „englische Lügenpropaganda“ unter Beweis stellen wollte. Von daher haben wir Lale Andersen im Nachhinein dringend Abbitte zu leisten, was wir hiermit tun wollen.
Theodor Storm wurde am 14.09.1817 im schleswig-holsteinischen Husum geboren und starb am 04. Juli 1888 in Hademarschen bei Rendsburg/Holstein. Er zählte auch heute noch als bekanntester Dichter plattdeutscher Zunge. Sein Gedicht „Över de stillen Straten“ fand durch Ernst Licht (1892-1965) eine kongeniale Vertonung, in welcher das Lied seit vielen Jahren mit in unser Repertoire eingegangen ist.

 

43. Fuchsmühler Holzschlacht (1894)
(Worte: Anonym – Musik: Regimentsmarsch des 6. Infanterieregiments zu Amberg)

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„Die Fuchsmühler Holzschlacht“ aus dem Jahr 1894 scheint inhaltlich auf den ersten Blick zunächst natürlich nichts mit den Unruhen der Jahre 1848/1849 zu tun zu haben, weist jedoch insofern wieder einen direkten Bezug zur Revolutionszeit auf, als das in den 1890er Jahren im oberpfälzischen Amberg stationierte 6. Infanterieregiment während der unruhigen Jahre Mitte des 19. Jahrhunderts in der damals noch bayerischen Pfalz stationiert gewesen war, und seine Angehörigen 1849 während der dortigen Aufstände zu jenen Truppenteilen gehörten, die sich weigerten, gegen die Revolutionäre vorzugehen, wie uns Alfred Wolfsteiner, einer der besten Kenner der Fuchsmühler Ereignisse und Verfasser einer vorzüglichen Chronik mitteilte. Dies wurde in der Folgezeit – vor allem dann im militaristischen wilhelminischen Kaiserreich – als schmachvoll empfunden und als ein dunkler Fleck auf den Regimentsfahnen angesehen, den es unbedingt zu tilgen galt. Am 29./30. Oktober 1894 ging daher ein Departement des 6. Regiments gegen eine Abteilung unbewaffneter Bauern vor, die – gemäß eines uralten „Gewohnheitsrechts“ – ihr „Rechtholz“ für den Winter im Wald schlagen wollten, nachdem der neue Waldbesitzer und Rechtsinhaber Militär herbeigerufen hatte. Zwei tote Bauern und mehrere Verletzte blieben auf dem Kampfplatz zurück. Das sinnlose Blutbad wurde seinerzeit in der breiten Öffentlichkeit und auch seitens der überregionalen Presse heftig kritisiert und hat lange Zeit in der Erinnerung der einheimischen Bevölkerung überlebt. Es hat also nicht nur im gerade von vielen Bayern immer wieder vielkritisierten Preußen immer wieder gerade auch nach innen gerichtete militaristische Bestrebungen gegeben, um eine eventuell aufmüpfige Bevölkerung durch martialisches und brutales Vorgehen einzuschüchtern, zu disziplinieren und zu bestrafen …
Bei der von uns verwendeten Melodie handelt es sich um den Regimentsmarsch des 6. Regiments, den Uli seinerzeit – was den zweiten Teil anbelangt – rythmisch verändert hat.
 

 

Zu disem Programm gibt es ein 56-seitiges Booklet, das bei Bedarf bestellt werden kann.

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"Passepartout GmbH"

"Lieder aus der 'anderen' Heimat"

Programm II der >Passepartout GmbH<
"Lieder aus der 'anderen' Heimat"

Heimatsymposium der Universität Grenoble Mai 2007.



1. Trois petites notes de musique
2. Bunt sind schon die Wälder
3. In einem kühlen Grunde
4. Abschied
5. Schlacht bei Regensburg
6. Plaisir d'amour + Un canadien errant
7. Drei Zigeuner
8. Kleine Roszy
9. Und in dem Schneegebirge
10. Spießbürger Tugend
11. Trostlied eines abgesetzten Professors
12. Sie sähn es gern, ich würde kirre
13. „Nun hütet euch Ihr Fürsten“
14. Badisches Wiegenlied
15. Beamtenwillkür treibt mich fort
16. „Ein stolzes Schiff“
17. Fuchsmühler Holzschlacht
18. Bibel und Flinte
19. Ich zog zum fernen Afrika
20. „Dem Milners Trern“
21. Wem hamse die Krone jeklaut?
22. „Wir Drei, wir gehn jetzt auf die Walze“ & „Ich bin nur ein armer Wandergesell“
23. Die Moorsoldaten
24. Andre, die das Land so sehr nicht liebten
25. Ich wandre durch Theresienstadt
26. „Anke van Tharaw“ & „Gangel gangel undrem Schoh“ & „Im Wald“
27. „Fern der Heimat“
28. „Des Heizers Traum (Lied vom andern Heimatlandgefühl)
29. O Heideröslein (gib acht wenn's kracht)
30. „Ade zur guten Nacht“

 

 

1. Trois petites notes de musique
(Worte und Weise: Henri Colpi, Georges Delerue & Yves Montand, 1961)

Oftmals sind es nur ein paar Töne, welche plötzlich Erinnerungen hervorzurufen in der Lage sind. Thematisiert wurde das in dem Chanson „Trois petites notes de musique“, das Cora Vaucaire (*2011) Anfang der 1960er Jahre in dem Film „Une aussi longue absence“ („Noch nach Jahr und Tag“) sang, das auch von namhaften anderen französischen Chansongrößen wie Yves Montand, Juliette Gréco, Ives Scheere interpretiert wurde und zu einem internationalen Hit wurde. Der Film „Noch nach Jahr und Tag“, eine französisch-italienische Coproduktion, die 1961 bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, spielt Ende der 1950er Jahre in Frankreich, wo eine Caféhausbesitzerin glaubt, in einem Clochard ihren vor 17 Jahren von der Gestapo verschleppten Ehemann wiederzuerkennen. Doch der hat sein Gedächtnis verloren. Obwohl sie weiß, dass er sich nie wieder an seine Vergangenheit erinnern wird, versucht sie ihm und sich selbst zu beweisen, dass er wirklich ihr Mann ist. Es geht um den Kampf gegen das Vergessen und das Wachhalten der Erinnerung an die Vergangenheit. Für uns ist das Lied, das erste französische Chanson, das ich seinerzeit bewusst hörte, eng mit dem Lebensgefühl der 1960er Jahre verbunden, als französische Lieder – etwa auch bei den ersten Festivals auf der Waldeck (1963-1966) eine große Rolle spielten, bevor die angloamerikanische Rock- und Popmusik sie weitgehend in den Hintergrund drängten
 

2. Bunt sind schon die Wälder
(Worte: Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834), 1793
Weise: Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), 1799)

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Bei dieser stimmungsvollen Idylle aus der Feder des Freiherrn Johann Gaudenz von Salis-Seewis handelt es sich – zumal nach der Vertonung durch Johann Friedrich Reichardt – um eines der bekanntesten Chorlieder aus dem 19. Jahrhundert, das auch heute noch bekannt und verbreitet ist. Wir haben unser Arrangement eng an diejenige des Folk-Duos „Zupfgeigenhansel“ angelehnt, die seit den 1970er Jahren verbreitet war.

 

3. In einem kühlen Grunde
(Worte: Joseph von Eichendorff   Weise: Friedrich Glück)

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Bei Joseph von Eichendorffs aus dem Jahr 1809 stammenden und erstmals 1814 von Friedrich Glück vertonten „In einem kühlen Grunde“ handelt es sich um das wohl bekannteste Abschiedslied der deutschen Romantik. Eichendorff verfasste sein Lied auf seinem Gut Lubowitz – bei Ratibor in Oberschlesien – wohin er nach seiner Studienzeit, unter anderem in Halle und Heidelberg, zurückgekehrt war. „Der kühle Grund“ ist ein kleines Tal im Gebiet von Heidelberg. Hier hatte der schlesische Adelige Joseph von Eichendorff anlässlich seines zeitweiligen Studienaufenthaltes im Februar 1808 die Rohrbacher Küferstochter Katharina Barbara Förster kennen und lieben gelernt, wobei diesem Liebesverhältnis jedoch kein Glück beschieden war, sondern es durch irgendein plötzliches Ereignis oder durch das Eingreifen der Familie des Mädchens unterbrochen wurde. Eichendorff nahm dies zum Anlass, unter dem Titel „Untreue“ eine Klage im romantischen Weltschmerz-Tenor zu verfassen und verließ am 05. April 1808 überstürzt Heidelberg, um nach Paris zu reisen. Er hat Barbara Förster niemals wiedergesehen. Seine „Klage“ wurde in der Folge zu einem der bekanntesten und langlebigsten „Volkslieder“ der deutschen Romantik, zumal als es durch die Komposition Friedrich Glücks bzw. durch die Männerchorbearbeitung von Friedrich Silcher seit 1826 („Volkslieder für vier Männerstimmen“) eine so starke Verbreitung gefunden hatte, dass es schon bald in zahlreiche Liedersammlungen aufgenommen wurde. Joseph von Eichendorff war dabei auch ein politisch tätiger Mensch. So nahm er in den Jahren von 1813 bis 1815 als Lützower Jäger aktiv an den Befreiungskriegskämpfen gegen die napoleonischen Truppen teil. Zu einem „Vormärzdichter“ wurde er insofern, als Robert Schumann während des Schweizer Sonderbundkrieges im Dezember 1847 diese Ereignisse zum Anlass nahm, Eichendorffs Gedicht „Der Eidgenossen Nachtwache“ aus dem Jahr 1809 zu vertonen und in einen aktuellen Bezugsrahmen zu stellen
 

4. Abschied
(Ludwig Uhland / U. Otto / D. Buskin)

Bei Ludwig Uhlands „Abschied“ aus dem Jahr 1809 handelt es sich um ein romantisches Lied, in welchem der Dichter seinen heimlichen Abschied von seiner Vaterstadt Tübingen thematisiert hat, und dem wir – nachdem uns seine Melodie von Konradin Kreutzer aus dem Jahr 1818 nicht zugesagt hat – eine Weise unterlegt haben, die Uli in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre während eines Studienaufenthaltes im Volksliedarchiv in Freiburg / Br. einer LP der Songgruppe „Singspiel“ entnommen hat, nämlich „Wenn ich dich brauche, finde ich dich dann“ aus der Feder von D. Buskin. Uli hat Uhlands Text dabei in den 1980er Jahren um eigene Zeilen ergänzt.

 

5. Schlacht bei Regensburg
(Worte und Weise: Anonym, 1809)

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In der „Schlacht bei Regensburg“ werden sehr eindringlich, detailliert und ausführlich die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Österreichern auf der einen sowie den Franzosen und ihren bayerischen Bundesgenossen auf der anderen Seite in der freien Reichsstadt Regensburg im April 1809 geschildert. Zu diesen Kampfhandlungen im weiteren Sinn gehören auch die Schlachten bei Eggmühl, Abensberg und Thann (heute Herrnwalthann / Hausen). Neben den zahllosen Menschenopfern, die gerade auch unter der Zivilbevölkerung zu beklagen waren, blieb – nachdem die Österreicher schließlich weichen mussten – eine teilweise zerstörte Stadt zurück …

 

6. Plaisir d’amour & Un canadien errant
(Worte: Martin il Tedesco & Anonym –
Weise: Martin il Tedesco & Anonym)

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„Plasir d’Amour“, unser Medley-Vor- und Nachspiel, wohl eines der bekanntesten französischen Liebes- und „Volkslieder“, entstammt  der Feder des oberpfälzer Komponisten Johann Paul Ägidius Martin Schwarzenberg( Pseudonym Martini Il Tedesco), der 1741 in Freystadt in der Oberpfalz geboren wurde.  Es wurde ursprünglich von Hector Berlioz instrumentiert und im Jahr 1939 in der Interpretation von Rina Ketty in Frankreich ein Hitparadenerfolg. Übersetzung von „Plaisir d’amour“: „Die Freude der Liebe dauert jeweils nur einen Augenblick, der Liebeskummer aber bleibt das ganze Leben lang bestehen“.
„Un canadiean errant“, ein in französisch Kanada entstandenes und bis heute verbreitetes Lied, das es in vielen Varianten gibt und von vielen Musikern interpretiert wurde, hat Ereignisse in Kanada nach 1812 als Hintergrund. Die Niederlagen Napoleons auf dem europäischen Kontinent hatten natürlich auch Auswirkungen auf Kanada, wo die Anglo-Kanadier nun ebenfalls endgültig Dominanz über die frankokanadischen Einwohner erlangten, was viele der Letzteren zur Emigration bewog.

 
7. Drei Zigeuner (um 1830)
(Worte: Nikolaus Lenau – Weise: „Sally“ von Fabrizio de André & Massimo Bubola)

Nikolaus (Edler von Strehlenau) Lenau (1802-1850) verfasste 1830 sein Lied „Drei Zigeuner“, eines seiner „melancholischen Lieder“ und für uns eines der ältesten deutschsprachigen „Hippielieder“ überhaupt, welches um 1900 zu einer Hymne des „Wandervogel“ und in den 1970er Jahren dann auch von der damaligen Deutschfolkszene wiederentdeckt wurde, standen hier doch seine Apologeten, die Zigeuner, als Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit. Mit der tatsächlichen Realität des Zigeunerlebens hat dieser romantische Text natürlich wenig zu tun, hier handelt es sich eher um eine Idealisierung. In Wirklichkeit führten die meisten Zigeuner ein armseliges Leben und wurden angefeindet, wobei später viele Angehörige dieses Volkes während des Dritten Reiches in nationalsozialistischen KZs ermordet wurden. Auch heute noch oder gerade wieder erleben die Zigeuner – Sinti und Roma – häufig noch Diskriminierungen und Verfolgungen in den meisten Ländern. Dies gilt es bei diesem Lied immer mitzudenken. „Die „drei Zigeuner“ wurden unter anderem auch von Franz Liszt vertont, die bis heute bekannteste Vertonung des Liedes aber stammt wohl von Theodor Meyer-Steinegg. Sie erschien uns im Lauf der Zeit jedoch zu „abgedroschen“, weswegen wir dem Text die Weise eines Liedes von Fabrizio de André und Massimo Bubola unterlegt haben, die uns passend erschien und besser gefallen hat.

 

8. Roszy
(Worte und Weise: Anonymes Wiener Couplet)

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Das Lied von der kleinen „Roszy“ beschwört ironisch eine ungarische (Zigeuner-) Operetten-Hochzeitsidylle à la „Ich denke oft an Piroschka“ bzw. andere Heimatfilme herauf. Leider ist uns weder der weitere Hintergrund des Liedes bekannt, noch wissen wir die Namen des Textdichters oder Komponisten.

 
10. Und in dem Schneegebirge
(Worte und Weise: Anonym)

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„Und in dem Schneegebirge“, das auch heute noch bekannteste „schlesische Volkslied“, fand Hoffmann von Fallersleben ebenfalls während seiner Feldforschungen in Schlesien. Die erste Strophe, die auf ein altes Jungbrunnenlied aus dem Glatzer Schneegebirge zurückgeht, und die seit den 1530er Jahren bekannt ist, wurde durch Strophen eines alten Wanderliedes ergänzt, die sich als Zwiegesang anschlossen. Die Melodie wurde in Breslau aufgezeichnet und von Hoffmann von Fallersleben und Ernst Richter ebenfalls in deren Sammlung „Schlesische Volkslieder mit Melodien“, Leipzig 1842 veröffentlicht. Wir haben uns bzgl. unserer Version eng an das Arrangement gehalten, das wir in den 1970er Jahren von Erich Schmeckenbecher und Thomas Friz gehört haben.

 
11. Spießbürger Tugend
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Ein Jäger aus Kurpfalz“)
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Thema dieses Liedes Hoffmanns von Fallersleben ist das Wirtshaus als Heimstätte und „Heimat“ des politisierenden deutschen Spießbürgers und Stammtischphilisters, der dann bei Anbruch der Polizeistunde nach bierseligem Räsonnieren friedfertig nach Hause trottet und die Bettdecke über seine Zipfelmütze zieht, dies ein Sujet, das bei Hoffmann – aber nicht nur bei diesem – immer wieder auftaucht. So stammen aus seiner Feder zahllose „Michellieder“, in denen er mit seinen bürgerlichen Zeitgenossen, die sich mit den widrigen Verhältnissen abgefunden haben bzw. sich aus allen zeitpolitischen Auseinandersetzungen herauszuhalten pflegen sarkastisch abrechnet. Verfasst wurde die „Spießbürger Tugend“ dabei auf die Melodie des bekannten Liedes „Ein Jäger aus Kurpfalz“, das noch bis weit ins 20. Jahrhundert eines der bekanntesten Chor- und Volkslieder war. Der Text dieser Vorlage ist dabei schon seit 1763 nachweisbar, die Melodie wurde 1807 in Schwaben aufgezeichnet und 1839 von Erk-Irmer veröffentlicht.

 

12. Trostlied eines abgesetzten Professors (1842)
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Mir fehlet die Freiheit auf Erden“)

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Hier hat Hoffmann von Fallersleben seine Amtsentsetzung und das darauffolgende Berufsverbot thematisiert. Seit den 1830er Jahren Professor der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Breslau wurde er 1841 wegen seiner Gedichte und Lieder, in denen es unter anderem immer wieder auch um das politische Schicksal, das Wohl und Wehe Deutschlands ging, seines Lehrstuhls enthoben und führte in der Folge jahrelang ein unstetes Wanderleben als „Politflüchtling“, welches 1854 mit seinem Aufenthalt in Weimar endete, wo er sechs Jahre lang arbeitete und hier eng mit Franz Liszt verbunden und befreundet war, in dessen Haus Hoffmann neben seinen literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten oftmals als „Maître de Plaisir“ fungierte. Durch Vermittlung der Familie Liszt wurde er 1860 schließlich Bibliothekar des Herzogs von Ratibor in dessen Schloss in Corvey, wo er schließlich auch sein Leben beschloss. Hoffmann selbst hat seinem „Trostlied“ ursprünglich die Melodie eines bekannten Liedes aus der Napoleonzeit – „Nachts um die zwölfte Stunde verlässt der Tambour sein Grab“ – unterlegt, wir haben diese Weise jedoch durch die Melodie des anonym verfassten Liedes „Mir fehlet die Freiheit auf Erden“ ersetzt, das sich im Jahr 1867 mit der Erschießung des aus dem österreichischen Haus Habsburg stammenden Kaisers Maximilian von Mexiko befasste, und das 1908 in der schlesischen Grafschaft Glatz aufgezeichnet wurde. Hier und in Breslau hatte Hoffmann um 1840 selbst zahlreiche Lieder gesammelt, die er später zusammen mit Ernst Richter als „Schlesische Volkslieder“ herausgab.

 

13. Sie sähn es gern, ich würde kirre (1844)
(Worte: Robert Prutz – Weise: Norman Blake)

Auch Robert Eduard Prutz (1816-1872), ein seinerzeit bekannter, wenn auch heute leider ebenfalls weitgehend vergessener überzeugter demokratischer Dichter aus Stettin / Pommern, der nur zu oft an den Verhältnissen in der Heimat litt, ruft in seinem Gedicht aus dem Jahr 1844 dazu auf, sich nicht unterkriegen zu lassen und aktiv und mutig für seine Überzeugungen einzutreten. Als überzeugter Junghegelianer hatte Prutz dabei oftmals unter Willkürmaßnahmen der Behörden zu leiden. So wurde mehrfach seine Absicht, sich an der Universität Jena zu habilitieren durch die Weimarische Regierung verhindert, da Prutzens enge Freundschaft mit Georg Herwegh bekannt und aktenkundig war. Mehrfach wurde Prutz auch wegen seiner Dichtungen des Landes – seien es Weimar oder Preußen – verwiesen, die Aufführung von Werken („Moritz von Sachsen“) untersagt, ein Hochverratsprozess gegen ihn angestrengt, desgleichen seine im Winter 1847 veröffentlichten „Vorlesungen  über die Literatur der Gegenwart“ bereits nach dem ersten Vortrag verboten. Gleichwohl wurde er im Frühjahr 1849 als Professor der Literaturgeschichte an die Universität Halle berufen, wo er jedoch weiterhin aus seinen liberalen Einstellungen keinen Hehl machte. Verschiedene Schwierigkeiten und Anfeindungen vor allem seitens Universitätskollegen, denen er sich immer wieder ausgesetzt sah, bewogen ihn 1858 schließlich jedoch dazu, der Universität von sich aus den Rücken zu kehren. Prutz zog sich nunmehr in seine Heimatstadt Stettin zurück, wo er bis zu seinem Tod lebte und journalistisch tätig war und einem der Stammväter des deutschen Journalismus wurde. Wir verweisen auf die "Planxty"-Aufnahme.

 

14. Nun hütet euch, ihr Fürsten (November 1848)
(Worte: Anonym – Weise: “Bonny Woodhall“)

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Eines der vielen Lieder, die sich mit dem tragischen Schicksal des Paulskirchenabgeordneten und Führers der dortigen Linken Robert Blum beschäftigen. „Nun hütet euch, ihr Fürsten“, lässt es dabei nicht bei der Erschießungsszene des 08. November 1848 in der Brigittenau in Wien bewenden, sondern geht auf die Vorgeschichte von Robert Blums tragischem Ende ein. Blum war zur Unterstützung der Revolution in Wien zusammen mit seinem Parlamentskollegen Julius Fröbel in die österreichische Hauptstadt geeilt. Auf ihre diplomatische Immunität aufgrund ihres Abgeordnetenstatus vertrauend verblieben die beiden auch nach dem Zusammenbruch der Wiener Herbstrevolte in der österreichischen Metropole. Das Kriegsgericht verurteilte Blum und Fröbel zum Tode. Ein Schreiben, in welchem die Hinrichtung der beiden Abgeordneten ausgesetzt werden sollte, kam für Robert Blum zu spät. Fröbel wurde begnadigt und aus Österreich abgeschoben. Wir haben den anonymen Text an einigen Stellen leicht verändert, ihn von „antislawischen Tönen“ gereinigt, und uns der Melodie eines iroschottischen Liedes - „Bonny Woodhall“ - bedient, die wir in den 1980er Jahren während eines Irlandaufenthaltes in Gorey von Andy Irvine und Paul Brady gelernt haben. Ursprünglich war der Text auf die Melodie des „Andreas Hofer-Liedes“ verfasst worden.

 

15. Badisches Wiegenlied (1849)
(Worte: Karl Ludwig Pfau – Weise: Volksweise)

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Der Feder von Karl Ludwig Pfau (*25.08.1821 in Heilbronn - +12.04.1894 in Stuttgart) entstammt das „Badische Wiegenlied“, die wohl bewegendste Klage ob der preußischen Unterdrückungsmaßnahmen nach der endgültigen Niederschlagung der Revolution im Südwesten Deutschlands im Frühsommer des Jahres 1849, der zahllose Demokraten zum Opfer fielen und die viele Badener in der Folge zur Auswanderung – vor allem in die Vereinigten Staaten von Amerika als damaligem Hoffnungsträger und Zielland – bewog. Gegen das Wiedererstarken der Reaktion und deren Vorgehen gegen die revolutionären Errungenschaften des März 1849 – an deren Spitze sich die preußische Soldateska unter dem Oberfehl des „Kartätschenprinzen“, des Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I. setzte – und für die Erhaltung demokratischer Rechte hatte es 1849 mehrere Volksaufstände, so im Rheinland, in Westfalen, Sachsen, in der Pfalz und in Baden gegeben, die diesmal, - im Gegensatz zu früheren Revolten -, etwa in der Pfalz vom einheimischen Militär unterstützt wurde. Auf diese Kämpfe bezieht sich das „Badische Wiegenlied“ implizite. Das badische Rastatt wurde zur letzten Festung des badischen und pfälzischen Aufständischen, die der preußischen Soldateska hinhaltenden Widerstand leisteten. Als Rastatt Ende Juli 1849 gleichwohl vor der Übermacht kapitulieren musste, wurde eine große Anzahl von Aufständischen standrechtlich erschossen. Hunderte starben in preußischer Gefangenschaft, unzählige Menschen suchten ihr Heil in der Auswanderung. Noch jahrelang musste die Region unter der preußischen Besatzung leiden, was feindselige Gefühle wach hielt. Wenn Pfau leider auch inzwischen bei einer breiteren Öffentlichkeit weitestgehend in Vergessenheit geraten ist, wurde sein „Badisches Wiegenlied“ zu einem echten „Volkslied“, das in zahlreichen Varianten verbreitet noch lange Zeit gesungen und während des Deutsch-Folkrevivals der 1970er Jahre schließlich von zahlreichen Musikgruppen wiederentdeckt wurde.

 

16. Beamtenwillkür treibt mich fort
(Worte: Friedrich Hecker – Weise: „Morton Bay“)

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Ein die USA idealisierendes Lied, welches der Feder Friedrich Heckers entstammen soll, der nach dem Scheitern des nach ihm benannten „Heckerzuges“ in Baden im Sommer 1848 nach Amerika auswanderte und sich dort als Farmer in Illinois niederließ. Zeitweise nahm Hecker in seiner neuen Heimat als Führer deutschstämmiger Verbände auf Seiten der Nordstaaten am US-amerikanischen Bürgerkrieg der Jahre 1861 bis 1865 teil. Diem Text von „Beamtenwillkür treibt mich fort“ haben wir wir die Weise eines australischen Folksongs unterlegt, „Morton Bay“, den wir von Andy Irvine („Sweenys Men“, „Planxty“, „St Patrick Street“ u.a.) gelernt haben.

 

17. Ein stolzes Schiff
(Worte: Anonym – Weise: Erich Schmeckenbecher)

Bei „Ein stolzes Schiff“ handelt es sich um das nicht zuletzt durch seine hervorragende Interpretation in den 1970er Jahren durch das erwähnte Duo „Zupfgeigenhansel“ wohl aktuell bekannteste Auswandererlied, das die Emigration aus Deutschland und deren Gründe um die Mitte des 19. Jahrhunderts reflektiert. Armut und Unterdrückung veranlassten nach 1848 drei Millionen Menschen, Deutschland den Rücken zu kehren und ihr Glück und Auskommen im Ausland, hier vor allem in Amerika zu suchen. Ansonsten ist das Genre Auswandererlied bis heute in Deutschland weitgehend „unbearbeitet“ und unbeachtet geblieben. Die kongeniale Vertonung von „Ein stolzes Schiff“ erfolgte durch Erich Schmeckenbecher, der auch heute noch gesellschaftspolitisch und musikalisch sehr aktiv ist. Wir verweisen hier auf die fantastische „Zupfgeigenhansel“-Aufnahme.

 

18. Fuchsmühler Holzschlacht (1894)
(Worte: Anonym – Musik: Regimentsmarsch des 6. Infanterieregiments zu Amberg)

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„Die Fuchsmühler Holzschlacht“ aus dem Jahr 1894 scheint inhaltlich auf den ersten Blick zunächst natürlich nichts mit den Unruhen der Jahre 1848/1849 zu tun zu haben, weist jedoch insofern wieder einen direkten Bezug zur Revolutionszeit auf, als das in den 1890er Jahren im oberpfälzischen Amberg stationierte 6. Infanterieregiment während der unruhigen Jahre Mitte des 19. Jahrhunderts in der damals noch bayerischen Pfalz stationiert gewesen war, und seine Angehörigen 1849 während der dortigen Aufstände zu jenen Truppenteilen gehörten, die sich weigerten, gegen die Revolutionäre vorzugehen, wie uns Alfred Wolfsteiner, einer der besten Kenner der Fuchsmühler Ereignisse und Verfasser einer vorzüglichen Chronik mitteilte. Dies wurde in der Folgezeit – vor allem dann im militaristischen wilhelminischen Kaiserreich – als schmachvoll empfunden und als ein dunkler Fleck auf den Regimentsfahnen angesehen, den es unbedingt zu tilgen galt. Am 29./30. Oktober 1894 ging daher ein Departement des 6. Regiments gegen eine Abteilung unbewaffneter Bauern vor, die – gemäß eines uralten „Gewohnheitsrechts“ – ihr „Rechtholz“ für den Winter im Wald schlagen wollten, nachdem der neue Waldbesitzer und Rechtsinhaber Militär herbeigerufen hatte. Zwei tote Bauern und mehrere Verletzte blieben auf dem Kampfplatz zurück. Das sinnlose Blutbad wurde seinerzeit in der breiten Öffentlichkeit und auch seitens der überregionalen Presse heftig kritisiert und hat lange Zeit in der Erinnerung der einheimischen Bevölkerung überlebt. Es hat also nicht nur im gerade von vielen Bayern immer wieder vielkritisierten Preußen immer wieder gerade auch nach innen gerichtete militaristische Bestrebungen gegeben, um eine eventuell aufmüpfige Bevölkerung durch martialisches und brutales Vorgehen einzuschüchtern, zu disziplinieren und zu bestrafen …
Bei der von uns verwendeten Melodie handelt es sich um den Regimentsmarsch des 6. Regiments, den Uli seinerzeit – was den zweiten Teil anbelangt – rythmisch verändert hat.

 

19. Bibel und Flinte
(Worte: Anonym, etwa um 1890 –
Weise: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“)

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Das anonyme Spottlied auf die Kolonialpolitik des deutschen Reiches schildert Einblicke in die deutschen Kolonialpraktiken, die auch nicht humaner waren als diejenigen der andere Kolonialmächte. Den aktiven Missionaren kam bei der Eroberung und Aufteilung des afrikanischen Kontinents – aber auch anderer Gebiete! – eine wichtige Rolle zu. Die Mission nahm bezüglich der Ausrottungspolitik des Deutschen Reiches eindeutig Stellung für die weiße Obrigkeit. Das Lied, das zunächst in zeitgenössischen sozialdemokratischen Liederbüchern abgedruckt war, wurde Mitte der 1970er Jahre von der Gruppe „Zupfgeigenhansel“ wiederveröffentlicht.

 

20. Ich zog zum fernen Afrika
(Worte und Weise: Anonym, um 1904)

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In dem Lied, das aus den Aufzeichnungen des ehemaligen Sergeanten E. Petrus stammt, der den zweiten südwestafrikanischen Feldzug der deutschen Kolonialtruppen 1905/06 mitmachte, wird die alltägliche Realität des kleinen Schutztrupplers beschrieben, die den das Klima und die Lebensumstände nicht gewöhnten Soldaten oftmals mehr zusetzten als kriegerische Auseinandersetzungen.

 

21. Dem Milners Trern
(Worte und Weise: Mark Warschnawski, um 1900, Warschau)

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„Dem Milners Trern“ („Die Tränen des Müllers“) beklagt eines der zahlreichen Pogrome im osteuropäischen Raum, wie sie immer wieder üblich waren und die ostjüdische Bevölkerung gerade auch im damals russischen Raum niemals zur Ruhe kommen ließ, wobei diese Schreckensereignisse noch nichts von der Vernichtung eines Großteils des europäischen Judentums durch den Holocaust durch die Hitlerdiktatur erahnen ließ.

 

22. Wem hamse die Krone jeklaut?
(Worte: Anonym, Berlin 1918/19 - und Weise: Anonym)

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„Wem hamse die Krone jeklaut“, ein seinerzeit bekanntes und populäres Spottlied auf Kaiser Wilhelm II. bezieht sich auf dessen Flucht ins niederländische Doorn, wo der abgedankte deutsche Kaiser bis zu seinem Tode lebte. Die Melodie kennen wir auch von einem Tanzstück aus dem Egerland her, die wir einmal von der „Regensburger Bordunmusik“ gehört haben.

 

23. Wir drei, wir gehen jetzt auf die Walze / Ich bin nur ein armer Wandergesell
(Worte: Kurt Tucholsky, 1924 – Weise: Hans May)
Worte: Hans Haller & Fritz Oliven – Weise: Dr. Eduard Künneke)

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Peter Rohland veröffentlichte „Wir drei, wir gehen jetzt auf die Walze“ auf seiner LP "Landstreicherballaden" Ende der sechziger Jahre und schrieb dazu, der Text und die Musik wären aus rheinischen Kundenkreisen überliefert. Nach anderen Informationen, die wir bisher aber nicht überprüfen konnten, stammt das Lied dagegen von Kurt Tucholksy und Hans May, die es 1924 verfasst haben sollen. Aus dem Jahr 1921 stammt das bekannte Operettenlied „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ aus „Der Vetter aus Dingsda“. Komponist war der Berliner Euard Künneke, das Libretto stammt von Hermann Haller und Fritz Oliven. Die Uraufführung dieser bis heute erfolgreichsten Operette Künnekes fand am 15. April 1921 im Berliner Theater am Nollendorfplatz statt.

 

24. Die Moorsoldaten
(Worte: Johann Esser & Wolfgang Langhoff, 1933 – Weise: Rudi Goguel

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Das „Moorsoldatenlied“, das bis heute wohl bekannteste Lied, das in einem deutschen Konzentrationslager der NS-Zeit entstand, wurde 1933 von politischen Häftlingen des Konzentrationslager Börgermoor bei Papenburg im Emsland geschaffen, die dort mit einfachsten Werkzeugen das dortige Moor kultivieren mussten. Es wurde am 27. August 1933 erstmalig bei einer Veranstaltung „Zirkus Konzentrazani“ von 16 Häftlingen, überwiegend ehemaligen Mitgliedern des Solinger Arbeitervereins, aufgeführt und erlangte breite Popularität, übrigens bis in die Reihen der Wachmannschaften hinein. In der Bundesrepublik lange Zeit weitgehend verdrängt und fast vergessen, wurde das Lied  seinerzeit n der DDR oftmals gesungen.

 

25. Andre, die das Land so sehr nicht liebten
(Worte: Theodor Kramer, 1938 – Weise: Erich Schmeckenbecher)

"Andre, die das Land so sehr nicht liebten“ wurde in den 1970er Jahren von Erich Schmeckenbecher vertont und ist bis heute wohl das populärste und meistverbreitete Lied eines lange Zeit völlig vergessenen Dichters, wobei Kramer heute auch von anderen Musikern – etwa Wolfgang Rieck – wiederentdeckt wurde. Kramer, am 01. Januar 1897 im österreichischen Weinviertel geboren, lebte ab 1931 als freier Schriftsteller in Wien und verfasste rund 12.000 Gedichte, von denen bis heute aber nur 2.000 veröffentlicht wurden. Er war seinerzeit sehr erfolgreich und im gesamten deutschen Sprachraum bekannt. Nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich wurde Kramer als Jude und Sozialdemokrat ein Arbeits- und Berufsverbot auferlegt. Daraufhin emigrierte er nach London, wo er 1946 die britische Staatsbürgerschaft erhielt und bis 1957 lebte. In den Jahren 1940 bis 1941 war er als „Feindlicher Ausländer“ interniert.1957 wurde er auf Intervention verschiedener österreichischen Freunde nach Wien zurückgeholt, wo er eine Ehrenpension erhielt. Er starb am 3. April 1958, unglücklich und wenig beachtet, in Wien und wurde auf dem Zentralfriedhof (30B-1-2) in einem ehrenhalber gewidmeten Grab beigesetzt. Erst in den 1970er Jahren wurde er von Erich Schmeckenbecher wiederentdeckt. Heute sind einige seiner Lieder wieder ins Repertoire verschiedener Künstler eingegangen.
Bei Konzerten haben wir heute diesem Lied den folgenden Erich Kästner-Vierzeiler aus dem Jahr 1945 in einer von Uli Otto verfassten Version vorangestellt, mit welchem Kästner seinerzeit auf die Frage antwortete, warum er nicht – obwohl es ihm möglich gewesen wäre – ins Ausland emigriert sondern in Deutschland geblieben sei:
„Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
 Mich lässt meine Heimat nicht fort.
 Ich bin wie ein Baum, der in Deutschland gewachsen,
 Wenn’s sein muss in Deutschland verdorrt“,

 

26. Ich wandre durch Theresienstadt
(Worte und Weise: Ilse Weber, nach 1941)

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Ich wandre durch Theresienstadt“ entstand nach der Deportation der Verfasserin und Komponistin ins tschechische Theresienstadt, das – so der NS-Zynismus – „der Führer den Juden geschenkt hatte, um hier bei Besuchen durch Vertreter des Roten Kreuzes der Weltöffentlichkeit die Humanität der Nationalsozialisten zu dokumentieren.
I
lse Weber wurde 1903 in Witkowitz bei Ostrau geboren, wo sie schon in jungen Jahren Kinderbücher schrieb. Nach der Besetzung ihrer Heimatstadt durch die Deutschen siedelte sie mit ihren Eltern nach Prag über. Von hier aus wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann und dem jüngeren Sohn Thomas am 8. Februar 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ihrem älteren Sohn Hanuš gelang es dank einer Hilfsaktion der jüdischen Gemeinde nach England und später nach Schweden zu fliehen, wo er in der Kriegszeit lebte. Ilse Weber kümmerte sich in Theresienstadt um die dortigen Kinder und schrieb im Ghetto Gedichte und Lieder, die populär wurden und sich zum Teil auch auf heutigen Tonträgern finden. Als ihr Mann im November 1944 in einen Transport eingereiht wurde, meldete sie sich mit ihrem Kind freiwillig. Gemeinsam mit diesem wurde sie in den Gaskammern von Auschwitz ermordet.

 

27. Anke van Tharaw / Gangel Gangel / Im Wald
(Worte: Erminia von Olfers-Batocki, 1928 in Königsberg – Weise: Friedrich Gelhaar, Königsberg)

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Das in samländisch-natangischer Mundart verfasste ostpreußische Wiegenlied entstammt der Feder der Heimatdichterin Erminia von Olfers-Batocki (1876-1954), die auf dem ostpreußischen Gut Tharau aufwuchs und das Lied später für ihre Kinder schrieb. Wir haben ihm daher die Weise des wohl bis heute bekanntesten ostpreußischen Liedes „Anke van Tharaw“ („Ännchen von Tharau“) vorangestellt. Entschuldigung an alle Ostpreußen, dass wir uns an einem ihrer Dialekte versucht haben, obwohl wir seiner keineswegs mächtig waren und sind. Viele – nicht nur ostpreußische – Dialekte und damit ein Stück Kulturgeschichte sind nach 1945 zwangsläufig zum Aussterben verurteilt.

 

28. Fern der Heimat irr als Flüchtling
(Worte: Anonym, 1945 – Weise: Andy Mitchell)

„Fern der Heimat“ ist eines der zahllosen Lieder, die nach 1945 in einem der vielen Flüchtlingslager entstanden sind. Wir haben das Lied, das ursprünglich von Flüchtingen aus dem Banat stammt, es nach „Ostpreußen“ verlegt. Es schildert die mannigfachen und großen Probleme  sowie den Hass und die offene Ablehnung, die den Flüchtlinge und Heimatvertriebenen nur zu oft entgegenschlug, die im Westen oftmals ungeliebt und keineswegs willkommen waren und nicht nur deswegen lange Zeit die Sehnsucht bewahrten, die alte Heimat wieder zu sehen. Die – wenigstens auf Dauer - Integration der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach 1945 zählt zu den großen Leistungen der Bundesrepublik, derer wir öfter gedenken und an der wir uns auch heute bei aktuellen Zuwanderern öfter ein Beispiel nehmen sollten. Die Weise, zu der wir das Lied heute singen, haben wir von Andy Irvine gelernt.

 

29. Des Heizers Traum
(Worte: Fritz Graßhoff, Ende der 1960er Jahre – Weise: Wolfgang „Schobert“ Schulz“)

Des Heizers Traum“, ein Lied, das wir aus den 1960er Jahren von „Schobert & Black“ her kennen, setzt sich sarkastisch  mit den Rückkehrgedanken der – hier ostpreußischen – Heimatvertriebenenverbände auseinander, die lange Zeit, und manche ihrer Vertreter wohl bis heute, nicht zu einem Verzicht auf ihre „alte Heimat“ bereit und nicht an einer Aussöhnung mit dem Osten interessiert waren. Das Lied wurde schon damals in ostpreußischer Mundart gesungen und auch wir haben uns daran versucht.

 

30. O Heideröslein, gib acht wenn’s kracht
(Worte: Hans Hee, „Peheiros“, 1955 sowie „Drei Tornados“, 1985
 Weise: „Heideröslein“ von Jan Hansen)

Das Original vom Anfang der 1950er Jahre – „Das Heideröslein“ -, eine damals sehr populäre Heimatschnulze, die wir von Friedel Hensch & den Cypries her kennen, diente schon 1955 als Grundlage einer Parodie der „Peheiros“ aus Bremen, die sich ironisch-kritisch mit den Wiederbewaffnungsplänen der Zeit und der Einführung der Bundeswehr auseinandersetzten. Wir haben diesen Text um eine Strophe der „Drei Tornados“ aus dem Jahr 1985 erweitert.

 

31. Ade zur guten Nacht
(Anonym)

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Mit „Ade zur guten Nacht“ entstand wohl um 1850 in Thüringen eines der bekanntesten „romantischen“ Abschiedslieder des 19. Jahrhunderts, das wegen seines unpolitischen Charakters im Gegensatz zum missliebigen Lied der Vormärzzeit und der Jahre 1848/1849 wohlgelitten war, bis in unsere Tage tradiert wurde und damit zu einem der bekanntesten und populärsten „Volkslieder“ überhaupt wurde. Nach einer anderen Lesart wurde das Lied zunächst nur in der Rheinpfalz, in Franken und in Sachsen gesungen. Von dort aus fand es jedoch durch die Jugendbewegung sehr schnell seinen Weg in alle Gebiete Deutschlands.

 

 

"Ich hatt' einen Kameraden..." (1999)
Einige Lieder zum Militär, Militarismus, Soldatenleben und Kriegen in Deutschland von den Jahren 1740 bis 1914.

1. O König von Preußen
2. Soldatenschicksal
3. Die große Hungersnot
4. Der Musketier
5. Zu Straßburg auf der Schanz
6. Ich hatt’ einen Kameraden 1809
7. Ich hatt’ einen Kameraden 1902
8. Ich hatt’ einen Kameraden 1917/1918
9. Schlacht bei Regensburg (1809)
10. D’Salzburger Landwehr
11. ’s ist Alles lauter Falschheit
12. Man gab uns viele schöne Wort’
13. Wir wollen ihn nicht haben
14. Steh’ ich in finstrer Mitternacht
15. Nun hütet euch, ihr Fürsten
16. Badisches Wiegenlied
17. Lied des New-Ulmer (Minnesota, 1862)
18. Die Reise nach Jütland
19. Brandenborschet Landwehrlied
20. Lithauisches Soldatenlied
21. Siebzger Auszug
22. Wie wir Metz erobern
23. Auf einer Verbandstation 1870
24. So is es zu Kriegeszeeten
25. Ich bin Soldat
26. Freinderl, kennst du das Haus
27. Der Schwalangschér
28. Fuchsmühler Holzschlacht
29. Der Räuber-Hauptmann von Köpenick
30. Der abgerüstete Rekrut
31. Stets in Trauern muss ich leben weil ich ein Soldat jetzt bin
32. Bibel und Flinte
33. Nach Südwest hinzugehn war mein Begehr
34. Ich zog zum fernen Afrika
35. Kiautschou-Lied

 

 

1. O König von Preußen
(Worte: Anonym – Weise: Wir preußischen Husaren)

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Dieses Klagelied aus der Zeit der Kabinettskriege des 18. Jahrhunderts schildert anschaulich den trostlosen und elenden Alltag der oftmals zwangsgepressten Soldaten – übrigens nicht nur in Preußen, wie Liedvarianten belegen. Kleinste Verfehlungen und Nachlässigkeiten wurden mit brutalen Strafen geahndet. Dem ausgedienten Soldaten blieb meistens nur der „Bettelsack“, da es keinerlei soziale Absicherung gab.

 

2.Soldatenschicksal
(Worte: Christian Friedrich Daniel Schubart  -
Weise: Erich Schmeckenbecher)

In diesem Lied wird das Thema Soldatenelend nochmals aufgegriffen, wobei es hier ein ehemaliger Student ist, den das harte Los getroffen hat. Der Text und die ursprüngliche Weise stammen vermutlich aus der Feder von Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791), der wegen seiner Kritik an der landesherrlichen Obrigkeit zehn Jahre lang auf der Festung Hohenasperg eingekerkert war. Unsere Vertonung stammt von Erich Schmeckenbecher („Zupfgeigenhansel“), dem an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

 

3. Die große Hungersnot
(Worte und Weise: Anonym)

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Wir haben dieses und die folgenden beiden Lieder, die an sich nichts mit dem Vormärz zu tun haben, mit in dieses Programm übernommen, um damit auf den „Volksliedsammler“ Hoffmann von Fallersleben hinzuweisen, der mit seinen „Schlesischen Volksliedern“ seinerzeit eine der ersten regionalen Liedsammlungen zusammengetragen hat. Auch war Hoffmann unseres Wissens der erste Universitätsgelehrte, der – damals noch als Professor in Breslau – eine Vorlesung über das Volkslied an einer deutschen Hochschule gehalten hat. Bei „Die große Hungersnot“ handelt es sich um ein ehemals wohl weitverbreitetes Lied, das mit seiner schlichten Darstellung und der schwermütigen Melodie zu den vermutlich eindruckvollsten deutschen Soldatenliedern gehört. Es findet sich bereits in dem 1848 erschienenen Deutschen Volksgesangbuch von Hoffmann von Fallersleben. Dabei ist unklar, ob sich die Schilderung auf die schreckliche Hungersnot während des 30jährigen Krieges oder auf den Siebenjährigen Krieg in Schlesien bezieht.

 

4. Der Musketier
(Worte und Weise: Anonym, vermutlich um 1800)

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In diesem bekannten bayerischen Volkslied wird in einer Strophe spöttisch ein ausgedienter Musketier besungen, der bei den Bauern als Bettelmusikant sein karges Brot verdienen muss.

 

5. Zu Straßburg auf der Schanz
(Worte und Weise: Anonym, um 1790)

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Dieses Lied stammt aus der Spätzeit der Söldnerheere der Kabinettskriege um 1790, als es in Frankreich ebenfalls noch das stehende Heer gab, das sich zumeist aus zwangsrekrutierten Soldaten zusammensetzte. Geschildert wird die Erschießung eines Deserteurs, der zu den Preußen hatte überlaufen wollen.

 
6. Ich hatt‘ einen Kameraden (1809)
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"Der gute Kamerad" ist auch heute noch - zumeist in einer reinen Instrumentalfassung - am Volkstrauertag zu hören und soll an die Opfer der beiden Weltkriege erinnern. Ludwig Uhland hat dieses Lied, das sich bemerkenswert von anderen zeitgenössischen "Kriegsgesängen" abhebt und zum "Volksgut" geworden ist, im Jahr 1809 unter dem Eindruck der napoleonischen kriege geschrieben.

 

7. Ich hatt‘ einen Kameraden (1902)
(Worte: Anonym, 1902 – Originaltext und Weise: Ludwig Uhland, 1809)

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Ludwig Uhland Lied „Der gute Kamerad“ diente wegen seiner Vorlage auch gerne als Vorlage für Parodien. Diese Kontrafaktur aus dem Jahr 1902 wurde seinerzeit in einem Regiment in Halle gesungen.

 

8. Ich hatt‘ einen Kameraden (1917)
(Worte: Anonym, 1917/18 – Originaltext und Weise: Ludwig Uhland, 1809)

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Von desillusionierten österreichischen Soldaten ist eine weitere Fassung von Uhland „Der gute Kamerad“ überliefert, in der sich der Auflösungsprozess des Vielvölkerstaates der  österreichisch-ungarischen Donaumonarchie am Ende des Ersten Weltkrieges spiegelt. Fremdnationale Mitkämpfer mutieren plötzlich zum Feind, gegen den es sich zur Wehr zu setzen gelte.

 

9. Schlacht bei Regensburg
(Worte und Weise: Anonym, 1809)

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In der „Schlacht bei Regensburg“ werden sehr eindringlich, detailliert und ausführlich die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Österreichern auf der einen sowie den Franzosen und ihren bayerischen Bundesgenossen auf der anderen Seite in der freien Reichsstadt Regensburg im April 1809 geschildert. Zu diesen Kampfhandlungen im weiteren Sinn gehören auch die Schlachten bei Eggmühl, Abensberg und Thann (heute Herrnwalthann / Hausen). Neben den zahllosen Menschenopfern, die gerade auch unter der Zivilbevölkerung zu beklagen waren, blieb – nachdem die Österreicher schließlich weichen mussten – eine  teilweise zerstörte Stadt zurück …

 

10. D’ Salzburger Landwehr
(Worte und Weise: Anonym, aus der Gegend um Salzburg 1808/09)

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Das Salzburger Landwehrlied zählt wohl mit zu den originellsten Liedern aus der Napoleonzeit. Am 09. Juni 1809 erließ Franz I. von Österreich unter dem Eindruck der Kämpfe in Spanien gegen die napoleonischen Truppen das Landwehrpatent. Der Landwehr gehörten demnach alle wehrfähigen Männer zwischen 18 und 35 Jahren an, die der Heerespflicht unterlagen. „Nur schee langsam voran“ lautet hier der Appell der behäbigen, kriegsunerfahrenen Landwehrleute. Sie vermögen den „schnellen“ regulären Truppen nicht so recht zu folgen. Wie selbstironisch vermerkt wird, ist es mit der Kriegslust und der Tapferkeit weder bei den honorablen Vorgesetzten noch bei den Mannschaften weit her. Ein wenig später entstand im norddeutschen Raum das Lied „Die lippischen Schützen“, welches eine ähnliche Thematik aufweist und in den 1970er Jahren durch die Hamburger Gruppe „Liederjan“ verbreitet und populär wurde.

 

11. „‘s ist Alles lauter Falschheit“
(Worte: Anonym, um 1813/14 – Weise: „The Bonny Light Horseman“)

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In diesem Lied wird die traurige Perspektive der betroffenen zwangseingezogenen Soldaten geschildert, die ihre trauernden Angehörigen verlassen mussten, um gegen Napoleon ins Feld zu ziehen. Die „Feldtauglichkeit“ musste – wenn  kein Ersatzmann gestellt werden konnte – innerhalb kürzester Zeit hergestellt werden. Dem Text wurde von uns eine zeitgenössische iro-schottische Melodie – “The Bonny Light Horseman“ – unterlegt, die uns besser angesprochen hat als die ursprüngliche Weise

 

12. . Man gab uns viele schöne Wort’ (1815)
(Worte: Anonym – Weise: U. Otto)

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Der unbekannte Verfasser dieses ersten vorgestellten Liedes, das uns der fränkische Liedersammler und Liedforscher Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth überliefert hat, scheint einer der zahllosen aktiven Teilnehmer der „Freiheitskriege“ gewesen zu sein, der, vertrauend auf die Versprechungen der Landesherren in Bezug auf ein einiges Deutschland mit einer Verfassung und frei gewählten Volksvertretung, in den Krieg gegen die französische Fremdherrschaft gezogen war. Seine angesichts des Wiener Kongresses enttäuschten Erwartungen und Hoffnungen haben ihn zur Schreibfeder greifen lassen.
 

13.  Wir wollen ihn nicht haben
(Worte: Anonym, März 1848 – Weise: Bär)

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Das Flugblattlied „Wir wollen ihn nicht haben“, eine Zusammenstellung zweier Lieder sowie Kontrafaktur auf die Melodie des beliebten „Rheinliedes“ („Sie wollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“) von Nikolaus Becker aus dem Jahr 1840, wendet sich entschieden gegen den Prinzen Wilhelm, den Bruder König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen als Scharfmacher und verhassten Vertreter der „Militärpartei“ am Königshof in Berlin. Er reorganisierte das preußísche Militär, dessen Oberbefehl er nach seiner Rückkehr aus dem englischen Exil im Sommer 1848 ab Anfang 1849 innehatte, zur blutigen Niederschlagung der Revolution in Baden und der Pfalz. 1871 sollte Wilhelm zum ersten deutschen Kaiser werden.

 

14. Steh’ ich in finstrer Mitternacht (1848)
(Worte: Anonym, Altenburg/Thüringen – Weise: „Ho Ro Mo Nighean Donn Bhóidleach“)

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Hier geht es um die unmittelbaren Erfahrungen eines Soldaten während der Zeit der Volkserhebungen des Jahres 1848. Normalerweise waren die Soldaten früher in Privatquartiere einquartiert worden, was zum einen für das Militärbudget günstig, zum anderen für die Soldaten angenehm und bequem war, hatten sie doch in vielen Fällen „Familienanschluss“ und wurden mit versorgt. In der Revolutionszeit jedoch mussten sie im Regelfall biwakieren oder wurden in Garnisonen untergebracht, wodurch verhindert werden sollte, dass sie private Kontakte aufnahmen und mit der Bevölkerung fraternisierten. Ursprünglich wurde der Text auf ein bereits existierendes Lied gleichen Titels von Wilhelm Hauff (1802-1827), Schriftsteller des deutschen Biedermeier und einer der Hauptvertreter der Schwäbischen Dichterschule, verfasst, welches jener Mitte der 1820er Jahre geschrieben hatte. Wilhelm Hauff ist uns vor allem durch seine Märchen- und Sagensammlungen („Das Wirtshaus im Spessart“ u.a.) bekannt. Sein Lied war seinerzeit sehr populär, kam mit Auswanderern sogar mit in die USA, wo sich zwei angloamerikanische Versionen finden. Da uns die Melodie nach den langen Jahren, in denen sich das Lied in unserem Repertoire befand, inzwischen zu „abgespielt“ erschien, haben wir uns hier einer Weise schottischen Ursprungs bedient, die wir von der Rankin Family aus Nova Scotia gelernt haben.

 

15. Nun hütet euch, ihr Fürsten (November 1848)
(Worte: Anonym – Weise: “Bonny Woodhall“)

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Eines der vielen Lieder, die sich mit dem tragischen Schicksal des Paulskirchenabgeordneten und Führers der dortigen Linken Robert Blum beschäftigen. „Nun hütet euch, ihr Fürsten“, lässt es dabei nicht bei der Erschießungsszene des 08. November 1848 in der Brigittenau in Wien bewenden, sondern geht auf die Vorgeschichte von Robert Blums tragischem Ende ein. Blum war zur Unterstützung der Revolution in Wien zusammen mit seinem Parlamentskollegen Julius Fröbel in die österreichische Hauptstadt geeilt. Auf ihre diplomatische Immunität aufgrund ihres Abgeordnetenstatus vertrauend verblieben die beiden auch nach dem Zusammenbruch der Wiener Herbstrevolte in der österreichischen Metropole. Das Kriegsgericht verurteilte Blum und Fröbel zum Tode. Ein Schreiben, in welchem die Hinrichtung der beiden Abgeordneten ausgesetzt werden sollte, kam für Robert Blum zu spät. Fröbel wurde begnadigt und aus Österreich abgeschoben. Wir haben den anonymen Text an einigen Stellen leicht verändert, ihn von „antislawischen Tönen“ gereinigt, und uns der Melodie eines iroschottischen Liedes - „Bonny Woodhall“ - bedient, die wir in den 1980er Jahren während eines Irlandaufenthaltes in Gorey von Andy Irvine und Paul Brady gelernt haben. Ursprünglich war der Text auf die Melodie des „Andreas Hofer-Liedes“ verfasst worden.

 

16. Badisches Wiegenlied (1849)
(Worte: Karl Ludwig Pfau – Weise: Volksweise)

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Der Feder von Karl Ludwig Pfau (*25.08.1821 in Heilbronn - +12.04.1894 in Stuttgart) entstammt das „Badische Wiegenlied“, die wohl bewegendste Klage ob der preußischen Unterdrückungsmaßnahmen nach der endgültigen Niederschlagung der Revolution im Südwesten Deutschlands im Frühsommer des Jahres 1849, der zahllose Demokraten zum Opfer fielen und die viele Badener in der Folge zur Auswanderung – vor allem in die Vereinigten Staaten von Amerika als damaligem Hoffnungsträger und Zielland – bewog. Gegen das Wiedererstarken der Reaktion und deren Vorgehen gegen die revolutionären Errungenschaften des März 1849 – an deren Spitze sich die preußische Soldateska unter dem Oberfehl des „Kartätschenprinzen“, des Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I. setzte – und für die Erhaltung demokratischer Rechte hatte es 1849 mehrere Volksaufstände, so im Rheinland, in Westfalen, Sachsen, in der Pfalz und in Baden gegeben, die diesmal, - im Gegensatz zu früheren Revolten -, etwa in der Pfalz vom einheimischen Militär unterstützt wurde. Auf diese Kämpfe bezieht sich das „Badische Wiegenlied“ implizite. Das badische Rastatt wurde zur letzten Festung des badischen und pfälzischen Aufständischen, die der preußischen Soldateska hinhaltenden Widerstand leisteten. Als Rastatt Ende Juli 1849 gleichwohl vor der Übermacht kapitulieren musste, wurde eine große Anzahl von Aufständischen standrechtlich erschossen. Hunderte starben in preußischer Gefangenschaft, unzählige Menschen suchten ihr Heil in der Auswanderung. Noch jahrelang musste die Region unter der preußischen Besatzung leiden, was feindselige Gefühle wach hielt. Wenn Pfau leider auch inzwischen bei einer breiteren Öffentlichkeit weitestgehend in Vergessenheit geraten ist, wurde sein „Badisches Wiegenlied“ zu einem echten „Volkslied“, das in zahlreichen Varianten verbreitet noch lange Zeit gesungen und während des Deutsch-Folkrevivals der 1970er Jahre schließlich von zahlreichen Musikgruppen wiederentdeckt wurde.

 

17.Lied der New-Ulmer (Minnesota 1862)
(Worte: vermutlich Georg Meile, 1862 – Weise: Tradit. Aus Norwegen
„De twa Systrarne“)

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Dieses Lied entstand unmittelbar nach dem Hungeraufstand der Santee-Sioux und der Belagerung New Ulms in Minnesota durch die aufständischen Indianer im Jahr 1862. Es wurde gesungen, als die vorwiegend aus Deutschland, speziell aus Bayern und Schwaben stammenden Einwohner der Stadt nach den Kämpfen in die benachbarte Ortschaft Mankato einzogen. Die Santee hatten lange Jahre als Maisbauern  mit der weißen Bevölkerung in Frieden und Eintracht gelebt, viele von ihnen hatten sogar den christlichen Glauben angenommen. Nachdem eines Tages ihre Maisernten durch Schädlingsbefall vernichtet wurden und sie vom Hungertod bedroht waren, sahen sich die Santee unter ihrem Häuptling „Little Crow“ zur blutigen Revolte bewogen, da ihnen seitens ihrer weißen Nachbarn jegliche Unterstützung verweigert wurde. Darüber hinaus waren sie von den zuständigen Indianerbehörden auch noch betrogen worden. Der Indianeraufstand wurde blutig niedergeworfen und ein Kriegsgericht verurteile 307 Sioux zum Tode. Viele andere konnten sich diesem Schicksal nur durch die Flucht nach Kanada entziehen. Ob das Gros der weißen – und hier oftmals deutschstämmigen – Bevölkerung über das Schicksal der unglücklichen Santee-Nation und über die Ursachen und Gründe für deren Aufstand irgendeinen Gedanken „verschwendet“ hat ist fraglich.

 

18. Die Reise nach Jütland
(Worte und Weise: Anonym, 1848)

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Ein Lied aus dem Vorfeld der deutschen Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71. Schon im Jahre 1848 wurde auch Schleswig-Holstein in die revolutionären Geschehnisse einbezogen. Die Unruhen im äußersten Norden erhielten aber schon sehr bald den Charakter eines nationalen, antidänischen Aufstandes. Unser Lied reduziert die historischen Zusammenhänge, in denen es steht, auf das für den Sänger im Augenblick der Abreise an den Kriegsschauplatz vermeintlich Wichtige: den Abschied von der Liebsten und die Sorge, sie vielleicht nie mehr wiederzusehen.

 

19. Brandenborschet Landwehrlied
(Worte: Anonym, 1870/71 –  Weise: „O Danneboom, o Danneboom“)

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Der unbekannte Verfasser ruft – nach der für die deutschen Truppen siegreichen Schlacht bei Sedan am 01. Deptember 1870 – den kleinen Landwehrmann, in diesem Fall aus Brandenburg, zu den Waffen. Auch er solle nunmehr seinen Teil zum Sieg über Frankreich beitragen, das bereits von den Linientruppen der verschiedenen deutschen Länder hart bedrängt wurde, aber – und dies nicht zuletzt durch die französischen Franctireurs – erbitterten Widerstand leistete, wodurch der Krieg auf Seiten der Franzosen zu einem regelrechten „Volkskrieg“ wurde. In dem Lied wird auch noch einmal ausführlich auf die Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 eingegangen.

 

20. Lithauisches Soldatenlied
(Worte: Anonym, 1870 – Weise: „O Danneboom, o Danneboom“)

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Das „Lithauische Soldatenlied“ entstammt offensichtlich der Feder eines Tagespoeten aus der fernen preußischen Provinz, nämlich dem östlichsten Teil Ostpreußens, dem Memelland und somit Grenzgebiet zu dem damals russischen Litauen. Es ist in litauischem Dialekt verfasst und widmet sich ausschließlich der Person Kaiser Louis Napoleons, den es als Personifizierung des „französischen Erbfeindes“ schmäht. Da das Lied sich nicht konkret auf kriegerische Ereignisse des deutsch-französischen Krieges bezieht, sonst würde wohl triumphierend darauf eingegangen worden sein, ist es wahrscheinlich noch vor den ersten Gefechten verfasst worden.

 

21. Bei Sedan auf den Höhen
(Worte und Weise: Anonym, 1870)

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Am 01. September 1870 wurde die Festung Sedan durch die deutschen Truppen eingenommen, wobei hier vor allem die bayerischen und sächsischen Verbände eine große Rolle spielten. In unserem – dem wohl heute noch bekanntesten – Sedanlied geht es primär nicht um das Kampfgeschehen oder Heroismus. Im Mittelpunkt steht vielmehr eines der zahllosen Opfer, das im Sterben um die Benachrichtigung seiner Hinterbliebenen bittet.

 

22.Siebzger Auszug
(Worte und Weise: Joseph Schweikl, 1870)

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Im Mittelpunkt des „Siebzger Auszugs“ steht wieder einmal der unglückliche Franzosenkaiser, der im Kampf den Kürzeren zog und auf der Wilhelmshöhe bei Kassel einsitzen musste. Im Gegensatz zum Liedtext, in welchem dem Louis Napoleon ein elendes Schicksal prophezeit wird, waren die Haftbedingungen für ihn realiter relativ angenehm.

 

23. Wie wir Metz erobern
(Worte: Anonym – Weise: Es kann ja nicht immer so bleiben)

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Der Text war ursprünglich ohne Melodie überliefert. Von der Gruppe „Liederjan“ haben wir neben der Melodie „Es kann ja nicht immer so bleiben“ am Anfang und am Ende des Liedes auch eine Strophe verwendet. Der unbekannte Verfasser schildert ohne Feinddenken mit bitterem Sarkasmus die Lage des kleinen Soldaten an der Front und geht dabei auf all die kleinen Widrigkeiten des Soldatenlebens ein, die dieses schon ohne Krieg zur Hölle machten.

 

24. Auf einer Verbandstation 1870
(Worte: J. Wothe – Weise: „Still min Hanne“)

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In diesem Lied, das ein – wohl weitgehend zeituntypisches – Dokument humanitärer Gesinnung und der Versöhnung ursprünglich verfeindeter Soldaten darstellt, teilen ein verwundeter deutscher und ein französischer Soldat nicht nur das Krankenlager, sondern auch die gewiss nicht üppig bemessenen Rationen an Verpflegung, d.h. hier Brot, Wein und Käse. Dabei haben wir hierfür die Melodie eines plattdeutschen Wiegenliedes der Gruppe „Liederjan“ hergenommen und etwas verfremdet.

 

25. So is es zu Kriegeszeeten
(Worte: Anonym, 1870/71 – Weise nach Motiven aus „Dantes Prayer“ von Loreena McKennit)

Das schlesische Dialektlied aus dem Siebziger Krieg wendet sich ganz ausdrücklich gegen jede Form von Hurrapatriotismus, wie er sehr gerne an den Stammtischen der Daheimgebliebenen üblich und verbreitet war. Der Mär vom schönen, gemütlichen Krieg wird hier die selbsterlebte bittere Realität und das Elend des Kriegsgeschehens entgegengesetzt.

 

26. Ich bin Soldat
(Worte: vermutlich Max Kegel, vor 1870 und Max Hirsch, nach 1870
Weise: „Denkst du daran, mein tapferer Lagienka“)

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In diesem – von uns aus zwei Versionen zusammengestellten – Zwiegespräch haben wir zwei Versionen kombiniert. Kegels Text thematisiert treffend die Unlust eines zum Dienst fürs Vaterland gepressten Soldaten, wogegen Hirschs satirisch-bittere Fassung eine nur scheinbar positive Aussage zum Soldat-sein-Müssen trifft.

 

27. Freinderl, kennst du das Haus
(Worte: Anonym, vermutlich 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts –
Weise: „Siebzger Auszug“)

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Hier werden sehr anschaulich die Zustände im Münchner Soldatengefängnis am Paradeplatz beschrieben. Das „Zuchthauslied“ ist heute den Volksmusikfreunden vor allem durch die Überlieferung vom Kraudn Sepp bekannt.

 

28. Der Schwalangschér
(Worte und Weise: angeblich Dr. Carl Müller alias Saumüller, um 1820)

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Das Lied vom „Chevauleger“ wird als das wohl vergnügteste bayerische Soldatenlied bezeichnet. In der Münchner Mundart werden die Fremdwörter hierbei so lange traktiert, bis sie wohl auch beispielsweise von einem Bauernbuben aus dem Dachauer Hinterland ausgesprochen werden konnten.
 

29. Fuchsmühler Holzschlacht (1894)
(Worte: Anonym – Musik: Regimentsmarsch des 6. Infanterieregiments zu Amberg)

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„Die Fuchsmühler Holzschlacht“ aus dem Jahr 1894 scheint inhaltlich auf den ersten Blick zunächst natürlich nichts mit den Unruhen der Jahre 1848/1849 zu tun zu haben, weist jedoch insofern wieder einen direkten Bezug zur Revolutionszeit auf, als das in den 1890er Jahren im oberpfälzischen Amberg stationierte 6. Infanterieregiment während der unruhigen Jahre Mitte des 19. Jahrhunderts in der damals noch bayerischen Pfalz stationiert gewesen war, und seine Angehörigen 1849 während der dortigen Aufstände zu jenen Truppenteilen gehörten, die sich weigerten, gegen die Revolutionäre vorzugehen, wie uns Alfred Wolfsteiner, einer der besten Kenner der Fuchsmühler Ereignisse und Verfasser einer vorzüglichen Chronik mitteilte. Dies wurde in der Folgezeit – vor allem dann im militaristischen wilhelminischen Kaiserreich – als schmachvoll empfunden und als ein dunkler Fleck auf den Regimentsfahnen angesehen, den es unbedingt zu tilgen galt. Am 29./30. Oktober 1894 ging daher ein Departement des 6. Regiments gegen eine Abteilung unbewaffneter Bauern vor, die – gemäß eines uralten „Gewohnheitsrechts“ – ihr „Rechtholz“ für den Winter im Wald schlagen wollten, nachdem der neue Waldbesitzer und Rechtsinhaber Militär herbeigerufen hatte. Zwei tote Bauern und mehrere Verletzte blieben auf dem Kampfplatz zurück. Das sinnlose Blutbad wurde seinerzeit in der breiten Öffentlichkeit und auch seitens der überregionalen Presse heftig kritisiert und hat lange Zeit in der Erinnerung der einheimischen Bevölkerung überlebt. Es hat also nicht nur im gerade von vielen Bayern immer wieder vielkritisierten Preußen immer wieder gerade auch nach innen gerichtete militaristische Bestrebungen gegeben, um eine eventuell aufmüpfige Bevölkerung durch martialisches und brutales Vorgehen einzuschüchtern, zu disziplinieren und zu bestrafen …
Bei der von uns verwendeten Melodie handelt es sich um den Regimentsmarsch des 6. Regiments, den Uli seinerzeit – was den zweiten Teil anbelangt – rythmisch verändert hat.

 

30. Der Räuber-Hauptmann von Köpenick
(Worte: Otto Reutter – Weise: „Die Musik kommt“ von Oscar Strauss)

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Im Herbst des Jahres 1906 wurde das Ansehen des Deutschen Reiches durch eine Affäre erschüttert, als der aus dem Zuchthaus entlassene Kleinkriminelle Wilhelm Voigt erneut in die Mühlen der Bürokratie geriet. Für seine Arbeitssuche benötigte er eine Aufenthaltsgenehmigung und einen Pass. Beides wurde ihm aber ohne Nachweis einer Arbeit vorenthalten. In einer bei einem Trödler erstandenen Hauptmannsuniform unterstellte er sich daraufhin ein Wachkommando und besetzte kurzerhand das Rathaus von Köpenick, um sich dort einen Pass zu beschaffen. Nur, Köpenick besaß keine Passabteilung. So machte sich Voigt mit der Gemeindekasse aus dem Staub, stellte sich später aber von sich aus den Behörden. Das Viele Texte und Karikaturen setzten sich mit diesem Vorfall auseinander. Das In- und Ausland und auch Kaiser Wilhelm II., der für den „Hauptmann von Köpenick“ durchaus Wohlwollen aufbrachte, lachte und bemerkte: „Da kann man sehen, was Disziplin heißt!“

 

31. Der abgerüstete Rekrut
(Worte und Weise: Otto Reutter)

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Der bekannte Berliner Coupletsänger Otto Reutter macht sich in Gestalt eines Soldaten ironisch seine Gedanken zu zeitgenössischen Abrüstungsforderungen. Das Lied stammt aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts

 

32. Stets in Trauern muss ich leben
(Worte: Anomyn – Weise: Schweizer Volkslied „Stets in Trure“)

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Dieses anonym verfasste Lied schildert das traurige Los der Soldaten im Fürstendienst und hier das spezielle Schicksal eines für ausländische Dienste Angeworbenen. Die Melodie wurde dem schweizerischen Volkslied „Stets in Trure“ entlehnt, welches das Duo „Zupfgeigenhansel“ seinerzeit bekannt gemacht hat.

 

33. Bibel und Flinte
(Worte: Anonym, etwa um 1890 –
Weise: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“)

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Das anonyme Spottlied auf die Kolonialpolitik des deutschen Reiches schildert Einblicke in die deutschen Kolonialpraktiken, die auch nicht humaner waren als diejenigen der andere Kolonialmächte. Den aktiven Missionaren kam bei der Eroberung und Aufteilung des afrikanischen Kontinents – aber auch anderer Gebiete! – eine wichtige Rolle zu. Die Mission nahm bezüglich der Ausrottungspolitik des Deutschen Reiches eindeutig Stellung für die weiße Obrigkeit. Das Lied, das zunächst in zeitgenössischen sozialdemokratischen Liederbüchern abgedruckt war, wurde Mitte der 1970er Jahre von der Gruppe „Zupfgeigenhansel“ wiederveröffentlicht.

 

34. Nach Südwesten hinzugehn war mein Begehr
(Worte: Anonym, um 1904 – Weise: Rainer Hasinger)

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Aus den Aufzeichnungen des ehamligen Sergeanten E. Petrus, der den zweiten südwestafrikanischen Feldzug 1905/06 mitmachte, stammt dieses Liedbeispiel. Der Text gibt beredt den Frust der deutschen Kolonialsoldaten wieder, als diese gegen die Guerillakrieger von Hendrik Witbois und Jakob Morenga zeitweise nichts auszurichten vermochten. Auch das Problem Prostitution wird hier angesprochen. Rainer Hasinger hat sich mangels einer passenden Melodie als Komponist betätigt.

 

35. Ich zog zum fernen Afrika
(Worte und Weise: Anonym, um 1904)

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In dem Lied, das aus den Aufzeichnungen des ehemaligen Sergeanten E. Petrus stammt, der den zweiten südwestafrikanischen Feldzug der deutschen Kolonialtruppen 1905/06 mitmachte, wird die alltägliche Realität des kleinen Schutztrupplers beschrieben, die den das Klima und die Lebensumstände nicht gewöhnten Soldaten oftmals mehr zusetzten als kriegerische Auseinandersetzungen.

 

36. Kiautschou-Lied
(Worte: Anonym – Weise: Argonnerwald-Lied)

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Nach dem Boxeraufstand in China und der Ermordung des deutschen Gesandten von Ketteler, welche dieser durch sein brutales und darüber hinaus überheblich-unvorsichtiges Verhalten geradezu heraufbeschworen hatte, wurde ein alliiertes Expeditionskorps zur chinesischen Halbinsel Kiautschou entsandt, wobei sich die deutschen Tuppen hier durch besondere Grausamkeiten sogar bei ihren Alliierten unrühmlich hervortaten. Das Lied war vor 1914 bei den deutschen Matrosen sehr lebiebt.

 

 

 

 

 

Informationen
Die “Passepartout GmbH” ist eine Deutschfolk-Formation freischaffender Musiker aus Regensburg, die sich vor allem dem historisch-politischen Liedgut vom 18. bis zum 20. Jahrhundert verschrieben hat.

CD
Hier finden Sie ausgewählte Lieder der aktuellen CD “Ich hatt’ einen Kameraden... - Soldatenlieder aus den Jahren 1740 bis 1914", Regensburg 1999, produziert von Dr. Uli Otto und Helmut Köppl von der Firma MSR (Mobil Sound Recording).

Die Musiker

Nikola Otto (Harfe, Viola), Till Otto (Mandoline, Mandola, Violine), Uli Otto (Gesang, Thüringische Waldzither, Hamburger Waldzither, Gitarre, Bass, Drehleier), Rainer Hasinger (Gesang, Mandoline, Akkordeon, Gitarre), Eginhard König (Gesang, Gitarre), Michael Kellner (Gesang, Drehleier, Dulcimer, Gitarre)

 

vormaerzbuch
hoffmann von Fallersleben
Ulrich Otto: Die historisch-politischen Lieder und Karikaturen des Vormärz und der Revolution von 1848/1849. Köln 1982. (vergriffen)
In diesem Buch, einer Drucklegung seiner Dissertation gibt der Verfasser Anfang der 1980er Jahre einen Überblick über zwei bedeutsame und durchaus vergleichbare historische Quellensorten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die – obwohl ihr Wert seit langem theoretisch durchaus erkannt und anerkannt ist – heute wieder weitgehend „in Vergessenheit geraten“ sind, nachdem sich in den 1970er und –80er Jahren zahlreiche Folkmusiker immer wieder gerade auch der Lieder um 1848/49 verschrieben hatten und daran anzuknüpfen trachteten, und diese Quellen zeitweise auch von manchen Lehrern „entdeckt“ und für den Unterricht herangezogen und genutzt wurden. Es werden in der Untersuchung unter anderem Lieder der Pariser Julirevolution von 1830 und ihre Wirkungen auf Deutschland vorgestellt, weitere Lied- und Karikaturbeispiele befassen sich sodann mit den Ereignissen der 1840er Jahre, am Vorabend der Revolution, - erwähnt seien hier beispielsweise die Geschehnisse des Jahres 1844 sowie die „bayerische Episode“ um König Ludwig I. und Lola Montez -, bevor sodann ausführlich und detailliert auf die Revolution von 1848/49 im Spiegel der historisch-politischen Lieder und Karikaturen eingegangen wird (Ausbruch der Revolution in Österreich und Preußen – Die Ereignisse in Baden im Jahre 1848 – Die Frankfurter Nationalversammlung im Lied und in der Karikatur – Das Versagen des deutschen Bürgertums. Der deutsche Michel im historisch-politischen Lied und in der Karikatur – Der Sieg der Reaktion in Wien und Berlin – Die Kämpfe um die Reichsverfassung im deutschen Südwesten im Jahre 1849)

Uli Otto: Hoffmann von Fallersleben. Ein „Volkslieder“-Buch. Hildesheim 1984 (vergriffen)

Das Buch führt anhand zahlreicher Lieder August Heinrich Hoffmanns von Fallersleben knapp aber umfassend in die politische Landschaft des Dichters der deutschen Nationalhymne ein, der im 19. Jahrhundert zeitweise zu den oppositionellen Literaten gehörte, ja wohl der – zumindest was die Quantität anbelangt – produktivste Barde seiner Zeit war, der sich immer wieder mit zeitkritischen Liedern und Gedichten zu Wort meldete und deswegen sogar seiner Professur für Literatur und Sprachwissenschaft an der Universität Breslau verlustig ging, als ihn der damalige preußische Kultusminister seines Amtes enthob. In der Folge sah Hoffmann sich zahllosen obrigkeitlichen Beobachtungen und Repressalien ausgesetzt und lange Zeit zu einem unsteten Wanderleben verurteilt. Viele der Hoffmann-Texte wurden in den 1970er/80er Jahren „Standards“ für die damaligen Deutschfolkgruppen. Der Band stellt daneben auch Hoffmanns wissenschaftlichen und politischen Freunde und Kollegen vor, zu denen unter anderem Jakob und Wilhelm Grimm, Ludwig Uhland, Heinrich Heine, Ferdinand Freiligrath, Georg Herwegh, Franz Dingelstedt, Robert Prutz und Adolf Glassbrenner gehörten. Eine wohl nach wie vor durchaus aktuelle und zeitgemäße Publikation zum Leben und Werk Hoffmanns von Fallersleben.

Die Regensburger Deutschfolkformation „ANONYM“ veröffentlichte seinerzeit parallel zu diesem Buch die Musikkassette “Deutschland, Deutschland über alles??? ... oder: Ich bin Professor gewesen. Nun bin ich abgesetzt“ mit 24 Liedern von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Zeitgenossen:

1. Kriech du und der Teufel (Hoffmann) – 2. Trostlied eines abgesetzten Professors (Hoffmann) – 3. Die Kaisersucht (Hoffmann) – 4. Michels Abendlied (Hoffmann) – 5. Das Freiheitsbüchlein (Prinz) – 6. Gute Presse und guter Druck (Hoffmann) - 7. Stimme aus dem Kerker (Hoffmann) – 8. Nun hütet euch, ihr Fürsten (Anonym) – 9. Der finstere Geist (Hoffmann) – 10. Erleuchtung (Heine) – 11. Die Weber (Heine) – 12. Trotz alledem (Freiligrath) – 13. Schwabenkrieg (Hoffmann) – 14. Der Gefangene (Schubart) – 15. Nationalhymne vom lateinischen Firlefanz (Hoffmann) – 16. Brotstudium (Hoffmann) – 17. Das Lied vom deutschen Philister (Hoffmann) – 18. Lauter triftige Gründe – 19. Lied eines pensionierten Poeten (Hoffmann) – 20. Von der Walhalla die Rede seiend (Hoffmann) – 21. König Ludewig (Glassbrenner) – 22. Deutscher Nationalreichtum (Hoffmann) – 23. Sie sähn es gern, ich würde kirre (Prutz) – 24. Spießbürger Tugend (Hoffmann)

„ANONYM“ bestand zu diesem Zeitpunkt aus Uli Otto (Gesang, Thüringer Waldzither, Cister, Gitarre, Drehleier) – Ulrich Graß (Gesang, Gitarre, Mandoline, Mandola, Flöten, Deutscher Dudelsack) – Clemens M. Peters (Gesang, Gitarre, Mandoloncello, Querflöte) – Hans Stängl (Gesang, Geige, Concertina, Gitarre, Mandoline.

   
Bild
Hans Stängl, Uli Otto, Clemens Peters, Ulrich Grass, Hoffmann von Fallersleben
Uli Otto: „Geschichte(n) im Lied – Lieder zur Geschichte“ („Musikalisches Schlampermäppchen“ - Materialien aus dem Repertoire), ca. 2000 Seiten mit Liedern, Schlagern, Kabarettsongs vom 16. Jahrhundert bis heute), 7-8 Teilbände Regensburg 2012.
In dieser umfangreichen Sammlung, die zur Zeit ergänzt und überarbeitet wird und in 7 bis 8 Teilbänden herausgegeben werden soll, die v.a. wohl für Deutsch-, Geschichts- und Musiklehrer interessant sein und ihnen zahlreiche Quellen bieten könnte, stellt der jahrzehntelange engagierte Liedsammler und Folk-Musiker einen Teil seines Liedrepertoires – zumeist in chronologischer Ordnung, in verschiedenen Bänden thematisch geordnet -  vor:
  • Band  1:  Historisch-politische Lieder vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.
  • Band 2:  Historisch-politische Lieder des 20. Jahrhunderts
  •   Band 3: Lehrer, Schule, Universitätswesen in Liedern vom 16. bis zum 20.  Jahrhundert.
  • Band 4: Liebe, Libido und andere ‚Widrigkeiten‘ des Zusammenlebens im Lied.
  • Band 5: Lieder aus dem Musikerleben – Musik, Musiker und Musikinstrumente in Liedern vom 16. Jahrhundert bis heute.
  • Band 6: Handwerks- und Handwerkerlieder.
  • Band 7: Bürgerrechtslieder und Lieder der Friedens- und der Antiatombewegung.
  • Band 8: Inhaltsverzeichnis sowie ausführliche Bibliographie und Diskographie.
Unter diesen Liedmaterialien finden sich – neben zahlreichen eindeutig politischen oder historisch-politischen Liedern – verschiedentlich auch scheinbar unpolitische Liebeslieder, erotische Lieder und Schlager, die gleichwohl mit in die Sammlung Eingang gefunden haben, spiegeln sie doch ebenfalls den Zeitgeist, bestimmte Sehnsüchte oder Moralvorstellungen ihrer Epoche wider, können also bisweilen ebenfalls als wertvolle Quellenmaterialien dienen. Diese Sammlung könnte von Interessenten dabei längerfristig auf CDRom oder Stick  bezogen werden, wobei der Herausgeber hier lediglich die tatsächlichen Materialkosten, d.h. CD-Rom- bzw. Kopier- und Bindekosten sowie die Versandkosten in Rechnung stellen würde, die Liedmaterialien von den Rezipienten jedoch allenfalls ausschließlich für den Unterricht genutzt und nicht kommerziell genutzt werden dürften. Auch erhofft sich der Herausgeber Zusendungen weiterer interessanter - ihm bis dato unbekannter – Lieder zur deutschen Geschichte und Gegenwart, damit längerfristig eine umfangreiche und detaillierte Zusammenstellung historisch-politischer Lieder und anderer Liedquellen ins Internet gestellt und kostenlos heruntergeladen werden könnte und somit allgemein zugänglich wäre, sollten die Lieder doch längerfristig in den aktiven Repertoirefundus möglichst vieler Kolleginnen und Kollegen eingehen.
Auf ca. 2000 Seiten bietet die Sammlung neben zahlreichen Liedertexten und Angaben zu deren Melodien auch eine Zusammenstellung zahlreicher Tonträger, d.h. LPs und CDs sowie eine Auflistung wesentlicher Liedersammlungen und –bücher zum Thema „Historisch-politisches Lied“ sowie zum Thema Kulturgeschichte und Karikatur.

 


vormaerz_kommentarheft

Till Otto & Uli Otto: „Ein neues Lied, ein bessres Lied“ – Lieder von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Heinrich Heine und anderen Vormärzdichtern. (Erweiterte und ergänzte Fassung des Kommentarheftes zur Dreifach-CD gleichen Titels), 100 Seiten, Regensburg 2011/2012.

handwerksliedercover

Till Otto & Uli Otto: Handwerksliederbuch. Regensburg 2011/2012.
Seit der großen Folkbewegung Mitte der 1970er Jahre erlebte mit den Handwerksliedern ein volksmusikalisches Genre eine zeitweilige Wiederbelebung, die ohne die Waldecker Festivals der 1960er Jahre nicht vorstellbar ist. Hier wurden sie vor dem Hintergrund eines Interesses an der eigenen Historie wiederentdeckt, die zahllosen Handwerkerlieder, die im Laufe des 20. Jahrhunderts nahezu in Vergessenheit geraten waren. Hilfestellung leisteten dabei zwei 1954 und 1962 erschienene voluminöse Sammlungen mit dem Titel Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters des Ostberliner Volkskundlers Wolfgang Steinitz. In zahllosen Konzerten sowie auf Tonträgern einiger Deutschfolk-Gruppen wurde jene Seite des „Volksliedes“ neu gepflegt, die von Herder, Hoffmann von Fallersleben oder Jakob Grimm und anderen einst entdeckt, danach aber nicht zuletzt durch eine deutschnationale Germanistik und Volksliedforschung verschüttet worden war.
Es war dabei Oskar Schade, der in seiner Sammlung „Deutsche Handwerkslieder“, die auch eine Grundlage der vorliegenden Kompilation gebildet hat, folgende Dreiteilung  der zusammengetragenen Lieder vorgenommen hat, der wir hier gefolgt sind:

  • Zunft- und Preislieder, nach dem Namen der Handwerke die sie meinten alphabetisch geordnet, die der Selbstvergewisserung und Selbstdarstellung und der Abgrenzung zu anderen Bevölkerungsgruppen dienten, und in denen sich der berufsständische Stolz der einzelnen Handwerkergruppen und –zünfte artikulierte.
  • Gesellenlieder, die das Treiben und die Bräuche der Handwerksgesellen besonders ihrer Wanderschaft zum Gegenstand haben.
  • Erzählende Lieder und Spottlieder.
  • Im Unterschied zu den Liedern anderer Handwerker gibt es dabei aber vor allem  bei den Weberliedern viele Beispiele, die sich mit dem sozialen Elend ihrer Träger bzw. den daraus resultierenden Hungeraufständen etwa Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigen.

Hinzugefügt wurden der vorliegenden Sammlung dabei auch viele der seinerzeit umlaufenden erotischen Lieder in Verbindung mit verschiedenen Berufsgruppen, da bestimmte berufliche oder arbeitstechnische Tätigkeiten im „Volksmund“ zu allen Zeiten nur zu oft mit handfesten Liebesdingen bzw. -tätigkeiten in Verbindung gebracht worden waren. Auf deren Abdruck hatte Schade seinerzeit wohl ganz bewusst verzichtet und verzichten müssen, hätte eine Veröffentlichung doch sicher die Drucklegung seiner Sammlung unmöglich gemacht: „Einigen allzu ungewaschenen Gesellen mußte der Eintritt versagt werden“. Doch sind auch früher schon oder vermehrt in den vergangenen Jahren einige Sammlungen erschienen, die sich gerade auch dieser Spielart von Handwerkerliedern ausführlich angenommen bzw. Liedbeispiele hierzu abgedruckt haben.  Im Regelfall aber lässt sich mit Rolf W. Brednich konstatieren: “Der Grund für diese offensichtliche Vernachlässigung“ über einen langen Zeitraum, ja bis in unsere Tage „ist in den moralischen Wertvorstellungen der Gesellschaft zu sehen. Die Tabuierung des Sexuellen hat auch in der Geschichte der Volksliedsammlung und –forschung seine tiefen Spuren hinterlassen. Mit dem Begriff ‚Volkslied‘ assoziiert man seit den Tagen Herders bis heute Begriffe des ‚Echten‘, ‚Wahren‘, ‚Guten‘, ‚Alten‘ und ‚Schönen‘. Die meisten Volksliedsammler des 19., teilweise auch noch des 20. Jahrhunderts waren durch diese idealtypische Auffassung von Volkslied noch tief geprägt“. (Brenich, R. W.: Erotische Lieder aus 500 Jahren. Frankfurt a.M. 1979, S. 7)
Grundlage und Ausgangspunkt der vorliegenden Liedersammlung waren die Weberlieder, die Till Otto seinerzeit für das Tuchmachermuseum Bramsche zusammengestellt hat und die hier um zahlreiche zeitgenössische Lieder zu anderen Handwerken und Berufen Ergänzung finden, die von den beiden Herausgebern zusammengetragen wurden. Eingang fand in die vorliegende Sammlung aber auch mit „Drei Jahr und ein Tag“ ein neues „Handwerkslied“ aus der Feder von Reinhard Mey.Wir wollen in der vorliegenden Sammlung einen, wenn auch gewiss nicht vollständigen, so doch gewiss repräsentativen Querschnitt der seinerzeit umlaufenden Handwerkslieder vorstellen, wobei aus Finanz- und Zeitgründen zum gegebenen Zeitpunkt auf Sammel- oder gar Einzelinterpretationen und / oder die Darstellung der jeweiligen konkreten historischen und gesellschaftlichen Hintergründe sowie auf den Abdruck der uns zugänglichen dazugehörigen Melodien verzichtet wird. Dies könnte – ebenso wie eine eventuelle Produktion begleitender Tonträger – im Rahmen einer Weiterführung dieses Projektes geschehen. Hier könnte u.U. auch Kontakt zu anderen Handwerksmuseen sowie zu Archiven Kontakt aufgenommen werden, um hier nach weiteren Liedern oder Liedvarianten zu forschen.