Herzlich
Willkommen! Hier haben Sie die Möglichkeit, auf Wunsch einige
Lieder einiger aktueller Programme der "Passepartout GmbH"
anzuhören und herunterzuladen.
Die
dazugehörigen Texte finden sich in der inzwischen etwa
2000-seitigen Materialsammlung Uli Otto: "Musikalisches
Schlampermäppchen" - "Geschichte(n) im Lied - Lieder zur
Geschichte", Regensburg 2012. (600-seitige Erstfassung 2006)
„Ein
neues Lied, ein bess'res Lied ...“
Lieder von
Heinrich Heine, August Heinrich Hoffmann (von Fallersleben), Ferdinand
Freiligrath und anderen Vormärzpoeten
Sepp Zauner, Uli Otto,
Robert Hasleder
Obere Reihe:
Ferdinand Freiligrath, Georg
Herwegh, Adolph Glassbrenner
Mittlere Reihe:
Robert Prutz, August Heinrich
Hoffmann von Fallersleben, Ludwig Uhland
Untere Reihe:
Heinrich Heine
Im Vordergrund „Passepartout
GmbH“ (Stand Januar 2012)
Von links nach rechts:
Sepp Zauner, Uli Otto, Robert Hasleder, Thomas Otto
Im Hintergrund
Von links nach rechts:
Obere Reihe:
1. Carl Herloßsohn (1804-1849),
deutscher Schriftsteller und Journalist - 2. Karl
Ludwig Pfau (1821-1894), deutscher Schriftsteller,
Journalist und Revolutionär – 3.
Friedrich Engels (1820-1895), deutscher Philosoph,
Gesellschaftstheoretiker, Journalist und kommunistischer
Revolutionär - 4. Heinrich Marschner
(1795-1861), deutscher Komponist - 5. Franz
von Suppé (1819-1895),
österreichischer Komponist – 6. Friedrich
Christoph Dahlmann (1785-1860), deutscher Historiker,
Universitätsprofessor und Staatsmann;1837 v Mitglied der
„Göttinger Sieben“ und Mitverfasser der
Paulskirchen-Verfassung von 1848 – 7. Gustav
Freytag (1816-1895), Universitätsdozent und
deutscher Schriftsteller – 8. Georg Gottfried
Gervinus (1805-1871) deutscher Historike,
Universitätsprofessor und nationalliberaler
Politiker, 1837 Mitglied der „Göttinger
Sieben“- 9. Georg Heinrich August Ewald (1803-1875)
deutscher Orientalis, Universitätsprofessor und evangelischer
Theologe, 1837 Mitglied der „Göttinger
Sieben“ – 10. Wilhelm Eduard Albrecht
(1800-1876), deutscher Staatsrechtler und
Universitätsprofessor, 1837 Mitglied der
„Göttinger Sieben“ – 11. Wilhelm
Eduard Weber (1804-1891), deutscher Physiker und
Universitätsprofessor, 1837 Mitglied der
„Göttinger Sieben“ – 12. Nikolaus
Lenau, eigentlich Nikolaus Franz Niembsch Edler von
Strehlenau (1802-1850) österreichischer Dichter und
Schriftsteller.
Mittlere Reihe:
13. Albert Lortzing (1801-1851),
deutscher Komponist, Librettist, Schauspieler, Sänger und
Dirigent, Begründer der deutschen Spieloper – 14. Carl
Schurz (1829-1906), deutscher Politiker und
Revolutionär in den Staaten des Deutschen Bundes und
während der badischen Revolution von 1848/1849,
später amerikanischer General, Historiker und Staatsmann und
als solcher Innenminister der USA - 15. Adolf
Glaßbrenner (1810-1876) deutscher
Humorist, Dichter und Satiriker – 16. Johann
Gottfried Kinkel (1815-1882), deutscher evangelischer
Theologe, Schriftsteller, Lieder- und Kirchenlieddichter, demokratisch
gesinnter Politiker und Revolutioär in den Jahren 1848/1849
– 17. Robert Eduard Prutz
(1816-1872), deutscher Schriftsteller, politischer Lyriker und
Dramatiker und einer der markantesten Publizisten des
Vormärz - 18. Ludwig (Louis) Spohr
(1784-1859), deutscher Komponist, Dirigent, Pädagoge,
Organisator von Musikfesten und Geiger von internationaler Reputation
-19. Uli Otto (von Weiden) –
20. Wolfgang Müller´(von
Königswinter) (1816-1873)m Arzt, Politiker
sowie Dichter demokratischer und patriotischer Lyrik, beliebter
Volkslieder und Sagen – 21.Robert Schumann
(1810-1856), deutscher Komponist und Pianist der Romantik –
22.Christian Johann Heinrich Heine
(1797-1856), einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller
und Journalisten des 19. Jahrhunderts - 23. Friedrich
Karl Franz Hecker (1811-1881), deutscher Rechtsanwalt,
Politiker und radikaldemokratischer Revolutionär in den
Staaten des Deutschen Bundes, hier v.a. während der ersten
Phase der Badischen Revolution im Rahmen der Revolution von 1848/1849,
einer der populärsten Redner und Agitatoren, der nach dem
Scheitern des nach ihm benannten „Heckerzuges“ in
die USA auswanderte und dort noch einmal während der
Sezessionskriege auf Seiten der Nordstaaten eine Rolle
spielte– 24. Johann Baptist Strauss
d.J. (1825-1899), österreichischer Kapellmeister und
Komponist, als „Walzerkönig“ auch
international bekannt und geschätzt – 25.
Hermann Grieben (1822-1890), deutscher Journalist und
Dichter, der von 1859 bis 1890 als Redakteur der Kölnischen
Zeitung tätig war.
Untere Reihe:
26. Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886),
Komponist, Pianist, Dirigent, Theaterleiter, Musiklehrer und
Schriftsteller - 27./28. Jakob &
Wilhelm Grimm (1785-1863 und 1875-1859),
Universitätsprofessoren, Sprachwissenschaftler, Sammler von
Märchen, 1837 Mitglieder der „Göttinger
Sieben“. Sie gelten gemeinsam mit Karl Lachmann und
Georg Friedrich Benecke als
„Gründungsväter“ der Deutschen
Philologie bzw. Germanistik – 29. Ludwig
Uhland (1787-1862), deutscher Dichter,
Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker sowie Sammler und
Herausgeber von Volksliedern – 30. August
Heinrich Hoffmann (von Fallersleben), Hochschullehrer
für Germanistik, der wesentlich mit zur Etablierung des Faches
als wissenschaftlicher Disziplin beitrug.
„Liedermacher“ nicht zuletzt politischer Lyrik des
Vormärz sowie Sammler und Herausgeber von
„Volksliedern“ und alten Schriften aus
verschiedenen Sprachen. Viele seiner Kinderlieder sind noch heute
verbreitet – 31. Richard Wagner (1813-1883),
deutscher Opernkomponist, Dramatiker, Philosoph, Dichter,
Theaterregisseur und Dirigent 32. HermannFerdinand Freiligrath (1810-1876),
deutscher Lyriker,namhafter Vormärzdichter und
Übersetzer – 33. Georg Friedrich
Rudolh Theodor Herwegh (1917-1875),
sozialistisch-revolutionärer Dichter des Vormärz und
Aktivist während der Revolution in Baden im Jahr 1848 sowie
Übersetzer - 34. Karl Marx (1818-1883),
deutscher Philosoph, Nationalökonom, Gesellschaftstheoretiker,
politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung und Kritiker
der bürgerlichen Gesellschaft. Zusammen mit Friedrich Engels
wurde er zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und
Kommunismus – 35. Robert Blum (1807-1848),
deutscher Politiker, Publizist, Verleger und Dichter in den Jahren vor
und während der Märzrevolution von 1848. Er war
Mitglied des Paulskirchenparlaments und dort Führer der
demokratischen Linken sowie eine führende
Persönlichkeit des Deutschkatholizismus. Sein
revolutionäres Engagement kostete ihn schließlich
das Leben, als er Anfang November 1848 nach der Niederschlagung der
Revolution in Wien gegen jegliches Völkerrecht standrechtlich
erschossen wurde – 36. Gustav von Struve (1805-1870),
deutscher Politiker, Rechtsanwalt, Publizist und radikaldemokratischer
Revolutionär während der Märzrevolution von
1848/1849 im Großherzogtum Baden – 37. Ferdinand
Gustav Kühne (1806-1888) war ein deutscher
Schriftsteller und Literaturkritiker des „Jungen
Deutschland“, der sich in den 1830er Jahren für die
aktuell verbotene Literatur einsetzte, dessen
„Klosternovelle“ im Jahr 1837 daraufhin verboten
wurde, der verschiedentlich politische Lyrik und 1848 immer
wieder auch Artikel über die politischenZeitereignisse
verfasste.
Programm
1. „Man gab uns viele
schöne Wort“ (Anonym, um 1815 – Uli Otto)
2. „Ein neues Lied, ein bessres Lied“ ( Heine,
Silcher)
3. „Drei Zigeuner“ ( Lenau, 1830, de
André & Bubola)
4. „Die Hambacher Sterne“ (Anonym, 1832, Kotzebue
& Himmel)
5. „Die Fürstenjagd" (Kölner der Saure,
Anonym)
6. „O haengt ihn auf" (Anonym)
7. „Die freie Republik" (Anonym)
8. „Gute Presse und guter Druck" (Hoffmann von Fallersleben,
E. Schmeckenbecher)
9. „Freiheitsbüchlein" (Prinz oder Dreves, Werner)
10. „Variationen zum Leierkasten" (Glasbrenner, Anonym)
11. „Von der Wallhalla die Rede seiend" (Hoffmann von
Fallersleben, Anonym)
12. „Trostlied eines abgesetzten Professors" (Hoffmann von
Fallersleben, Anonym)
13. „Spießbürger Tugend" (Hoffmann von
Fallersleben, Anonym)
14. „Die große Hungersnot" (Anonym)
15. „In einem kühlen Grunde" (Eichendorff,
Glück)
„Und in dem Schneegebirge" (Anonym)
17. „Das Blutgericht" (Anonym)
18. „Die Weber" (Heine, Ermisch)
19. „Sie sähn es gern,
ich würde kirre" (Prutz, Blake)
20. „Trotz alledem" (1844)
(Freiligrath, Anonym)
21. „Freifrau von
Droste-Vischering" (Löwenstein, Anonym)
22. „Ludwig I. und Lola Montez"
(Glaßbrenner, Anonym)
23. „Schwarz-Rot-Gold"
(Freiligrath, Schumann)
24. „Berliner Demokratenmarsch"
(Loevinson, Hauer)
25. „Wir wollen ihn nicht
haben" (Anonym, Bär)
26. „Steh' ich in finstrer
Mitternacht" (Anonym)
27. „Guckkastenlied vom
großen Hecker" (Nadler, Anonym)
28. „Beamtenwillkür
treibt mich fort" (Hecker, Anonym)
29. „Das Reden nimmt kein End'"
(Herwegh, Anonym)
30. „Den Volksvertretern"
(Uhland, Anonym)
31. „Ich hatt' einen
Kameraden" (Uhland)
32. „Abschied" (Uhland, Otto,
Buskin)
33. „Die gute Polizei" (Wehl,
Kreutzer)
34. „Nun hütet euch,
ihr Fürsten" (Anonym, Anonym)
35. „Badisches Wiegenlied"
(Pfau, Anonym)
36. „Es ist wieder
März geworden" (Anonym, Binzer)
37. „Ein stolzes Schiff"
(Anonym, Schmeckenbecher)
38. „Kein schöner Land
in dieser Zeit" (Zuccalmaglio)
39. „Ade zur guten Nacht"
(Anonym)
40./41. „Dat du min Leevsten
büst & Över de stillen Straten (Anonym/Storm
- Anonym/Licht)
42. „Fuchsmühler
Holzschlacht" (Anonym)
1. Man gab uns viele schöne
Wort’ (1815)
(Worte: Anonym – Weise: U. Otto)
Der unbekannte Verfasser
dieses ersten vorgestellten Liedes, das uns der fränkische
Liedersammler und Liedforscher Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth
überliefert hat, scheint einer der zahllosen aktiven
Teilnehmer der „Freiheitskriege“ gewesen zu sein,
der, vertrauend auf die Versprechungen der Landesherren in Bezug auf
ein einiges Deutschland mit einer Verfassung und frei
gewählten Volksvertretung, in den Krieg gegen die
französische Fremdherrschaft gezogen war. Seine angesichts des
Wiener Kongresses enttäuschten Erwartungen und Hoffnungen
haben ihn zur Schreibfeder greifen lassen.
2. Ein neues
Lied, ein bessres Lied (1843)
(Worte: Heinrich Heine – Weise: „Anke van
Tharaw“ von Friedrich Silcher, 1827)
In dem Lied „Ein
neues Lied, ein bessres Lied“, welches aus dem Gedichtzyklus
„Deutschland ein Wintermärchen“ stammt, in
welchem Heinrich Heine Anfang der 1840er Jahre über die
Verhältnisse in seiner deutschen Heimat reflektiert und
rechtet, die er 1843 nach langen Jahren der Absenz in Frankreich
endlich wieder einmal besuchen konnte, hat der Dichter unter anderem
auch sein Programm einer zukünftigen Welt dargelegt, in der
alle Menschen das Recht auf den Genuss der irdischen Güter und
auf Müßiggang haben würden. Bei den von uns
mit der Weise von „Anke van Tharaw“ unterlegten
Zeilen handelt es sich um eines der meistzitierten und am meisten
aufgegriffenen Lieder Heinrich Heines, der auch heute noch einer der
bekanntesten Literaten des 19. Jahrhunderts ist. Er gilt als
„letzter Dichter der Romantik und deren
Überwinder“ und ist nach wie vor einer der
meistübersetzten Dichter der deutschen Sprache
3. Drei Zigeuner (um
1830)
(Worte: Nikolaus Lenau – Weise: „Sally“
von Fabrizio de André & Massimo Bubola)
Nikolaus (Edler von Strehlenau) Lenau (1802-1850)
verfasste 1830 sein Lied „Drei Zigeuner“, eines
seiner „melancholischen Lieder“ und für
uns eines der ältesten deutschsprachigen
„Hippielieder“ überhaupt, welches um 1900
zu einer Hymne des „Wandervogel“ und in den 1970er
Jahren dann auch von der damaligen Deutschfolkszene wiederentdeckt
wurde, standen hier doch seine Apologeten, die Zigeuner, als Symbol der
Freiheit und Unabhängigkeit. Mit der tatsächlichen
Realität des Zigeunerlebens hat dieser romantische Text
natürlich wenig zu tun, hier handelt es sich eher um eine
Idealisierung. In Wirklichkeit führten die meisten Zigeuner
ein armseliges Leben und wurden angefeindet, wobei später
viele Angehörige dieses Volkes während des Dritten
Reiches in nationalsozialistischen KZs ermordet wurden. Auch heute noch
oder gerade wieder erleben die Zigeuner – Sinti und Roma
– häufig noch Diskriminierungen und Verfolgungen in
den meisten Ländern. Dies gilt es bei diesem Lied immer
mitzudenken. „Die „drei Zigeuner“ wurden
unter anderem auch von Franz Liszt vertont, die bis heute bekannteste
Vertonung des Liedes aber stammt wohl von Theodor Meyer-Steinegg. Sie
erschien uns im Lauf der Zeit jedoch zu
„abgedroschen“, weswegen wir dem Text die Weise
eines Liedes von Fabrizio de André und Massimo Bubola
unterlegt haben, die uns passend erschien und besser gefallen hat. Wir
verweisen hier auf die Aufnahmen von Fabrizio de André und
von "Trio Salato".
4. Die Hambacher Sterne (1832)
(Worte: Anonym - Weise: „Es kann ja nicht immer so
bleiben“ von A.v.Kotzebue & F.H. Himmel)
Aus dem Umfeld des Hambacher
Festes stammt das Lied „Die Hambacher Sterne“ eines
bisher unbekannten Verfassers, dies eine Kontrafaktur auf die Melodie
des im Jahr 1802 von August von Kotzebue (Worte) und Friedrich Heinrich
Himmel (Musik) verfassten populären Liedes „Es kann
ja nicht immer so bleiben“.
Das Hambacher Fest, das vom 27. bis 30. Mai 1832 auf dem Hambacher
Schloss bei Neustadt an der Haardt – dem heutigen Neustadt an
der Weinstraße – in der damals noch zu Bayern
gehörenden Pfalz durchgeführt wurde, gilt als
Höhepunkt der frühliberalen Opposition in der
Restaurationszeit nach dem Wiener Kongress und des Vormärz.
Die Forderungen der ca. 30.000 Festteilnehmer nach deutscher Einheit,
Freiheit und Demokratie hatten ihre Wurzeln dabei in der
Unzufriedenheit großer Bevölkerungsteile der Pfalz
mit der Verwaltung der Region durch das Königreich Bayern, das
eine immer rigidere Unterdrückungspolitik verfolgte, um Kritik
nicht aufkommen zu lassen. Als Reaktion hierauf und daraus
resultierende Druckverbote hatten die Publizisten Philipp Jakob
Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth Anfang Februar 1832 den
„Deutschen Press- und Vaterlandsverein“ ins Leben
gerufen, zu dessen Vorsitzenden der pfälzische Abgeordnete
Friedrich Schüler gewählt worden war. Dieser Kreis
organisierte am 27. Mai 1832 in Neustadt ein
„Volksfest“, nachdem politische Kundgebungen von
der bayerischen Obrigkeit verboten worden waren. Es fand auf dem nahen
Schlossberg statt, der auf der Gemarkung des damals noch
selbständigen Dorfes Hambach liegt und wurde zu einer
massenhaften politischen Kundgebung, deren Hauptforderungen Freiheit,
d.h. Versammlungs-, Presse- und Meinungsfreiheit, sowie nationale
Einheit, eine Neuordnung Europas auf der Grundlage gleichberechtigter
Völker, Volkssouveränität und
religiöse Toleranz wurden.
5. Die Fürstenjagd
(um 1835)
(Worte: Kölner der Saure - Weise: Traditionell)
Bei „Die Fürstenjagd“
handelt es sich ebenfalls um ein Lied aus dem direkten Umfeld bzw. in
der Nachfolge des obenerwähnten Hambacher Festes. Das bereits
im August 1835 geschriebene Lied „Die
Fürstenjagd“, das wir dem Liederbuch „Zehn
republikanische Lieder von Kölner dem Sauren, Verfasser der
raurazischen Lieder, Basel 1848, S. 3ff. entnommen haben, wobei sich
hier allerdings 12 Strophen à jeweils vier Zeilen abgedruckt
finden, entstammt der Feder von Johann Rudolf Körner, der es
unter dem genannten Pseudonym „Kölner der
Saure“ als geächteter politischer
Flüchtling in Stäfa am Zirchersee verfasste und dabei
die Weise eines Kärntner Volksliedes aus der ersten
Hälfte des 18. Jahrhunderts benutzte.
6. O hängt ihn auf (nach
1832) (Worte & Weise: Anonym)
Von „O
hängt ihn auf“, einem Lied ebenfalls aus dem Umfeld
des Hambacher Festes, das Bekannte von uns in den frühen
1960er Jahren sogar noch in der Schule gelernt und gesungen haben,
wobei dies allerdings einen Einzelfall dargestellt haben
dürfte, ist uns weder ein Textdichter noch ein Komponist
bekannt.
7. Die freie Republik (1837)
(Worte & Weise: Anonym)
Mittelbar auf den Frankfurter
Wachensturm des 03. April 1833 sowie direkt auf die Flucht einiger der
daraufhin Inhaftierten am 10. Januar 1837 nimmt das anonyme Lied
„Die freie Republik“ Bezug, auf dessen zeitweilige
Beliebtheit und Verbreitung eine Vielzahl von Varianten hinweist.
8. Wir sind nicht Mumien (1842)
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: Franz Liszt)
Interessant ist wohl die
Tatsache, dass zu den zahlreichen Komponisten, die Texte von Hoffmann
von Fallersleben vertonten, auch namhafte und renommierte
Tonkünstler wie Franz Liszt gehörten, wobei den
Letzteren mit dem Dichter eine lange und tiefe Freundschaft und
Geistesverwandtschaft verband. Bei der hier abgedruckten Vertonung von
Hoffmanns Text „Wir sind nicht Mumien“ handelt es
sich im Original um einen vierstimmigen Chorsatz des Komponisten, den
wir – zumal zu Zeiten der Aufnahmen als Duo – nicht
in unser Repertoire übernehmen konnten und wollten, wenn uns
diese Version auch aus musikhistorischen Gründen sehr
interessant erschien. Hierzu existiert also bisher auch keine Aufnahme.
9. Gute Presse und guter Druck (1842)
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: E. Schmeckenbecher)
Aus der Feder August Heinrich
Hoffmanns von Fallersleben stammt das Lied „Gute Presse und
guter Druck“, in welchem das Zensuropfer Hoffmann (siehe Lied
Nr. 13) sich gegen jegliche Bevormundung der Presse durch die
Obrigkeit wendet, wobei der Verfasser hier wahrscheinlich das
zeitweilige Verbot der „Rheinischen“ sowie der
„Leipziger Allgemeinen Zeitung“ sowie anderer
missliebiger Pressorgane vor Augen hatte. Die von uns verwendete
Melodie, die seinerzeit für das Handwerkerlied
„Fordre Niemand mein Schicksal zu hören“
komponiert wurde, stammt von dem Kollegen und verehrten Freund Erich
Schmeckenbecher („Zupfgeigenhansel“). Hier seien
die "Zupfgeigenhansel"-Aufnahmen empfohlen.
10. Freiheitsbüchlein (um
1840)
(Worte: August Prinz, Hamburg oder Lebrecht Dreves – Weise:
„Sah ein Knab’ ein Röslein
stehn“ von Heinrich Werner)
Allem Anschein nach war es der
oppositionelle Verleger August Prinz aus Altona, der sein Lied vom
„Freiheitsbüchlein“, in welchem er seiner
Hoffnung auf die endliche Vergeblichkeit der Zensur Ausdruck verlieh
auf die Weise von Goethes „Heideröslein“
verfasste. August Prinz wurde im Juni 1852 verhaftet, als man bei einer
Haussuchung bei ihm 57 Exemplare von Heinzens „Brod oder
Tod“ gefunden hatte, wie es in einer Eintragung im
„Anzeiger für die politische Polizei Deutschlands
vom 01. Januar 1848 bis zur Gegenwart“, Dresden 1856, S. 276
heißt. Anderen Lesarten zufolge soll es sich bei
dem Verfasser des anstößigen Textes dagegen um
Lebrecht Dreves gehandelt haben, einen Dichter der am 12.9. 1816 in
Hamburg als Sohn eines Kaufmanns geboren wurde und am 19.12. 1870 in
Feldkirch (Vorarlberg) starb. Dreves besuchte die Hamburger
Gelehrtenschule und war seit 1836 in Jena und seit 1838 in Heidelberg
Student der Jurisprudenz. Im Jahr 1838 promovierte er zum Dr. jur. und
ließ sich 1839 als Advokat in Hamburg nieder. von Dreves war
1847 bis 186 1Notar in Hamburg. 1862 siedelte er nach Feldkirch
über. Dreves war mit dem Dichter Joseph Freiherr von
Eichendorff befreundet, der sein Meister und Vorbild war.
11. Variationen
zum Leierkasten (um 1840)
(Worte: Adolf Glassbrenner – Weise: „Guter Mond, du
gehst so stille“, seit 1800)
Eine trügerische
biedermeierliche Idylle zeichnet der Berliner Poet Adolf Glassbrenner
in seinem Gedicht „Variationen zum Leierkasten“
liebevoll auf die Melodie von „Guter Mond, du gehst so
stille“ nach, in welchem er auf die vermeintliche
Behaglichkeit und trügerische Ruhe dieser Jahre vor der
Revolution anspielt, die realiter durch Unterdrückung und
mannigfache politische Repressionen gekennzeichnet waren.
12.
Von der Walhalla die Rede seiend
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Als
Adam, als Adam die Eva gesehn“)
In Hoffmanns von Fallersleben
auf die Weise von „Als Adam, als Adam die Eva
geseh’n“ verfassten Spottlied auf den auf
Geheiß des damaligen bayerischen Königs Ludwigs I.
von Leo von Klenze in den Jahren von 1830 bis 1842 errichteten
„Ruhmestempel“ Walhalla bei Donaustauf in der
Oberpfalz, in dem seit seiner Fertigstellung bedeutende Deutsche sowie
mit der Geschichte Deutschlands und der deutschsprachigen
Völker verbundene Persönlichkeiten mit
Marmorbüsten und Gedenktafeln geehrt werden, macht sich der
Dichter zum einen über diese architektonische
Schöpfung, zum anderen indirekt auch über deren
Bauherren lustig.
13. Trostlied eines abgesetzten
Professors (1842)
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Mir
fehlet die Freiheit auf Erden“)
Hier hat Hoffmann von
Fallersleben seine Amtsentsetzung und das darauffolgende Berufsverbot
thematisiert. Seit den 1830er Jahren Professor der deutschen Sprache
und Literatur an der Universität Breslau wurde er 1841 wegen
seiner Gedichte und Lieder, in denen es unter anderem immer wieder auch
um das politische Schicksal, das Wohl und Wehe Deutschlands ging,
seines Lehrstuhls enthoben und führte in der Folge jahrelang
ein unstetes Wanderleben als
„Politflüchtling“, welches 1854 mit seinem
Aufenthalt in Weimar endete, wo er sechs Jahre lang arbeitete und hier
eng mit Franz Liszt verbunden und befreundet war, in dessen Haus
Hoffmann neben seinen literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten
oftmals als „Maître de Plaisir“
fungierte. Durch Vermittlung der Familie Liszt wurde er 1860
schließlich Bibliothekar des Herzogs von Ratibor in dessen
Schloss in Corvey, wo er schließlich auch sein Leben
beschloss. Hoffmann selbst hat seinem „Trostlied“
ursprünglich die Melodie eines bekannten Liedes aus der
Napoleonzeit – „Nachts um die zwölfte
Stunde verlässt der Tambour sein Grab“ –
unterlegt, wir haben diese Weise jedoch durch die Melodie des anonym
verfassten Liedes „Mir fehlet die Freiheit auf
Erden“ ersetzt, das sich im Jahr 1867 mit der
Erschießung des aus dem österreichischen Haus
Habsburg stammenden Kaisers Maximilian von Mexiko befasste, und das
1908 in der schlesischen Grafschaft Glatz aufgezeichnet wurde. Hier und
in Breslau hatte Hoffmann um 1840 selbst zahlreiche Lieder gesammelt,
die er später zusammen mit Ernst Richter als
„Schlesische Volkslieder“ herausgab.
14.
Spießbürger Tugend
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Ein
Jäger aus Kurpfalz“)
Thema dieses Liedes Hoffmanns
von Fallersleben ist das Wirtshaus als Heimstätte und
„Heimat“ des politisierenden deutschen
Spießbürgers und Stammtischphilisters, der dann bei
Anbruch der Polizeistunde nach bierseligem Räsonnieren
friedfertig nach Hause trottet und die Bettdecke über seine
Zipfelmütze zieht, dies ein Sujet, das bei Hoffmann
– aber nicht nur bei diesem – immer wieder
auftaucht. So stammen aus seiner Feder zahllose
„Michellieder“, in denen er mit seinen
bürgerlichen Zeitgenossen, die sich mit den widrigen
Verhältnissen abgefunden haben bzw. sich aus allen
zeitpolitischen Auseinandersetzungen herauszuhalten pflegen sarkastisch
abrechnet. Verfasst wurde die „Spießbürger
Tugend“ dabei auf die Melodie des bekannten Liedes
„Ein Jäger aus Kurpfalz“, das noch bis
weit ins 20. Jahrhundert eines der bekanntesten Chor- und Volkslieder
war. Der Text dieser Vorlage ist dabei schon seit 1763 nachweisbar, die
Melodie wurde 1807 in Schwaben aufgezeichnet und 1839 von Erk-Irmer
veröffentlicht.
15. Die
große Hungersnot
(Worte und Weise: Anonym)
Wir haben dieses und die folgenden beiden Lieder,
die an sich nichts mit dem Vormärz zu tun haben, mit in dieses
Programm übernommen, um damit auf den
„Volksliedsammler“ Hoffmann von Fallersleben
hinzuweisen, der mit seinen „Schlesischen
Volksliedern“ seinerzeit eine der ersten regionalen
Liedsammlungen zusammengetragen hat. Auch war Hoffmann unseres Wissens
der erste Universitätsgelehrte, der – damals noch
als Professor in Breslau – eine Vorlesung über das
Volkslied an einer deutschen Hochschule gehalten hat. Bei
„Die große Hungersnot“ handelt es sich um
ein ehemals wohl weitverbreitetes Lied, das mit seiner schlichten
Darstellung und der schwermütigen Melodie zu den vermutlich
eindruckvollsten deutschen Soldatenliedern gehört. Es findet
sich bereits in dem 1848 erschienenen Deutschen Volksgesangbuch von
Hoffmann von Fallersleben. Dabei ist unklar, ob sich die Schilderung
auf die schreckliche Hungersnot während des
30jährigen Krieges oder auf den Siebenjährigen Krieg
in Schlesien bezieht.
16.In einem kühlen Grunde
(Worte: Joseph von Eichendorff Weise: Friedrich
Glück)
Bei Joseph von Eichendorffs
aus dem Jahr 1809 stammenden und erstmals 1814 von Friedrich
Glück vertonten „In einem kühlen
Grunde“ handelt es sich um das wohl bekannteste Abschiedslied
der deutschen Romantik. Eichendorff verfasste sein Lied auf seinem Gut
Lubowitz – bei Ratibor in Oberschlesien – wohin er
nach seiner Studienzeit, unter anderem in Halle und Heidelberg,
zurückgekehrt war. „Der kühle
Grund“ ist ein kleines Tal im Gebiet von Heidelberg. Hier
hatte der schlesische Adelige Joseph von Eichendorff
anlässlich seines zeitweiligen Studienaufenthaltes im Februar
1808 die Rohrbacher Küferstochter Katharina Barbara
Förster kennen und lieben gelernt, wobei diesem
Liebesverhältnis jedoch kein Glück beschieden war,
sondern es durch irgendein plötzliches Ereignis oder durch das
Eingreifen der Familie des Mädchens unterbrochen wurde.
Eichendorff nahm dies zum Anlass, unter dem Titel
„Untreue“ eine Klage im romantischen
Weltschmerz-Tenor zu verfassen und verließ am 05. April 1808
überstürzt Heidelberg, um nach Paris zu reisen. Er
hat Barbara Förster niemals wiedergesehen. Seine
„Klage“ wurde in der Folge zu einem der
bekanntesten und langlebigsten „Volkslieder“ der
deutschen Romantik, zumal als es durch die Komposition Friedrich
Glücks bzw. durch die Männerchorbearbeitung von
Friedrich Silcher seit 1826 („Volkslieder für vier
Männerstimmen“) eine so starke Verbreitung gefunden
hatte, dass es schon bald in zahlreiche Liedersammlungen aufgenommen
wurde. Joseph von Eichendorff war dabei auch ein politisch
tätiger Mensch. So nahm er in den Jahren von 1813 bis 1815 als
Lützower Jäger aktiv an den
Befreiungskriegskämpfen gegen die napoleonischen Truppen teil.
Zu einem „Vormärzdichter“ wurde er
insofern, als Robert Schumann während des Schweizer
Sonderbundkrieges im Dezember 1847 diese Ereignisse zum Anlass nahm,
Eichendorffs Gedicht „Der Eidgenossen Nachtwache“
aus dem Jahr 1809 zu vertonen und in einen aktuellen Bezugsrahmen zu
stellen.
17. Und in dem Schneegebirge
(Worte und Weise: Anonym)
„Und in dem
Schneegebirge“, das auch heute noch bekannteste
„schlesische Volkslied“, fand Hoffmann von
Fallersleben ebenfalls während seiner Feldforschungen in
Schlesien. Die erste Strophe, die auf ein altes Jungbrunnenlied aus dem
Glatzer Schneegebirge zurückgeht, und die seit den 1530er
Jahren bekannt ist, wurde durch Strophen eines alten Wanderliedes
ergänzt, die sich als Zwiegesang anschlossen. Die Melodie
wurde in Breslau aufgezeichnet und von Hoffmann von Fallersleben und
Ernst Richter ebenfalls in deren Sammlung „Schlesische
Volkslieder mit Melodien“, Leipzig 1842
veröffentlicht. Wir haben uns bzgl. unserer Version eng an das
Arrangement gehalten, das wir in den 1970er Jahren von Erich
Schmeckenbecher und Thomas Friz gehört haben.
18.
Das Blutgericht (1844)
(Worte: Anonym – Weise: „Es steht ein Schloss in
Österreich“)
Als bekanntestes Lied, welches
sich mit dem elenden Schicksal der schlesischen Weber Mitte der 1840er
Jahre auseinandersetzt, das 1844 schließlich sogar zu einem
dann blutig unterdrückten Hungeraufstand in Peterswaldau und
Langenbielau führte, gilt nach wie vor das
„Blutgericht“. Bei diesem in voller Länge
24-strophigen Lied handelt es sich dabei um eines jener Beispiele, die
nicht nur auf bestehende Ereignisse Bezug nehmen, sondern seinerzeit
gleichzeitig zum Mitauslöser für Aktionen wurden. Das
Lied ist insofern indirekt auch in die deutsche Literaturgeschichte
eingegangen, als Gerhard Hauptmann in seinem naturalistischen Drama
„Die Weber“ darauf sowie auf die Ereignisse Bezug
genommen und die Letzteren verewigt hat. Der Text des
„Blutgerichts“ war dabei auf die Melodie des Liedes
„Es liegt ein Schloss in Österreich“
verfasst worden, einer Ballade, die bis ins 16. Jahrhundert
zurückreicht. Zahlreiche Gruppen des Deutschfolk-Revivals
haben das „Blutgericht“ in den 1970er Jahren
für sich entdeckt und – wenigstens zeitweilig
– zum Leben wiedererweckt.
19.
Die Weber (1844)
(Worte: Heinrich Heine – Weise: Jörg Ermisch)
Ebenfalls auf diese
Weberunruhen bzw. die damit verbundenen Opfer nimmt Heinrich Heine in
einem Gedicht „Die schlesischen Weber“ Bezug, das
sich bereits am 10. Juli 1844 im Pariser
„Vorwärts“ abgedruckt fand, und in welchem
der Dichter eine Drohung gegen den als Hauptverantwortlichen
für das Weberelend und die blutigen Ereignisse in Schlesien
angesehenen preußischen König Friedrich Wilhelm IV.
ausstößt. Auch dieses Gedicht wurde in den 1970er
Jahren wiederentdeckt und erlebte viele Vertonungen, wobei diejenige
des Musikerkollegen und verehrten Freundes Jörg Ermisch
(„Liederjan“) herangezogen wurde, die uns
persönlich am meisten zusagte. Auch bezüglich des
Arrangements haben wir uns eng an den „Liederjans“
orientiert, deren Aufnahem wir hier wärmstens empfehlen.
20.
Sie sähn es gern, ich würde kirre (1844)
(Worte: Robert Prutz – Weise: Norman Blake)
Auch Robert
Eduard Prutz (1816-1872), ein seinerzeit bekannter, wenn auch heute
leider ebenfalls weitgehend vergessener überzeugter
demokratischer Dichter aus Stettin / Pommern, der nur zu oft an den
Verhältnissen in der Heimat litt, ruft in seinem Gedicht aus
dem Jahr 1844 dazu auf, sich nicht unterkriegen zu lassen und aktiv und
mutig für seine Überzeugungen einzutreten. Als
überzeugter Junghegelianer hatte Prutz dabei oftmals unter
Willkürmaßnahmen der Behörden zu leiden. So
wurde mehrfach seine Absicht, sich an der Universität Jena zu
habilitieren durch die Weimarische Regierung verhindert, da Prutzens
enge Freundschaft mit Georg Herwegh bekannt und aktenkundig war.
Mehrfach wurde Prutz auch wegen seiner Dichtungen des Landes
– seien es Weimar oder Preußen –
verwiesen, die Aufführung von Werken („Moritz von
Sachsen“) untersagt, ein Hochverratsprozess gegen ihn
angestrengt, desgleichen seine im Winter 1847 veröffentlichten
„Vorlesungen über die Literatur der
Gegenwart“ bereits nach dem ersten Vortrag verboten.
Gleichwohl wurde er im Frühjahr 1849 als Professor der
Literaturgeschichte an die Universität Halle berufen, wo er
jedoch weiterhin aus seinen liberalen Einstellungen keinen Hehl machte.
Verschiedene Schwierigkeiten und Anfeindungen vor allem seitens
Universitätskollegen, denen er sich immer wieder ausgesetzt
sah, bewogen ihn 1858 schließlich jedoch dazu, der
Universität von sich aus den Rücken zu kehren. Prutz
zog sich nunmehr in seine Heimatstadt Stettin zurück, wo er
bis zu seinem Tod lebte und journalistisch tätig war und einem
der Stammväter des deutschen Journalismus wurde. Wir verweisen
auf die Aufnahme von "Planxty"
21. Trotz alledem (1844)
(Worte: Ferdinand Freiligrath – Weise: Lady McIntoshs Reel)
Ferdinand Freiligrath hat in seinem 1844
verfassten Lied „Trotz alledem“ eigentlich nur eine
fast wortgetreue Übersetzung des Liedes „For a that
and a that“ von Robert Burns vorgelegt, d wobei auch
Freiligraths Version auf die Weise von „Lady McIntoshs
Reel“ gesungen wurde, nachdem sich die zunächst dem
Freiligrathschen Text unterlegte Weise von „Als Noah aus dem
Kasten kam“ nicht hatte durchsetzen können. Weitaus
bekannter und populärer wurde jedoch die folgende Textfassung,
die Ferdinand Freiligrath im Sommer 1848 angesichts der
Rückkehr des Prinzen Wilhelm von Preußen, des
Kartätschenprinzen, der ein Jahr später zum
Totengräber der Revolution in Südwestdeutschland
werden sollte, auf das Erstarken der Reaktion hin aktualisiert
verfasste. Die Textzeile „Trotz alledem“
krönte später den sozialdemokratischen
„Vorwärts“ und wurde zu einem
populären Slogan der Arbeiterbewegung. Relativ weit verbreitet
war die 1848er Liedversion vor allem auch in den 1970er Jahren, als
viele Gruppen und Einzelsänger des Deutschfolkrevivals, dessen
erste Anfänge bereits auf den
„Waldeck-Festivals“ ab Mitte der 1960er Jahre
festzumachen sind, sich des Liedgutes der Vormärzzeit annahmen
und auch „Trotz alledem“ in ihre Repertoires
übernahmen. In der Folge entstanden auch weitere aktualisierte
Fassungen, welche aktuelle Ereignisse jener Jahre aufgriffen und
thematisierten.
22. Freifrau von Droste-Vischering (1844)
(Worte: Rudolf Löwenstein – Weise: Anonym)
Auf die seinerzeit
vielkritisierte und bespöttelte Ausstellung des
„Heiligen ungenäthen Rockes Jesu“ im Jahr
1844, in deren Gefolge die deutsch-katholische Bewegung entstand, die
– vor allem am Rhein und auch in Schlesien – einen
großen Teil des angewachsenen Oppositionsgeistes in sich
aufnahm, reagierte Rudolf Löwenstein, Redakteur der
satirischen Zeitschrift „Kladderadatsch“ mit seinem
Spottlied, welches die Freifrau von Droste-Vischering, eine
gutgläubige Nichte des Kölner Erzbischofs Clemens
August von Droste in den Mittelpunkt stellt, die sich von der
ausgestellten Reliquie die Heilung ihrer Gebrechen verspricht. Der
Heilige Rock, eine Tunika, in welcher angeblich Wollfäden aus
dem Gewand Jesu eingearbeitet sein sollen, und die – wie die
Trierer Kirchengeschichte zu berichten weiß – von
Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin des
Großen von deren Pilgerreise im 4. Jahrhundert aus Jerusalem
mitgebracht worden und der Trierer Kirche geschenkt worden sein soll,
wurde früher in unregelmäßigen
Abständen der Öffentlichkeit vorgestellt, wobei die
zahlreichen frommen Pilger diese Reliquie nur gegen Entrichtung eines
nicht unerheblichen Obulus betrachten durften. So strömten im
Jahr 1844 innerhalb von nur sieben Wochen über 500 000
Menschen nach Trier, was für die Kirche ein erhebliches
Geschäft bedeutete. Auch heute noch finden in bestimmten
Abständen Ausstellungen dieser „Reliquie“
statt.
23.
Ludwig I. und Lola Montez
(Worte: Adolf Glassbrenner – Weise: „Prinz
Eugenius, der edle Ritter“)
Mit „Prinz Eugenius, der edle
Ritter“ bildet eines der bekanntesten, populärsten
und verbreitetsten historischen Lieder des 18. Jahrhundert die
musikalische Grundlage zu dem Lied „Ludwig I. und Lola
Montez“, welches der demokratische Berliner Literat Adolf
Glassbrenner Anfang 1848 auf die Episode um den bayerischen
König Ludwig und dessen „Busenfreundin“
und Vertraute Lola Montez verfasste. Das Lied geht auf die
„Vorgeschichte“ dieses Paares und auf Einzelheiten
ihrer Beziehung und der sich darum rankenden Ereignisse ein, wobei
Glassbrenner sich nicht scheut, hier auch erotische Anspielungen zu
machen (Str. 1: „ ... Eine
Tänz’rin Lola Montez nur verstand und
konnt’ es ihn zu rühren allerwärts–
Str. 4: „Kurzen Rockes musst’ sie
tanzen, so dass man oft sah den janzen ... Tag den König bei
ihr sein. So kam’s, dass er unterdessen Baiern hatte janz
verjessen über Lola Montez’ Bein.“).
Weiterhin kommt die Erhebung Lolas in den Adelsstand („Gräfin
Landsfeld“) sowie die Empörung weiter
Kreise der bayrischen Bevölkerung zur Sprache, die
schließlich zur Entfernung der königlichen
Mätresse aus der bayerischen Metropole führte und
mittelbar den Anlass zur Demission des bayerischen Königs im
Februar 1848 bot.
Das Originallied „Prinz Eugenius“, welches die
Belagerung und Einnahme der Stadt Belgrad durch Eugen von Savoyen im
Jahr 1717 während des sechsten österreichischen
Türkenkriegs beschreibt und das vermutlich unmittelbar nach
der Einnahme der Stadt von einem Soldaten der österreichischen
Armee gedichtet worden war, findet sich zuerst in der
„Musikalischen Rüstkammer auf der Harfe“,
Leipzig 1719 aufgezeichnet. Durch seine Popularität und weite
Verbreitung in der Bevölkerung hat das Lied verschiedene
weitere Lieder und musikalische Werke beeinflusst, seine Weise hat
immer wieder Liedermacher zu Kontrafakturen angeregt, sodass sie immer
wieder in den unterschiedlichsten Zusammenhängen Verwendung
fand. Eine ebenfalls auf diese Melodie verfasste Kontrafaktur, die
vermutlich bereits im Jahr 1845 von Dr. Netteler, später
Oberlandes-Chefpräsident des Oberlandesgerichts Naumburg,
gedichtet worden war und sich vor allem während des
Deutschfolkrevivals in den 1970er/80er Jahren großer
Popularität erfreute, war das
„Bürgerlied“.
24. Schwarz-Rot-Gold (1848)
(Worte: Ferdinand Freiligrath, 17.03.1848 – Robert Schumann,
04.04.1848)
Wie viele andere Zeitgenossen
war auch Ferdinand Freiligrath angesichts der Märzunruhen in
Paris voller Hoffnung auf die baldige Errichtung einer neuen Republik
auch in Deutschland unter den Farben Schwarz-Rot-Gold, der Trikolore,
die von den Uniformen der Lützower Jäger
herrührte, und die sich vor allem die revolutionären
Burschenschaften zu eigen gemacht hatten, wie er am 17. März
1848, am unmittelbaren Vorabend der revolutionären Ereignisse
in Berlin in einem Gedicht kundtat. Dabei äußerte er
in der letzten Strophe den Wunsch
„Und der das Lied für euch erfand
In einer dieser Nächte,
Der wollte, dass ein Musikant
Es band in Noten brächte!
Heißt das: ein rechter Musikant! (...)“
Und dieser Wunsch sollte alsbald in Erfüllung gehen, als das
freiligrathsche Gedicht „Schwarz-Rot-Gold“ bereits
am 04. April 1848 durch keinen Geringeren als Robert Schumann eine
kongeniale Vertonung fand. Freiligrath erlebte den Ausbruch der
Revolution im Frühjahr 1848 in London, wo er seit September
1846 erneut als kaufmännischer Angestellter tätig
war, und wo er sich zu dieser Zeit gerade mit dem Gedanken trug, nach
den USA auszuwandern. Nunmehr übersiedelte er voller Hoffnung
nach Deutschland, wo in der Folgezeit viele seiner politischen Gedichte
entstanden, etwa am 25. Februar 1848 „Im Hochland fiel der
erste Schuss“, am 26. Februar „Die
Republik“, am 17. März unser Lied
„Schwarz-Rot-Gold“, am 25. März
„Berlin“ und „Ein Lied vom
Tode“, am 30. April Gedichte, die den
Kämpfen im übrigen Deutschland gewidmet waren und die
vor allem in der „Deutschen Zeitung“ sowie auf
zahlreichen Flugblättern erschienen und hauptsächlich
im Rheinland große Verbreitung fanden.
25.
Berliner Demokratenmarsch
(Worte: Moritz Loevinson – Weise: Hermann Hauer )
Den Text des
„Berliner Demokratenmarsches“, eines martialischen
Kampfrufes verfasste Moritz Loevinson, der 1820 in Danzig geboren
worden war, sich 1848 aktiv an den Kämpfen in der
preußischen Metropole beteiligte und 1887 in seiner
Wahlheimat Berlin starb. Bereits als Gymnasiast hatte sich Loevinson
für die Ideen radikal-demokratischer Burschenschafter wie Carl
Follen interessiert und begeistert. Wir haben unsere Version des
Demokratenmarsches von den Kollegen der Gruppe
„Wacholder“ gelernt, die wir auf einer vom
Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg i. Br. herausgegebenen CD zur
Revolution von 1848 aus dem Jahr 1998 gehört und von dort
entlehnt haben. Wir verweisen auf die Aufnahme von "Wacholder".
26. Wir wollen
ihn nicht haben
(Worte: Anonym, März 1848 – Weise: Bär)
Das Flugblattlied
„Wir wollen ihn nicht haben“, eine Zusammenstellung
zweier Lieder sowie Kontrafaktur auf die Melodie des beliebten
„Rheinliedes“ („Sie wollen ihn nicht
haben, den freien deutschen Rhein“) von Nikolaus Becker aus
dem Jahr 1840, wendet sich entschieden gegen den Prinzen Wilhelm, den
Bruder König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen als
Scharfmacher und verhassten Vertreter der
„Militärpartei“ am Königshof in
Berlin. Er reorganisierte das preußísche
Militär, dessen Oberbefehl er nach seiner Rückkehr
aus dem englischen Exil im Sommer 1848 ab Anfang 1849 innehatte, zur
blutigen Niederschlagung der Revolution in Baden und der Pfalz. 1871
sollte Wilhelm zum ersten deutschen Kaiser werden.
27. Steh’ ich in finstrer
Mitternacht (1848)
(Worte: Anonym, Altenburg/Thüringen – Weise:
„Ho Ro Mo Nighean Donn Bhóidleach“)
Hier geht es um die
unmittelbaren Erfahrungen eines Soldaten während der Zeit der
Volkserhebungen des Jahres 1848. Normalerweise waren die Soldaten
früher in Privatquartiere einquartiert worden, was zum einen
für das Militärbudget günstig, zum anderen
für die Soldaten angenehm und bequem war, hatten sie doch in
vielen Fällen „Familienanschluss“ und
wurden mit versorgt. In der Revolutionszeit jedoch mussten sie im
Regelfall biwakieren oder wurden in Garnisonen untergebracht, wodurch
verhindert werden sollte, dass sie private Kontakte aufnahmen und mit
der Bevölkerung fraternisierten. Ursprünglich wurde
der Text auf ein bereits existierendes Lied gleichen Titels von Wilhelm
Hauff (1802-1827), Schriftsteller des deutschen Biedermeier und einer
der Hauptvertreter der Schwäbischen Dichterschule, verfasst,
welches jener Mitte der 1820er Jahre geschrieben hatte. Wilhelm Hauff
ist uns vor allem durch seine Märchen- und Sagensammlungen
(„Das Wirtshaus im Spessart“ u.a.) bekannt. Sein
Lied war seinerzeit sehr populär, kam mit Auswanderern sogar
mit in die USA, wo sich zwei angloamerikanische Versionen finden. Da
uns die Melodie nach den langen Jahren, in denen sich das Lied in
unserem Repertoire befand, inzwischen zu
„abgespielt“ erschien, haben wir uns hier einer
Weise schottischen Ursprungs bedient, die wir von der Rankin Family aus
Nova Scotia gelernt haben.
28. Guckkastenlied vom
großen Hecker (1848)
(Worte: Karl Gottfried Nadler – Weise:
„Weißt du wie viel Sternlein stehen?“)
Unter dem Pseudonym „Johann Schmitt,
Spielmann bei den Hessen“ verfasste der Pfälzer
Jurist und Mundartdichter Karl Gottfried Nadler nach dem Scheitern des
Heckerzuges im April 1848 eine umfang- und detailreiche
Spottballade auf den pfälzischen Rechtsanwalt, Abgeordneten
und Revolutionär Friedrich Hecker, der bestrebt war, einer
Stagnation der revolutionären Bewegung entgegenzuwirken und
die Revolution in Südwestdeutschland zusammen mit seinem
Kollegen Gustav von Struve in demokratischem Sinne weiterzutreiben.
Dabei erlitten die Revolutionäre am 20. April aufgrund ihrer
Unerfahrenheit sowie der zahlenmäßigen und
waffentechnischen Überlegenheit der
konterrevolutionären hessisch-badischen Truppen unter dem
General Friedrich von Gagern und der soldatischen Disziplin bei Kandern
eine erste bereits alles entscheidende Niederlage. Dies
änderte sich auch bei den nachfolgenden kleineren Gefechten
nicht. Am 21. April wurde eine ihrer Kolonnen bei Steinen im Wiesental
geschlagen, zwei Tage später wurden von Güntherstal
gegen Freiburg vorrückende Zuzüge
zurückgeworfen, am 24. April schließlich fiel
Freiburg dem Sturmangriff der Linientruppen aus mehreren deutschen
Bundesstaaten zum Opfer. Bereits einen Tag vorher hatte Georg Herweghs
aus Frankreich zur Unterstützung herbeieilende Freischar nach
ihrem Übersetzen über den Rhein bei Nieder-Dossenbach
durch die Württemberger Truppen eine Niederlage erlitten und
wurden aufgerieben, wobei Georg Herweghs selbst, ebenso wie Friedrich
Hecker, die Flucht in die Schweiz gelang. All diese
militärischen Ereignisse und ihre Protagonisten wurden von
Nadler sarkastisch und spöttisch beschrieben, wobei dies etwa
der Popularität Friedrich Heckers keinen Abbruch tat.
Wir haben uns dabei auf einige wenige Strophen dieses umfangreichen
„Textkonvoluts“ beschränkt, welche wir auf
die Weise von „Weißt du wie viel Sternlein
stehen“ singen.
29.
Beamtenwillkür treibt mich fort
(Worte: Friedrich Hecker – Weise: „Morton
Bay“)
Ein die USA idealisierendes
Lied, welches der Feder Friedrich Heckers entstammen soll, der nach dem
Scheitern des nach ihm benannten „Heckerzuges“ in
Baden im Sommer 1848 nach Amerika auswanderte und sich dort als Farmer
in Illinois niederließ. Zeitweise nahm Hecker in seiner neuen
Heimat als Führer deutschstämmiger Verbände
auf Seiten der Nordstaaten am US-amerikanischen Bürgerkrieg
der Jahre 1861 bis 1865 teil. Diem Text von
„Beamtenwillkür treibt mich fort“ haben
wir wir die Weise eines australischen Folksongs unterlegt,
„Morton Bay“, den wir von Andy Irvine
(„Sweenys Men“, „Planxty“,
„St Patrick Street“ u.a.) gelernt haben.
30.
Das Reden nimmt kein End’ (1848)
(Worte: Georg Herwegh – Weise: „Was kommt dort von
der Höh’“)
Zeitweise auf Seiten Friedrich
Heckers kämpfte auch der Arbeiterdichter Georg Herwegh
– siehe Kommentar zu Lied Nr. 29 -, welcher der Frankfurter
Nationalversammlung vor allem Misstrauen und Spott entgegenbrachte, da
er einen aktiven Kampf für die Revolution den bloßen
Reden im Parlament vorzog. Was die Paulskirchenversammlung anbelangt,
kann man an dieser Stelle wohl ein passendes Zitat des Dichterkollegen
und Freundes von Georg Herwegh, Heinrich Heine anführen:
„Worte, Worte, niemals Taten, viel Gemüse, niemals
Braten!“ Herwegh unterlegte seinem Text dabei die Melodie
eines populären Studentenliedes aus dem 18. Jahrhundert, das,
wie es in vielen Quellen, etwa auch im „Allgemeinen Deutschen
Kommersbuch“, Lahr 1858, S. 292 heißt
„beim Fuchsritt zu singen“ war. Wir haben das Lied
in dieser Version seinerzeit von der Gruppe
„Fortschrott“ gehört und
übernommen.
31.
Den Volksvertretern (1817)
(Worte: Ludwig Uhland – Weise: „Sind wir vereint zu
guter Stunde“)
Im Gegensatz zu dem
vorangegangenen Lied Herweghs äußern die Zeilen des
Liedes aus dem Jahr 1817 „Den
Volksvertretern“ von Ludwig Uhland noch Hoffnungen in Bezug
auf eine Nationalversammlung, deren engagiertes und prominentes
Mitglied der schwäbische Dichter dann 1848 in Frankfurt werden
sollte, den viele heute – wenn überhaupt –
nur mehr als Balladendichter oder als Autor der Soldatenklage
„Ich hatt’ einen Kameraden“ in Erinnerung
haben. Als eine heute ein wenig gravitätisch und pathetisch
anmutende Ermunterung für die Abgeordneten hat Ludwig Uhland
sein Lied verfasst, das noch einen durchaus optimistischen Tenor
aufweist und zum Liedrepertoire vieler‚‘48er
gehörte, obwohl schon sehr bald deutlich wurde, dass diesem
Parlament kein langes Leben beschieden sein werde.
32. Ich hatt’ einen
Kameraden
(Worte und Weise: Ludwig Uhland, 1809)
Das bekannteste Lied des schwäbischen
Gelehrten, Liedsammlers, Poeten und Politikers Ludwig Uhland
ist wohl nach wie vor „Der gute Kamerad“, der auch
heute noch – oftmals in einer bloßen
Instrumentalfassung – am Volkstrauertag zu hören ist
und an die Opfer der beiden Weltkriege erinnern soll. Unter dem
Eindruck der Napoleonischen Kriege hatte Uhland dieses Lied 1809
geschrieben, das sich bemerkenswert von anderen „Kriegs- und
Hassgesängen“ vieler Zeitgenossen abhebt und zum
Volksgut geworden ist. Dennoch hat dieses Lied dazu geführt,
dass Ludwig Uhland auch in unseren Tagen bisweilen von Menschen, die
der Geschichte und seiner Biographie unkundig sind, als Nationalist und
Ultrakonservativer abgestempelt wird, wie wir in Gesprächen
bisweilen erfahren mussten
33. Abschied
(Ludwig Uhland / U. Otto / D. Buskin)
Bei Ludwig Uhlands „Abschied“
aus dem Jahr 1809 handelt es sich um ein romantisches Lied, in welchem
der Dichter seinen heimlichen Abschied von seiner Vaterstadt
Tübingen thematisiert hat, und dem wir – nachdem uns
seine Melodie von Konradin Kreutzer aus dem Jahr 1818 nicht zugesagt
hat – eine Weise unterlegt haben, die Uli in der zweiten
Hälfte der 1970er Jahre während eines
Studienaufenthaltes im Volksliedarchiv in Freiburg / Br. einer LP der
Songgruppe „Singspiel“ entnommen hat,
nämlich „Wenn ich dich brauche, finde ich dich
dann“ aus der Feder von D. Buskin. Uli hat Uhlands Text dabei
in den 1980er Jahren um eigene Zeilen ergänzt. Wir verweisen
auf die Aufnahme von "Singspiel".
34.
Die gute Polizei
(Worte: Feodor Wehl - Weise: Konradin Kreutzer: „Da streiten
sich die Leut’ herum“)
Dem „Hobellied“ aus der Posse
der „Verschwender“ von Ferdinand Raimund hat Feodor
Wehl seine Beschreibung der „sehr ungemütlichen
Polizei-Allgegenwart im Belagerungszustand seit dem Oktober 1848 in
Wien und Berlin beigesteuert. Aber während sich der
‚liebe Valentin’ in der musikalischen Vorlage des
Liedes in sein Schicksal fügen und dem Tod ‚keine
Umstände’ machen will, wird im neuen Text in
ironischer Überspitzung vorgeführt, dass man die
polizeiliche ‚Fürsorglichkeit’ gerne
entbehren würde. Im übrigen kann man sich sinnvollere
Aufgaben für die Polizei vorstellen. ‚Und wo man
stahl im guten Reich, Da kommt sie später an’. Vor
Diebstählen konnte sie die Bürger wohl nicht so
effektiv schützen wie den Staat vor möglichen
Aufrührern“. (so der treffende Kommentar von Barbara
Boock nach dem CD-Inlay von 1848 „...weil jetzt die Freiheit
blüht“. Lieder aus der Revolution von
1848/1849“, hrsg. vom Deutschen Volksliedarchiv in
Freiburg/Br. 1998.), dem man wohl kaum etwas hinzufügen kann.
Wir haben das Lied von den „Liederjanen“ kennen
gelernt.
35.
Nun hütet euch, ihr Fürsten (November
1848)
(Worte: Anonym – Weise: “Bonny Woodhall“)
Eines der vielen Lieder, die
sich mit dem tragischen Schicksal des Paulskirchenabgeordneten und
Führers der dortigen Linken Robert Blum beschäftigen.
„Nun hütet euch, ihr Fürsten“,
lässt es dabei nicht bei der Erschießungsszene des
08. November 1848 in der Brigittenau in Wien bewenden, sondern geht auf
die Vorgeschichte von Robert Blums tragischem Ende ein. Blum war zur
Unterstützung der Revolution in Wien zusammen mit seinem
Parlamentskollegen Julius Fröbel in die
österreichische Hauptstadt geeilt. Auf ihre diplomatische
Immunität aufgrund ihres Abgeordnetenstatus vertrauend
verblieben die beiden auch nach dem Zusammenbruch der Wiener
Herbstrevolte in der österreichischen Metropole. Das
Kriegsgericht verurteilte Blum und Fröbel zum Tode. Ein
Schreiben, in welchem die Hinrichtung der beiden Abgeordneten
ausgesetzt werden sollte, kam für Robert Blum zu
spät. Fröbel wurde begnadigt und aus
Österreich abgeschoben. Wir haben den anonymen Text an einigen
Stellen leicht verändert, ihn von „antislawischen
Tönen“ gereinigt, und uns der Melodie eines
iroschottischen Liedes - „Bonny Woodhall“ -
bedient, die wir in den 1980er Jahren während eines
Irlandaufenthaltes in Gorey von Andy Irvine und Paul Brady gelernt
haben. Ursprünglich war der Text auf die Melodie des
„Andreas Hofer-Liedes“ verfasst worden.
36. Badisches Wiegenlied
(1849)
(Worte: Karl Ludwig Pfau – Weise: Volksweise)
Der Feder von Karl Ludwig Pfau (*25.08.1821 in
Heilbronn - +12.04.1894 in Stuttgart) entstammt das „Badische
Wiegenlied“, die wohl bewegendste Klage ob der
preußischen Unterdrückungsmaßnahmen nach
der endgültigen Niederschlagung der Revolution im
Südwesten Deutschlands im Frühsommer des Jahres 1849,
der zahllose Demokraten zum Opfer fielen und die viele Badener in der
Folge zur Auswanderung – vor allem in die Vereinigten Staaten
von Amerika als damaligem Hoffnungsträger und Zielland
– bewog. Gegen das Wiedererstarken der Reaktion und deren
Vorgehen gegen die revolutionären Errungenschaften des
März 1849 – an deren Spitze sich die
preußische Soldateska unter dem Oberfehl des
„Kartätschenprinzen“, des Prinzen Wilhelm
von Preußen, des späteren deutschen Kaisers Wilhelm
I. setzte – und für die Erhaltung demokratischer
Rechte hatte es 1849 mehrere Volksaufstände, so im Rheinland,
in Westfalen, Sachsen, in der Pfalz und in Baden gegeben, die diesmal,
- im Gegensatz zu früheren Revolten -, etwa in der Pfalz vom
einheimischen Militär unterstützt wurde. Auf diese
Kämpfe bezieht sich das „Badische
Wiegenlied“ implizite. Das badische Rastatt wurde zur letzten
Festung des badischen und pfälzischen Aufständischen,
die der preußischen Soldateska hinhaltenden Widerstand
leisteten. Als Rastatt Ende Juli 1849 gleichwohl vor der
Übermacht kapitulieren musste, wurde eine große
Anzahl von Aufständischen standrechtlich erschossen. Hunderte
starben in preußischer Gefangenschaft, unzählige
Menschen suchten ihr Heil in der Auswanderung. Noch jahrelang musste
die Region unter der preußischen Besatzung leiden, was
feindselige Gefühle wach hielt. Wenn Pfau leider auch
inzwischen bei einer breiteren Öffentlichkeit weitestgehend in
Vergessenheit geraten ist, wurde sein „Badisches
Wiegenlied“ zu einem echten „Volkslied“,
das in zahlreichen Varianten verbreitet noch lange Zeit gesungen und
während des Deutsch-Folkrevivals der 1970er Jahre
schließlich von zahlreichen Musikgruppen wiederentdeckt wurde.
37. ’s ist wieder
März geworden
(Worte: Anonym – Weise: Ferdinand
Maßmann„Ich hab’ mich ergeben“)
Einer ausgewählten
Blumenmetaphorik bediente sich der anonym gebliebene Verfasser von
„’s ist wieder März geworden“,
einem Lied, welches das Scheitern der demokratischen Kräfte
der Jahre 1848/1849 nach der brutalen Niederschlagung der
Volksaufstände in Baden und der Pfalz durch die
preußischen Truppen unter dem Prinzen Wilhelm thematisiert
hat. Dieses poetisch verschlüsselte und doch eindeutig
politische „Märzlied“, dessen Blumen
einzelne gesellschaftliche Klassen und Kräfte symbolisieren,
stand ursprünglich im „Demokratischen
Liederbuch“, Stuttgart 1898, das fünfzig Jahre nach
der Revolution von 1848 herausgegegen wurde. Geschrieben wurde das Lied
auf die Weise eines Burschenschaftsliedes des späteren
Germanisten, Lehrers und Sportpädagogen Ferdinand
Maßmann (15.08.1797-13.08.1874), „Ich
hab’ mich ergeben mit Herz und mit Hand“, aus dem
Jahr 1819, welchem die Singweise von „Wir hatten gebauet ein
stattliches Haus“ von Daniel August von Binzer zugrunde lag.
Wir haben unsere Fassung, was das Arrangement anbelangt, eng an die
Version der Kollegen von „Zupfgeigenhansel“
angelehnt, die wir seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre
kennen.
38.
Ein stolzes Schiff
(Worte: Anonym – Weise: Erich Schmeckenbecher)
Bei „Ein stolzes
Schiff“ handelt es sich um das nicht zuletzt durch seine
hervorragende Interpretation in den 1970er Jahren durch das
erwähnte Duo „Zupfgeigenhansel“ wohl
aktuell bekannteste Auswandererlied, das die Emigration aus Deutschland
und deren Gründe um die Mitte des 19. Jahrhunderts
reflektiert. Armut und Unterdrückung veranlassten nach 1848
drei Millionen Menschen, Deutschland den Rücken zu kehren und
ihr Glück und Auskommen im Ausland, hier vor allem in Amerika
zu suchen. Ansonsten ist das Genre Auswandererlied bis heute in
Deutschland weitgehend „unbearbeitet“ und
unbeachtet geblieben. Die kongeniale Vertonung von „Ein
stolzes Schiff“ erfolgte durch Erich Schmeckenbecher, der
auch heute noch gesellschaftspolitisch und musikalisch sehr aktiv ist.
Wir verweisen hier auf die hörenswerte
"Zupfgeigenhansel"-Aufnahme.
39.
Kein schöner Land in dieser Zeit
(Worte und Weise: Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio)
Sind viele der vorangegangenen
Lieder alsbald weitgehend in Vergessenheit geraten, hat sich das
folgende Lied alsbald zu einem regelrechten
„evergreen“ und „Volkslied“
entwickelt, dies kein Wunder, da es ob seines unpolitischen
und „staatserhaltenden“ Charakters
natürlich nicht verboten, vielmehr seine Verbreitung
gefördert wurde. Der 1803 in Waldbröd
gebürtige Heimatdichter, Volksliedforscher und Liedermacher
Zuccalmaglio, der 1869 in Nachrodt verstarb, hat seinem
romantisierenden Text eine Umformung der Weisen „Ade, mein
Schatz, und ich muss fort“ sowie „Ich kann und mag
nimmer fröhlich sein“ unterlegt, und dieses sein
Lied hat schon bald seinen Weg in zahllose Liederbücher und
ins Repertoire unzähliger Männerchöre
gefunden. Wir haben dieses Lied, welches wir an ein Arrangement von
Erich Schmeckenbecher angelehnt haben, ganz bewusst mit ans Ende
unseres Programmes gestellt, weil es sehr gut den
rückwärtsgewandten Geist und die
„Innerlichkeit“ des deutschen Bürgertums
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts widerspiegelt,
nachdem man sich während der „tollen Tage“
1848/1849 eine blutige Nase geholt hatte.
Mit „Ade zur guten
Nacht“ entstand wohl um 1850 in Thüringen eines der
bekanntesten „romantischen“ Abschiedslieder des 19.
Jahrhunderts, das wegen seines unpolitischen Charakters im Gegensatz
zum missliebigen Lied der Vormärzzeit und der Jahre 1848/1849
wohlgelitten war, bis in unsere Tage tradiert wurde und damit zu einem
der bekanntesten und populärsten
„Volkslieder“ überhaupt wurde. Nach einer
anderen Lesart wurde das Lied zunächst nur in der Rheinpfalz,
in Franken und in Sachsen gesungen. Von dort aus fand es jedoch durch
die Jugendbewegung sehr schnell seinen Weg in alle Gebiete Deutschlands.
41./42. Dat du
min Leevsten büst & Över de stillen Straten
(Worte: Anonym/Theodor Storm – Weise: Anonym/ Ernst Licht
Als kleines Extra zwei plattdeutsche Lieder, die
an sich auf den ersten Blick nichts mit unserem Thema zu tun haben. Es
handelt sich um ein von uns zusammengestelltes Medley, welches das
heimliche Zusammentreffen eines Liebespaares in der
nächtlichen Kammer des Mädchens sowie – um
auf die möglichen „direkten Folgen“ der
genossenen Liebesfreuden hinzuweisen – ein Wiegenlied von
Theodor Storm in Zusammenhang gebracht und verbunden hat. Immer wieder
haben junge Leute trotz des – bisweilen vermeintlichen -
Widerstandes ihrer „verständnislosen“
Eltern zusammengefunden, immer wieder haben junge Burschen ihre
Liebsten in ihrer Kammer besucht und mit diesen zusammen die Nacht
verbracht, und dies beileibe nicht nur in Schleswig-Holstein, woher
unser Medley stammt, sondern auch anderswo, etwa gerade auch in Bayern,
wo das „Fensterln“ auf dem Land mancherorts
zeitweise durchaus Usus gewesen zu sein scheint. Sehr oft
dürften die Eltern der nächtlichen Besuche durchaus
gewahr geworden sein, und in manchen Fällen, nämlich
wenn es sich um „den richtigen Burschen“ handelte,
dürften diese Besuche nicht einmal unwillkommen gewesen sein.
Wenn sich nämlich die richtigen
„Brautleute“ fanden, sodass vielleicht eine gute
Partie ins Haus stand, d.h. bei einer Hochzeit etwa zwei wohlhabende
Familien „fusionieren“ konnten, drückten
die Eltern der jungen Leute oftmals wohl mehr als nur ein Auge zu.
Wichtig war dabei vor allem, dass die jungen Leute in diesem Fall nicht
nur fortpflanzungsbereit sondern auch –fähig waren,
damit sich ein Erbe für den weiterzugebenden Besitz einfand.
Wenn das Mädchen dann schwanger wurde, musste
natürlich geheiratet werden, und bald waren dann auch
Wiegenlieder zu hören.
Das um 1850 erschienene Liebeslied „Dat du min Leevsten
büst“, welches einen derartigen Besuch thematisiert,
stammt aus Schleswig-Holstein, der Verfasser dieses plattdeutschen
„Klassikers“, der auch heute noch allenthalben in
Deutschland populär und verbreitet ist, ist unbekannt. Ihm
folgt Theodor Storms Wiegenlied „Över de stillen
Straten“, das wir in den 1960er Jahren seinerzeit in
verschiedenen Fassungen – einer mit dem Gitarristen Henri
Regnier und einer anderen der Hamburger Sängerin Lale Andersen
– kennengelernt haben, wobei die letztere Interpretin mit
„Lili Marleen“ schon während des Zweiten
Weltkrieges ja einen Evergreen gesungen hat und damit in die
(Folk-)Musikgeschichte eingegangen ist. In den 1960ern waren wir von
Lale Andersen dabei keineswegs angetan, haben diese seinerzeit eher den
unverbindlichen „Schlager- und
Schnulzensängern“ zugeordnet, konnten auch mit ihren
„Volksliedern“ (noch) nichts anfangen und haben sie
von daher vehement abgelehnt., bestenfalls belächelt Erst als
wir uns in späteren Jahren noch einmal in anderen
Zusammenhängen – und dann auch intensiver
– mit ihrer Biographie befassen mussten, nahmen wir zur
Kenntnis, dass Frau Andersen eine im besten Sinne unangepasste Frau und
zudem auch eine entschiedene und couragierte Gegnerin des NS-Regimes
war und sich von diesem nicht hat vereinnahmen lassen. So hat sie sich
niemals von ihren jüdischen Freunden losgesagt und etwa
Kontakte zu befreundeten Emigranten in die Schweiz gehalten, sich auch
nicht zu Propagandazwecken vereinnahmen und missbrauchen lassen, hat
sich z.B. geweigert, an einer „Werbetour“ im
Warschauer Ghetto teilzunehmen. Von einer Verhaftung und Einlieferung
Frau Andersens ins Zuchthaus oder gar KZ haben die Nazis seinerzeit vor
allem deswegen Abstand genommen, weil BBC London von einer
diesbezüglichen bevorstehenden Aktion gegen sie berichtete und
man die „englische Lügenpropaganda“ unter
Beweis stellen wollte. Von daher haben wir Lale Andersen im Nachhinein
dringend Abbitte zu leisten, was wir hiermit tun wollen.
Theodor Storm wurde am 14.09.1817 im schleswig-holsteinischen Husum
geboren und starb am 04. Juli 1888 in Hademarschen bei
Rendsburg/Holstein. Er zählte auch heute noch als bekanntester
Dichter plattdeutscher Zunge. Sein Gedicht „Över de
stillen Straten“ fand durch Ernst Licht (1892-1965) eine
kongeniale Vertonung, in welcher das Lied seit vielen Jahren mit in
unser Repertoire eingegangen ist.
43. Fuchsmühler
Holzschlacht (1894)
(Worte: Anonym – Musik: Regimentsmarsch des 6.
Infanterieregiments zu Amberg)
„Die
Fuchsmühler Holzschlacht“ aus dem Jahr 1894 scheint
inhaltlich auf den ersten Blick zunächst natürlich
nichts mit den Unruhen der Jahre 1848/1849 zu tun zu haben, weist
jedoch insofern wieder einen direkten Bezug zur Revolutionszeit auf,
als das in den 1890er Jahren im oberpfälzischen Amberg
stationierte 6. Infanterieregiment während der unruhigen Jahre
Mitte des 19. Jahrhunderts in der damals noch bayerischen Pfalz
stationiert gewesen war, und seine Angehörigen 1849
während der dortigen Aufstände zu jenen Truppenteilen
gehörten, die sich weigerten, gegen die Revolutionäre
vorzugehen, wie uns Alfred Wolfsteiner, einer der besten Kenner der
Fuchsmühler Ereignisse und Verfasser einer
vorzüglichen Chronik mitteilte. Dies wurde in der Folgezeit
– vor allem dann im militaristischen wilhelminischen
Kaiserreich – als schmachvoll empfunden und als ein dunkler
Fleck auf den Regimentsfahnen angesehen, den es unbedingt zu tilgen
galt. Am 29./30. Oktober 1894 ging daher ein Departement des 6.
Regiments gegen eine Abteilung unbewaffneter Bauern vor, die
– gemäß eines uralten
„Gewohnheitsrechts“ – ihr
„Rechtholz“ für den Winter im Wald
schlagen wollten, nachdem der neue Waldbesitzer und Rechtsinhaber
Militär herbeigerufen hatte. Zwei tote Bauern und mehrere
Verletzte blieben auf dem Kampfplatz zurück. Das sinnlose
Blutbad wurde seinerzeit in der breiten Öffentlichkeit und
auch seitens der überregionalen Presse heftig kritisiert und
hat lange Zeit in der Erinnerung der einheimischen Bevölkerung
überlebt. Es hat also nicht nur im gerade von vielen Bayern
immer wieder vielkritisierten Preußen immer wieder gerade
auch nach innen gerichtete militaristische Bestrebungen gegeben, um
eine eventuell aufmüpfige Bevölkerung durch
martialisches und brutales Vorgehen einzuschüchtern, zu
disziplinieren und zu bestrafen …
Bei der von uns verwendeten Melodie handelt es sich um den
Regimentsmarsch des 6. Regiments, den Uli seinerzeit – was
den zweiten Teil anbelangt – rythmisch verändert hat.
Zu disem Programm gibt es ein 56-seitiges Booklet, das
bei Bedarf bestellt werden kann.
--
"Passepartout
GmbH"
"Lieder
aus der 'anderen' Heimat"
Programm
II der >Passepartout GmbH< "Lieder aus der 'anderen' Heimat"
Heimatsymposium
der Universität Grenoble Mai 2007.
1. Trois petites notes de musique
2. Bunt sind schon die Wälder
3. In einem kühlen Grunde
4. Abschied
5. Schlacht bei Regensburg
6. Plaisir d'amour + Un canadien errant
7. Drei Zigeuner
8. Kleine Roszy
9. Und in dem Schneegebirge
10. Spießbürger Tugend
11. Trostlied eines abgesetzten Professors
12. Sie sähn es gern, ich würde kirre
13. „Nun hütet euch Ihr Fürsten“
14. Badisches Wiegenlied
15. Beamtenwillkür treibt mich fort
16. „Ein stolzes Schiff“
17. Fuchsmühler Holzschlacht
18. Bibel und Flinte
19. Ich zog zum fernen Afrika
20. „Dem Milners Trern“
21. Wem hamse die Krone jeklaut?
22. „Wir Drei, wir gehn jetzt auf die Walze“
& „Ich bin nur ein armer Wandergesell“
23. Die Moorsoldaten
24. Andre, die das Land so sehr nicht liebten
25. Ich wandre durch Theresienstadt
26. „Anke van Tharaw“ & „Gangel
gangel undrem Schoh“ & „Im Wald“ 27. „Fern der Heimat“
28. „Des Heizers Traum (Lied vom andern
Heimatlandgefühl)
29. O Heideröslein (gib acht wenn's kracht)
30. „Ade zur guten Nacht“
1. Trois petites
notes de musique (Worte und Weise: Henri Colpi, Georges
Delerue & Yves Montand, 1961)
Oftmals sind es nur ein paar
Töne, welche plötzlich Erinnerungen hervorzurufen in
der Lage sind. Thematisiert wurde das in dem Chanson „Trois
petites notes de musique“, das Cora Vaucaire (*2011) Anfang
der 1960er Jahre in dem Film „Une aussi longue
absence“ („Noch nach Jahr und Tag“) sang,
das auch von namhaften anderen französischen
Chansongrößen wie Yves Montand, Juliette
Gréco, Ives Scheere interpretiert wurde und zu einem
internationalen Hit wurde. Der Film „Noch nach Jahr und
Tag“, eine französisch-italienische Coproduktion,
die 1961 bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme
ausgezeichnet wurde, spielt Ende der 1950er Jahre in Frankreich, wo
eine Caféhausbesitzerin glaubt, in einem Clochard ihren vor
17 Jahren von der Gestapo verschleppten Ehemann wiederzuerkennen. Doch
der hat sein Gedächtnis verloren. Obwohl sie weiß,
dass er sich nie wieder an seine Vergangenheit erinnern wird, versucht
sie ihm und sich selbst zu beweisen, dass er wirklich ihr Mann ist. Es
geht um den Kampf gegen das Vergessen und das Wachhalten der Erinnerung
an die Vergangenheit. Für uns ist das Lied, das erste
französische Chanson, das ich seinerzeit bewusst
hörte, eng mit dem Lebensgefühl der 1960er Jahre
verbunden, als französische Lieder – etwa auch bei
den ersten Festivals auf der Waldeck (1963-1966) eine große
Rolle spielten, bevor die angloamerikanische Rock- und Popmusik sie
weitgehend in den Hintergrund drängten
2. Bunt sind
schon die Wälder
(Worte: Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834), 1793
Weise: Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), 1799)
Bei dieser stimmungsvollen
Idylle aus der Feder des Freiherrn Johann Gaudenz von Salis-Seewis
handelt es sich – zumal nach der Vertonung durch Johann
Friedrich Reichardt – um eines der bekanntesten Chorlieder
aus dem 19. Jahrhundert, das auch heute noch bekannt und verbreitet
ist. Wir haben unser Arrangement eng an diejenige des Folk-Duos
„Zupfgeigenhansel“ angelehnt, die seit den 1970er
Jahren verbreitet war.
3. In einem kühlen Grunde
(Worte: Joseph von Eichendorff Weise: Friedrich
Glück)
Bei Joseph
von Eichendorffs aus dem Jahr 1809 stammenden und erstmals 1814 von
Friedrich Glück vertonten „In einem kühlen
Grunde“ handelt es sich um das wohl bekannteste Abschiedslied
der deutschen Romantik. Eichendorff verfasste sein Lied auf seinem Gut
Lubowitz – bei Ratibor in Oberschlesien – wohin er
nach seiner Studienzeit, unter anderem in Halle und Heidelberg,
zurückgekehrt war. „Der kühle
Grund“ ist ein kleines Tal im Gebiet von Heidelberg. Hier
hatte der schlesische Adelige Joseph von Eichendorff
anlässlich seines zeitweiligen Studienaufenthaltes im Februar
1808 die Rohrbacher Küferstochter Katharina Barbara
Förster kennen und lieben gelernt, wobei diesem
Liebesverhältnis jedoch kein Glück beschieden war,
sondern es durch irgendein plötzliches Ereignis oder durch das
Eingreifen der Familie des Mädchens unterbrochen wurde.
Eichendorff nahm dies zum Anlass, unter dem Titel
„Untreue“ eine Klage im romantischen
Weltschmerz-Tenor zu verfassen und verließ am 05. April 1808
überstürzt Heidelberg, um nach Paris zu reisen. Er
hat Barbara Förster niemals wiedergesehen. Seine
„Klage“ wurde in der Folge zu einem der
bekanntesten und langlebigsten „Volkslieder“ der
deutschen Romantik, zumal als es durch die Komposition Friedrich
Glücks bzw. durch die Männerchorbearbeitung von
Friedrich Silcher seit 1826 („Volkslieder für vier
Männerstimmen“) eine so starke Verbreitung gefunden
hatte, dass es schon bald in zahlreiche Liedersammlungen aufgenommen
wurde. Joseph von Eichendorff war dabei auch ein politisch
tätiger Mensch. So nahm er in den Jahren von 1813 bis 1815 als
Lützower Jäger aktiv an den
Befreiungskriegskämpfen gegen die napoleonischen Truppen teil.
Zu einem „Vormärzdichter“ wurde er
insofern, als Robert Schumann während des Schweizer
Sonderbundkrieges im Dezember 1847 diese Ereignisse zum Anlass nahm,
Eichendorffs Gedicht „Der Eidgenossen Nachtwache“
aus dem Jahr 1809 zu vertonen und in einen aktuellen Bezugsrahmen zu
stellen
4. Abschied
(Ludwig Uhland / U. Otto / D. Buskin)
Bei Ludwig Uhlands „Abschied“
aus dem Jahr 1809 handelt es sich um ein romantisches Lied, in welchem
der Dichter seinen heimlichen Abschied von seiner Vaterstadt
Tübingen thematisiert hat, und dem wir – nachdem uns
seine Melodie von Konradin Kreutzer aus dem Jahr 1818 nicht zugesagt
hat – eine Weise unterlegt haben, die Uli in der zweiten
Hälfte der 1970er Jahre während eines
Studienaufenthaltes im Volksliedarchiv in Freiburg / Br. einer LP der
Songgruppe „Singspiel“ entnommen hat,
nämlich „Wenn ich dich brauche, finde ich dich
dann“ aus der Feder von D. Buskin. Uli hat Uhlands Text dabei
in den 1980er Jahren um eigene Zeilen ergänzt.
5. Schlacht bei
Regensburg
(Worte und Weise: Anonym, 1809)
In der „Schlacht bei
Regensburg“ werden sehr eindringlich, detailliert und
ausführlich die militärischen Auseinandersetzungen
zwischen den Österreichern auf der einen sowie den Franzosen
und ihren bayerischen Bundesgenossen auf der anderen Seite in der
freien Reichsstadt Regensburg im April 1809 geschildert. Zu diesen
Kampfhandlungen im weiteren Sinn gehören auch die Schlachten
bei Eggmühl, Abensberg und Thann (heute Herrnwalthann /
Hausen). Neben den zahllosen Menschenopfern, die gerade auch unter der
Zivilbevölkerung zu beklagen waren, blieb – nachdem
die Österreicher schließlich weichen mussten
– eine teilweise zerstörte Stadt zurück
…
6. Plaisir
d’amour & Un canadien errant (Worte: Martin il Tedesco & Anonym
–
Weise: Martin il Tedesco & Anonym)
„Plasir
d’Amour“, unser Medley-Vor- und Nachspiel, wohl
eines der bekanntesten französischen Liebes- und
„Volkslieder“, entstammt der Feder des
oberpfälzer Komponisten Johann Paul Ägidius Martin
Schwarzenberg( Pseudonym Martini Il Tedesco), der 1741 in Freystadt in
der Oberpfalz geboren wurde. Es wurde ursprünglich
von Hector Berlioz instrumentiert und im Jahr 1939 in der
Interpretation von Rina Ketty in Frankreich ein Hitparadenerfolg.
Übersetzung von „Plaisir
d’amour“: „Die Freude der
Liebe dauert jeweils nur einen Augenblick, der Liebeskummer aber bleibt
das ganze Leben lang bestehen“.
„Un canadiean errant“, ein in französisch
Kanada entstandenes und bis heute verbreitetes Lied, das es in vielen
Varianten gibt und von vielen Musikern interpretiert wurde, hat
Ereignisse in Kanada nach 1812 als Hintergrund. Die Niederlagen
Napoleons auf dem europäischen Kontinent hatten
natürlich auch Auswirkungen auf Kanada, wo die Anglo-Kanadier
nun ebenfalls endgültig Dominanz über die
frankokanadischen Einwohner erlangten, was viele der Letzteren zur
Emigration bewog.
7.
Drei Zigeuner (um 1830)
(Worte: Nikolaus Lenau – Weise: „Sally“
von Fabrizio de André & Massimo Bubola)
Nikolaus (Edler von Strehlenau) Lenau (1802-1850)
verfasste 1830 sein Lied „Drei Zigeuner“, eines
seiner „melancholischen Lieder“ und für
uns eines der ältesten deutschsprachigen
„Hippielieder“ überhaupt, welches um 1900
zu einer Hymne des „Wandervogel“ und in den 1970er
Jahren dann auch von der damaligen Deutschfolkszene wiederentdeckt
wurde, standen hier doch seine Apologeten, die Zigeuner, als Symbol der
Freiheit und Unabhängigkeit. Mit der tatsächlichen
Realität des Zigeunerlebens hat dieser romantische Text
natürlich wenig zu tun, hier handelt es sich eher um eine
Idealisierung. In Wirklichkeit führten die meisten Zigeuner
ein armseliges Leben und wurden angefeindet, wobei später
viele Angehörige dieses Volkes während des Dritten
Reiches in nationalsozialistischen KZs ermordet wurden. Auch heute noch
oder gerade wieder erleben die Zigeuner – Sinti und Roma
– häufig noch Diskriminierungen und Verfolgungen in
den meisten Ländern. Dies gilt es bei diesem Lied immer
mitzudenken. „Die „drei Zigeuner“ wurden
unter anderem auch von Franz Liszt vertont, die bis heute bekannteste
Vertonung des Liedes aber stammt wohl von Theodor Meyer-Steinegg. Sie
erschien uns im Lauf der Zeit jedoch zu
„abgedroschen“, weswegen wir dem Text die Weise
eines Liedes von Fabrizio de André und Massimo Bubola
unterlegt haben, die uns passend erschien und besser gefallen hat.
8. Roszy
(Worte und Weise: Anonymes Wiener Couplet)
Das Lied von der kleinen
„Roszy“ beschwört ironisch eine ungarische
(Zigeuner-) Operetten-Hochzeitsidylle à la „Ich
denke oft an Piroschka“ bzw. andere Heimatfilme herauf.
Leider ist uns weder der weitere Hintergrund des Liedes bekannt, noch
wissen wir die Namen des Textdichters oder Komponisten.
10.
Und in dem Schneegebirge
(Worte und Weise: Anonym)
„Und in dem Schneegebirge“,
das auch heute noch bekannteste „schlesische
Volkslied“, fand Hoffmann von Fallersleben ebenfalls
während seiner Feldforschungen in Schlesien. Die erste
Strophe, die auf ein altes Jungbrunnenlied aus dem Glatzer
Schneegebirge zurückgeht, und die seit den 1530er Jahren
bekannt ist, wurde durch Strophen eines alten Wanderliedes
ergänzt, die sich als Zwiegesang anschlossen. Die Melodie
wurde in Breslau aufgezeichnet und von Hoffmann von Fallersleben und
Ernst Richter ebenfalls in deren Sammlung „Schlesische
Volkslieder mit Melodien“, Leipzig 1842
veröffentlicht. Wir haben uns bzgl. unserer Version eng an das
Arrangement gehalten, das wir in den 1970er Jahren von Erich
Schmeckenbecher und Thomas Friz gehört haben.
11.
Spießbürger Tugend
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Ein
Jäger aus Kurpfalz“)
Thema dieses Liedes Hoffmanns
von Fallersleben ist das Wirtshaus als Heimstätte und
„Heimat“ des politisierenden deutschen
Spießbürgers und Stammtischphilisters, der dann bei
Anbruch der Polizeistunde nach bierseligem Räsonnieren
friedfertig nach Hause trottet und die Bettdecke über seine
Zipfelmütze zieht, dies ein Sujet, das bei Hoffmann
– aber nicht nur bei diesem – immer wieder
auftaucht. So stammen aus seiner Feder zahllose
„Michellieder“, in denen er mit seinen
bürgerlichen Zeitgenossen, die sich mit den widrigen
Verhältnissen abgefunden haben bzw. sich aus allen
zeitpolitischen Auseinandersetzungen herauszuhalten pflegen sarkastisch
abrechnet. Verfasst wurde die „Spießbürger
Tugend“ dabei auf die Melodie des bekannten Liedes
„Ein Jäger aus Kurpfalz“, das noch bis
weit ins 20. Jahrhundert eines der bekanntesten Chor- und Volkslieder
war. Der Text dieser Vorlage ist dabei schon seit 1763 nachweisbar, die
Melodie wurde 1807 in Schwaben aufgezeichnet und 1839 von Erk-Irmer
veröffentlicht.
12. Trostlied eines abgesetzten
Professors (1842)
(Worte: Hoffmann von Fallersleben – Weise: „Mir
fehlet die Freiheit auf Erden“)
Hier hat Hoffmann von
Fallersleben seine Amtsentsetzung und das darauffolgende Berufsverbot
thematisiert. Seit den 1830er Jahren Professor der deutschen Sprache
und Literatur an der Universität Breslau wurde er 1841 wegen
seiner Gedichte und Lieder, in denen es unter anderem immer wieder auch
um das politische Schicksal, das Wohl und Wehe Deutschlands ging,
seines Lehrstuhls enthoben und führte in der Folge jahrelang
ein unstetes Wanderleben als
„Politflüchtling“, welches 1854 mit seinem
Aufenthalt in Weimar endete, wo er sechs Jahre lang arbeitete und hier
eng mit Franz Liszt verbunden und befreundet war, in dessen Haus
Hoffmann neben seinen literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten
oftmals als „Maître de Plaisir“
fungierte. Durch Vermittlung der Familie Liszt wurde er 1860
schließlich Bibliothekar des Herzogs von Ratibor in dessen
Schloss in Corvey, wo er schließlich auch sein Leben
beschloss. Hoffmann selbst hat seinem „Trostlied“
ursprünglich die Melodie eines bekannten Liedes aus der
Napoleonzeit – „Nachts um die zwölfte
Stunde verlässt der Tambour sein Grab“ –
unterlegt, wir haben diese Weise jedoch durch die Melodie des anonym
verfassten Liedes „Mir fehlet die Freiheit auf
Erden“ ersetzt, das sich im Jahr 1867 mit der
Erschießung des aus dem österreichischen Haus
Habsburg stammenden Kaisers Maximilian von Mexiko befasste, und das
1908 in der schlesischen Grafschaft Glatz aufgezeichnet wurde. Hier und
in Breslau hatte Hoffmann um 1840 selbst zahlreiche Lieder gesammelt,
die er später zusammen mit Ernst Richter als
„Schlesische Volkslieder“ herausgab.
13. Sie sähn es gern, ich
würde kirre (1844)
(Worte: Robert Prutz – Weise: Norman Blake)
Auch Robert Eduard Prutz
(1816-1872), ein seinerzeit bekannter, wenn auch heute leider ebenfalls
weitgehend vergessener überzeugter demokratischer Dichter aus
Stettin / Pommern, der nur zu oft an den Verhältnissen in der
Heimat litt, ruft in seinem Gedicht aus dem Jahr 1844 dazu auf, sich
nicht unterkriegen zu lassen und aktiv und mutig für seine
Überzeugungen einzutreten. Als überzeugter
Junghegelianer hatte Prutz dabei oftmals unter
Willkürmaßnahmen der Behörden zu leiden. So
wurde mehrfach seine Absicht, sich an der Universität Jena zu
habilitieren durch die Weimarische Regierung verhindert, da Prutzens
enge Freundschaft mit Georg Herwegh bekannt und aktenkundig war.
Mehrfach wurde Prutz auch wegen seiner Dichtungen des Landes
– seien es Weimar oder Preußen –
verwiesen, die Aufführung von Werken („Moritz von
Sachsen“) untersagt, ein Hochverratsprozess gegen ihn
angestrengt, desgleichen seine im Winter 1847 veröffentlichten
„Vorlesungen über die Literatur der
Gegenwart“ bereits nach dem ersten Vortrag verboten.
Gleichwohl wurde er im Frühjahr 1849 als Professor der
Literaturgeschichte an die Universität Halle berufen, wo er
jedoch weiterhin aus seinen liberalen Einstellungen keinen Hehl machte.
Verschiedene Schwierigkeiten und Anfeindungen vor allem seitens
Universitätskollegen, denen er sich immer wieder ausgesetzt
sah, bewogen ihn 1858 schließlich jedoch dazu, der
Universität von sich aus den Rücken zu kehren. Prutz
zog sich nunmehr in seine Heimatstadt Stettin zurück, wo er
bis zu seinem Tod lebte und journalistisch tätig war und einem
der Stammväter des deutschen Journalismus wurde. Wir verweisen
auf die "Planxty"-Aufnahme.
14. Nun hütet euch, ihr
Fürsten (November 1848)
(Worte: Anonym – Weise: “Bonny Woodhall“)
Eines der vielen Lieder, die
sich mit dem tragischen Schicksal des Paulskirchenabgeordneten und
Führers der dortigen Linken Robert Blum beschäftigen.
„Nun hütet euch, ihr Fürsten“,
lässt es dabei nicht bei der Erschießungsszene des
08. November 1848 in der Brigittenau in Wien bewenden, sondern geht auf
die Vorgeschichte von Robert Blums tragischem Ende ein. Blum war zur
Unterstützung der Revolution in Wien zusammen mit seinem
Parlamentskollegen Julius Fröbel in die
österreichische Hauptstadt geeilt. Auf ihre diplomatische
Immunität aufgrund ihres Abgeordnetenstatus vertrauend
verblieben die beiden auch nach dem Zusammenbruch der Wiener
Herbstrevolte in der österreichischen Metropole. Das
Kriegsgericht verurteilte Blum und Fröbel zum Tode. Ein
Schreiben, in welchem die Hinrichtung der beiden Abgeordneten
ausgesetzt werden sollte, kam für Robert Blum zu
spät. Fröbel wurde begnadigt und aus
Österreich abgeschoben. Wir haben den anonymen Text an einigen
Stellen leicht verändert, ihn von „antislawischen
Tönen“ gereinigt, und uns der Melodie eines
iroschottischen Liedes - „Bonny Woodhall“ -
bedient, die wir in den 1980er Jahren während eines
Irlandaufenthaltes in Gorey von Andy Irvine und Paul Brady gelernt
haben. Ursprünglich war der Text auf die Melodie des
„Andreas Hofer-Liedes“ verfasst worden.
15. Badisches Wiegenlied
(1849)
(Worte: Karl Ludwig Pfau – Weise: Volksweise)
Der Feder von Karl Ludwig Pfau (*25.08.1821 in
Heilbronn - +12.04.1894 in Stuttgart) entstammt das „Badische
Wiegenlied“, die wohl bewegendste Klage ob der
preußischen Unterdrückungsmaßnahmen nach
der endgültigen Niederschlagung der Revolution im
Südwesten Deutschlands im Frühsommer des Jahres 1849,
der zahllose Demokraten zum Opfer fielen und die viele Badener in der
Folge zur Auswanderung – vor allem in die Vereinigten Staaten
von Amerika als damaligem Hoffnungsträger und Zielland
– bewog. Gegen das Wiedererstarken der Reaktion und deren
Vorgehen gegen die revolutionären Errungenschaften des
März 1849 – an deren Spitze sich die
preußische Soldateska unter dem Oberfehl des
„Kartätschenprinzen“, des Prinzen Wilhelm
von Preußen, des späteren deutschen Kaisers Wilhelm
I. setzte – und für die Erhaltung demokratischer
Rechte hatte es 1849 mehrere Volksaufstände, so im Rheinland,
in Westfalen, Sachsen, in der Pfalz und in Baden gegeben, die diesmal,
- im Gegensatz zu früheren Revolten -, etwa in der Pfalz vom
einheimischen Militär unterstützt wurde. Auf diese
Kämpfe bezieht sich das „Badische
Wiegenlied“ implizite. Das badische Rastatt wurde zur letzten
Festung des badischen und pfälzischen Aufständischen,
die der preußischen Soldateska hinhaltenden Widerstand
leisteten. Als Rastatt Ende Juli 1849 gleichwohl vor der
Übermacht kapitulieren musste, wurde eine große
Anzahl von Aufständischen standrechtlich erschossen. Hunderte
starben in preußischer Gefangenschaft, unzählige
Menschen suchten ihr Heil in der Auswanderung. Noch jahrelang musste
die Region unter der preußischen Besatzung leiden, was
feindselige Gefühle wach hielt. Wenn Pfau leider auch
inzwischen bei einer breiteren Öffentlichkeit weitestgehend in
Vergessenheit geraten ist, wurde sein „Badisches
Wiegenlied“ zu einem echten „Volkslied“,
das in zahlreichen Varianten verbreitet noch lange Zeit gesungen und
während des Deutsch-Folkrevivals der 1970er Jahre
schließlich von zahlreichen Musikgruppen wiederentdeckt wurde.
16. Beamtenwillkür treibt
mich fort
(Worte: Friedrich Hecker – Weise: „Morton
Bay“)
Ein die USA idealisierendes
Lied, welches der Feder Friedrich Heckers entstammen soll, der nach dem
Scheitern des nach ihm benannten „Heckerzuges“ in
Baden im Sommer 1848 nach Amerika auswanderte und sich dort als Farmer
in Illinois niederließ. Zeitweise nahm Hecker in seiner neuen
Heimat als Führer deutschstämmiger Verbände
auf Seiten der Nordstaaten am US-amerikanischen Bürgerkrieg
der Jahre 1861 bis 1865 teil. Diem Text von
„Beamtenwillkür treibt mich fort“ haben
wir wir die Weise eines australischen Folksongs unterlegt,
„Morton Bay“, den wir von Andy Irvine
(„Sweenys Men“, „Planxty“,
„St Patrick Street“ u.a.) gelernt haben.
17. Ein stolzes Schiff
(Worte: Anonym – Weise: Erich Schmeckenbecher)
Bei „Ein stolzes
Schiff“ handelt es sich um das nicht zuletzt durch seine
hervorragende Interpretation in den 1970er Jahren durch das
erwähnte Duo „Zupfgeigenhansel“ wohl
aktuell bekannteste Auswandererlied, das die Emigration aus Deutschland
und deren Gründe um die Mitte des 19. Jahrhunderts
reflektiert. Armut und Unterdrückung veranlassten nach 1848
drei Millionen Menschen, Deutschland den Rücken zu kehren und
ihr Glück und Auskommen im Ausland, hier vor allem in Amerika
zu suchen. Ansonsten ist das Genre Auswandererlied bis heute in
Deutschland weitgehend „unbearbeitet“ und
unbeachtet geblieben. Die kongeniale Vertonung von „Ein
stolzes Schiff“ erfolgte durch Erich Schmeckenbecher, der
auch heute noch gesellschaftspolitisch und musikalisch sehr aktiv ist.
Wir verweisen hier auf die fantastische
„Zupfgeigenhansel“-Aufnahme.
18. Fuchsmühler
Holzschlacht (1894)
(Worte: Anonym – Musik: Regimentsmarsch des 6.
Infanterieregiments zu Amberg)
„Die Fuchsmühler
Holzschlacht“ aus dem Jahr 1894 scheint inhaltlich auf den
ersten Blick zunächst natürlich nichts mit den
Unruhen der Jahre 1848/1849 zu tun zu haben, weist jedoch insofern
wieder einen direkten Bezug zur Revolutionszeit auf, als das in den
1890er Jahren im oberpfälzischen Amberg stationierte 6.
Infanterieregiment während der unruhigen Jahre Mitte des 19.
Jahrhunderts in der damals noch bayerischen Pfalz stationiert gewesen
war, und seine Angehörigen 1849 während der dortigen
Aufstände zu jenen Truppenteilen gehörten, die sich
weigerten, gegen die Revolutionäre vorzugehen, wie uns Alfred
Wolfsteiner, einer der besten Kenner der Fuchsmühler
Ereignisse und Verfasser einer vorzüglichen Chronik mitteilte.
Dies wurde in der Folgezeit – vor allem dann im
militaristischen wilhelminischen Kaiserreich – als
schmachvoll empfunden und als ein dunkler Fleck auf den Regimentsfahnen
angesehen, den es unbedingt zu tilgen galt. Am 29./30. Oktober 1894
ging daher ein Departement des 6. Regiments gegen eine Abteilung
unbewaffneter Bauern vor, die – gemäß
eines uralten „Gewohnheitsrechts“ – ihr
„Rechtholz“ für den Winter im Wald
schlagen wollten, nachdem der neue Waldbesitzer und Rechtsinhaber
Militär herbeigerufen hatte. Zwei tote Bauern und mehrere
Verletzte blieben auf dem Kampfplatz zurück. Das sinnlose
Blutbad wurde seinerzeit in der breiten Öffentlichkeit und
auch seitens der überregionalen Presse heftig kritisiert und
hat lange Zeit in der Erinnerung der einheimischen Bevölkerung
überlebt. Es hat also nicht nur im gerade von vielen Bayern
immer wieder vielkritisierten Preußen immer wieder gerade
auch nach innen gerichtete militaristische Bestrebungen gegeben, um
eine eventuell aufmüpfige Bevölkerung durch
martialisches und brutales Vorgehen einzuschüchtern, zu
disziplinieren und zu bestrafen …
Bei der von uns verwendeten Melodie handelt es sich um den
Regimentsmarsch des 6. Regiments, den Uli seinerzeit – was
den zweiten Teil anbelangt – rythmisch verändert hat.
19. Bibel und
Flinte
(Worte: Anonym, etwa um 1890 –
Weise: „Es klappert die Mühle am rauschenden
Bach“)
Das anonyme Spottlied auf die
Kolonialpolitik des deutschen Reiches schildert Einblicke in die
deutschen Kolonialpraktiken, die auch nicht humaner waren als
diejenigen der andere Kolonialmächte. Den aktiven Missionaren
kam bei der Eroberung und Aufteilung des afrikanischen Kontinents
– aber auch anderer Gebiete! – eine wichtige Rolle
zu. Die Mission nahm bezüglich der Ausrottungspolitik des
Deutschen Reiches eindeutig Stellung für die weiße
Obrigkeit. Das Lied, das zunächst in zeitgenössischen
sozialdemokratischen Liederbüchern abgedruckt war, wurde Mitte
der 1970er Jahre von der Gruppe „Zupfgeigenhansel“
wiederveröffentlicht.
20. Ich zog zum
fernen Afrika
(Worte und Weise: Anonym, um 1904)
In dem Lied, das aus den
Aufzeichnungen des ehemaligen Sergeanten E. Petrus stammt, der den
zweiten südwestafrikanischen Feldzug der deutschen
Kolonialtruppen 1905/06 mitmachte, wird die alltägliche
Realität des kleinen Schutztrupplers beschrieben, die den das
Klima und die Lebensumstände nicht gewöhnten Soldaten
oftmals mehr zusetzten als kriegerische Auseinandersetzungen.
21. Dem Milners
Trern
(Worte und Weise: Mark Warschnawski, um 1900, Warschau)
„Dem Milners
Trern“ („Die Tränen des
Müllers“) beklagt eines der zahlreichen Pogrome im
osteuropäischen Raum, wie sie immer wieder üblich
waren und die ostjüdische Bevölkerung gerade auch im
damals russischen Raum niemals zur Ruhe kommen ließ, wobei
diese Schreckensereignisse noch nichts von der Vernichtung eines
Großteils des europäischen Judentums durch den
Holocaust durch die Hitlerdiktatur erahnen ließ.
22. Wem hamse
die Krone jeklaut?
(Worte: Anonym, Berlin 1918/19 - und Weise: Anonym)
„Wem hamse die Krone
jeklaut“, ein seinerzeit bekanntes und populäres
Spottlied auf Kaiser Wilhelm II. bezieht sich auf dessen Flucht ins
niederländische Doorn, wo der abgedankte deutsche Kaiser bis
zu seinem Tode lebte. Die Melodie kennen wir auch von einem
Tanzstück aus dem Egerland her, die wir einmal von der
„Regensburger Bordunmusik“ gehört haben.
23.Wir drei, wir gehen jetzt auf die Walze / Ich
bin nur ein armer Wandergesell
(Worte: Kurt Tucholsky, 1924 – Weise: Hans May)
Worte: Hans Haller & Fritz Oliven – Weise: Dr. Eduard
Künneke)
Peter Rohland veröffentlichte
„Wir drei, wir gehen jetzt auf die Walze“ auf
seiner LP "Landstreicherballaden" Ende der sechziger Jahre und schrieb
dazu, der Text und die Musik wären aus rheinischen
Kundenkreisen überliefert. Nach anderen
Informationen, die wir bisher aber nicht überprüfen
konnten, stammt das Lied dagegen von Kurt Tucholksy und Hans May, die
es 1924 verfasst haben sollen. Aus dem Jahr 1921 stammt das bekannte
Operettenlied „Ich bin nur ein armer Wandergesell“
aus „Der Vetter aus Dingsda“. Komponist war der
Berliner Euard Künneke, das Libretto stammt von Hermann Haller
und Fritz Oliven. Die Uraufführung dieser bis heute
erfolgreichsten Operette Künnekes fand am 15. April 1921 im
Berliner Theater am Nollendorfplatz statt.
24.Die Moorsoldaten (Worte: Johann Esser & Wolfgang
Langhoff, 1933 – Weise: Rudi Goguel
Das
„Moorsoldatenlied“, das bis heute wohl bekannteste
Lied, das in einem deutschen Konzentrationslager der NS-Zeit entstand,
wurde 1933 von politischen Häftlingen des Konzentrationslager
Börgermoor bei Papenburg im Emsland geschaffen, die dort mit
einfachsten Werkzeugen das dortige Moor kultivieren mussten. Es wurde
am 27. August 1933 erstmalig bei einer Veranstaltung „Zirkus
Konzentrazani“ von 16 Häftlingen,
überwiegend ehemaligen Mitgliedern des Solinger
Arbeitervereins, aufgeführt und erlangte breite
Popularität, übrigens bis in die Reihen der
Wachmannschaften hinein. In der Bundesrepublik lange Zeit weitgehend
verdrängt und fast vergessen, wurde das Lied
seinerzeit n der DDR oftmals gesungen.
25. Andre, die
das Land so sehr nicht liebten
(Worte: Theodor Kramer, 1938 – Weise: Erich Schmeckenbecher)
"Andre, die das Land so sehr
nicht liebten“ wurde in den 1970er Jahren von Erich
Schmeckenbecher vertont und ist bis heute wohl das populärste
und meistverbreitete Lied eines lange Zeit völlig vergessenen
Dichters, wobei Kramer heute auch von anderen Musikern – etwa
Wolfgang Rieck – wiederentdeckt wurde. Kramer, am 01. Januar
1897 im österreichischen Weinviertel geboren, lebte ab 1931
als freier Schriftsteller in Wien und verfasste rund 12.000 Gedichte,
von denen bis heute aber nur 2.000 veröffentlicht wurden. Er
war seinerzeit sehr erfolgreich und im gesamten deutschen Sprachraum
bekannt. Nach dem Anschluss Österreichs an
das Dritte Reich wurde Kramer als Jude und
Sozialdemokrat ein Arbeits- und Berufsverbot auferlegt. Daraufhin
emigrierte er nach London, wo er 1946 die britische
Staatsbürgerschaft erhielt und bis 1957 lebte. In den Jahren
1940 bis 1941 war er als „Feindlicher
Ausländer“ interniert.1957 wurde er auf Intervention
verschiedener österreichischen Freunde nach Wien
zurückgeholt, wo er eine Ehrenpension erhielt. Er starb am 3.
April 1958, unglücklich und wenig beachtet, in Wien und wurde
auf dem Zentralfriedhof (30B-1-2) in
einem ehrenhalber gewidmeten Grab beigesetzt. Erst in
den 1970er Jahren wurde er von Erich Schmeckenbecher wiederentdeckt.
Heute sind einige seiner Lieder wieder ins Repertoire verschiedener
Künstler eingegangen.
Bei Konzerten haben wir heute diesem Lied den folgenden Erich
Kästner-Vierzeiler aus dem Jahr 1945 in einer von Uli Otto
verfassten Version vorangestellt, mit welchem Kästner
seinerzeit auf die Frage antwortete, warum er nicht – obwohl
es ihm möglich gewesen wäre – ins Ausland
emigriert sondern in Deutschland geblieben sei:
„Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich lässt meine Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der in Deutschland gewachsen,
Wenn’s sein muss in Deutschland verdorrt“,
26. Ich wandre
durch Theresienstadt
(Worte und Weise: Ilse Weber, nach 1941)
„Ich
wandre durch Theresienstadt“ entstand nach der Deportation
der Verfasserin und Komponistin ins tschechische Theresienstadt, das
– so der NS-Zynismus – „der
Führer den Juden geschenkt hatte, um hier bei Besuchen durch
Vertreter des Roten Kreuzes der Weltöffentlichkeit die
Humanität der Nationalsozialisten zu dokumentieren.
Ilse Weber wurde 1903 in Witkowitz bei Ostrau geboren, wo
sie schon in jungen Jahren Kinderbücher schrieb. Nach der
Besetzung ihrer Heimatstadt durch die Deutschen siedelte sie mit ihren
Eltern nach Prag über. Von hier aus wurde sie gemeinsam mit
ihrem Mann und dem jüngeren Sohn Thomas am 8. Februar 1942
nach Theresienstadt deportiert. Ihrem älteren Sohn
Hanuš gelang es dank einer Hilfsaktion der
jüdischen Gemeinde nach England und später nach
Schweden zu fliehen, wo er in der Kriegszeit lebte. Ilse Weber
kümmerte sich in Theresienstadt um die dortigen Kinder und
schrieb im Ghetto Gedichte und Lieder, die populär wurden und
sich zum Teil auch auf heutigen Tonträgern finden. Als ihr
Mann im November 1944 in einen Transport eingereiht
wurde, meldete sie sich mit ihrem Kind freiwillig. Gemeinsam mit diesem
wurde sie in den Gaskammern von Auschwitz ermordet.
27.Anke van Tharaw / Gangel Gangel / Im Wald
(Worte: Erminia von Olfers-Batocki, 1928 in Königsberg
– Weise: Friedrich Gelhaar, Königsberg)
Das in
samländisch-natangischer Mundart verfasste
ostpreußische Wiegenlied entstammt der Feder der
Heimatdichterin Erminia von Olfers-Batocki (1876-1954), die auf dem
ostpreußischen Gut Tharau aufwuchs und das Lied
später für ihre Kinder schrieb. Wir haben ihm daher
die Weise des wohl bis heute bekanntesten ostpreußischen
Liedes „Anke van Tharaw“
(„Ännchen von Tharau“) vorangestellt.
Entschuldigung an alle Ostpreußen, dass wir uns an einem
ihrer Dialekte versucht haben, obwohl wir seiner keineswegs
mächtig waren und sind. Viele – nicht nur
ostpreußische – Dialekte und damit ein
Stück Kulturgeschichte sind nach 1945 zwangsläufig
zum Aussterben verurteilt.
28. Fern der
Heimat irr als Flüchtling
(Worte: Anonym, 1945 – Weise: Andy Mitchell)
„Fern der
Heimat“ ist eines der zahllosen Lieder, die nach 1945 in
einem der vielen Flüchtlingslager entstanden sind. Wir haben
das Lied, das ursprünglich von Flüchtingen aus dem
Banat stammt, es nach „Ostpreußen“
verlegt. Es schildert die mannigfachen und großen
Probleme sowie den Hass und die offene Ablehnung, die den
Flüchtlinge und Heimatvertriebenen nur zu oft entgegenschlug,
die im Westen oftmals ungeliebt und keineswegs willkommen waren und
nicht nur deswegen lange Zeit die Sehnsucht bewahrten, die alte Heimat
wieder zu sehen. Die – wenigstens auf Dauer - Integration der
Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach 1945 zählt zu
den großen Leistungen der Bundesrepublik, derer wir
öfter gedenken und an der wir uns auch heute bei aktuellen
Zuwanderern öfter ein Beispiel nehmen sollten. Die Weise, zu
der wir das Lied heute singen, haben wir von Andy Irvine gelernt.
29.Des Heizers Traum
(Worte: Fritz Graßhoff, Ende der 1960er Jahre –
Weise: Wolfgang „Schobert“ Schulz“)
Des Heizers Traum“,
ein Lied, das wir aus den 1960er Jahren von „Schobert
& Black“ her kennen, setzt sich sarkastisch
mit den Rückkehrgedanken der – hier
ostpreußischen –
Heimatvertriebenenverbände auseinander, die lange Zeit, und
manche ihrer Vertreter wohl bis heute, nicht zu einem Verzicht auf ihre
„alte Heimat“ bereit und nicht an einer
Aussöhnung mit dem Osten interessiert waren. Das Lied wurde
schon damals in ostpreußischer Mundart gesungen und auch wir
haben uns daran versucht.
30.O Heideröslein, gib acht
wenn’s kracht
(Worte: Hans Hee, „Peheiros“, 1955 sowie
„Drei Tornados“, 1985
Weise: „Heideröslein“ von Jan
Hansen)
Das Original vom Anfang der
1950er Jahre – „Das
Heideröslein“ -, eine damals sehr populäre
Heimatschnulze, die wir von Friedel Hensch & den Cypries her
kennen, diente schon 1955 als Grundlage einer Parodie der
„Peheiros“ aus Bremen, die sich ironisch-kritisch
mit den Wiederbewaffnungsplänen der Zeit und der
Einführung der Bundeswehr auseinandersetzten. Wir haben diesen
Text um eine Strophe der „Drei Tornados“ aus dem
Jahr 1985 erweitert.
Mit „Ade zur guten
Nacht“ entstand wohl um 1850 in Thüringen eines der
bekanntesten „romantischen“ Abschiedslieder des 19.
Jahrhunderts, das wegen seines unpolitischen Charakters im Gegensatz
zum missliebigen Lied der Vormärzzeit und der Jahre 1848/1849
wohlgelitten war, bis in unsere Tage tradiert wurde und damit zu einem
der bekanntesten und populärsten
„Volkslieder“ überhaupt wurde. Nach einer
anderen Lesart wurde das Lied zunächst nur in der Rheinpfalz,
in Franken und in Sachsen gesungen. Von dort aus fand es jedoch durch
die Jugendbewegung sehr schnell seinen Weg in alle Gebiete Deutschlands.
"Ich
hatt' einen Kameraden..." (1999)
Einige
Lieder zum Militär, Militarismus, Soldatenleben und Kriegen in
Deutschland von den Jahren 1740 bis 1914.
1.
O König von Preußen
2. Soldatenschicksal
3. Die große Hungersnot
4. Der Musketier
5. Zu Straßburg auf der Schanz
6. Ich hatt’ einen Kameraden 1809
7. Ich hatt’ einen Kameraden 1902
8. Ich hatt’ einen Kameraden 1917/1918
9. Schlacht bei Regensburg (1809)
10. D’Salzburger Landwehr
11. ’s ist Alles lauter Falschheit
12. Man gab uns viele schöne Wort’
13. Wir wollen ihn nicht haben
14. Steh’ ich in finstrer Mitternacht
15. Nun hütet euch, ihr Fürsten
16. Badisches Wiegenlied
17. Lied des New-Ulmer (Minnesota, 1862)
18. Die Reise nach Jütland
19. Brandenborschet Landwehrlied
20. Lithauisches Soldatenlied
21. Siebzger Auszug
22. Wie wir Metz erobern
23. Auf einer Verbandstation 1870
24. So is es zu Kriegeszeeten
25. Ich bin Soldat
26. Freinderl, kennst du das Haus
27. Der Schwalangschér
28. Fuchsmühler Holzschlacht 29. Der Räuber-Hauptmann von Köpenick 30. Der abgerüstete Rekrut
31. Stets in Trauern muss ich leben weil ich ein Soldat jetzt bin 32. Bibel und Flinte 33. Nach Südwest hinzugehn war mein Begehr
34. Ich zog zum fernen Afrika 35. Kiautschou-Lied
1.O König von Preußen
(Worte: Anonym – Weise: Wir preußischen Husaren)
Dieses Klagelied aus der Zeit
der Kabinettskriege des 18. Jahrhunderts schildert anschaulich den
trostlosen und elenden Alltag der oftmals zwangsgepressten Soldaten
– übrigens nicht nur in Preußen, wie
Liedvarianten belegen. Kleinste Verfehlungen und
Nachlässigkeiten wurden mit brutalen Strafen geahndet. Dem
ausgedienten Soldaten blieb meistens nur der
„Bettelsack“, da es keinerlei soziale Absicherung
gab.
2.Soldatenschicksal
(Worte: Christian Friedrich Daniel Schubart -
Weise: Erich Schmeckenbecher)
In diesem Lied wird das Thema
Soldatenelend nochmals aufgegriffen, wobei es hier ein ehemaliger
Student ist, den das harte Los getroffen hat. Der Text und die
ursprüngliche Weise stammen vermutlich aus der Feder von
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791), der wegen seiner
Kritik an der landesherrlichen Obrigkeit zehn Jahre lang auf der
Festung Hohenasperg eingekerkert war. Unsere Vertonung stammt von Erich
Schmeckenbecher („Zupfgeigenhansel“), dem an dieser
Stelle herzlich gedankt sei.
Wir haben dieses und die folgenden beiden Lieder,
die an sich nichts mit dem Vormärz zu tun haben, mit in dieses
Programm übernommen, um damit auf den
„Volksliedsammler“ Hoffmann von Fallersleben
hinzuweisen, der mit seinen „Schlesischen
Volksliedern“ seinerzeit eine der ersten regionalen
Liedsammlungen zusammengetragen hat. Auch war Hoffmann unseres Wissens
der erste Universitätsgelehrte, der – damals noch
als Professor in Breslau – eine Vorlesung über das
Volkslied an einer deutschen Hochschule gehalten hat. Bei
„Die große Hungersnot“ handelt es sich um
ein ehemals wohl weitverbreitetes Lied, das mit seiner schlichten
Darstellung und der schwermütigen Melodie zu den vermutlich
eindruckvollsten deutschen Soldatenliedern gehört. Es findet
sich bereits in dem 1848 erschienenen Deutschen Volksgesangbuch von
Hoffmann von Fallersleben. Dabei ist unklar, ob sich die Schilderung
auf die schreckliche Hungersnot während des
30jährigen Krieges oder auf den Siebenjährigen Krieg
in Schlesien bezieht.
4. Der Musketier
(Worte und Weise: Anonym, vermutlich um 1800)
In diesem bekannten
bayerischen Volkslied wird in einer Strophe spöttisch ein
ausgedienter Musketier besungen, der bei den Bauern als Bettelmusikant
sein karges Brot verdienen muss.
5.Zu Straßburg auf der Schanz
(Worte und Weise: Anonym, um 1790)
Dieses Lied stammt aus der
Spätzeit der Söldnerheere der Kabinettskriege um
1790, als es in Frankreich ebenfalls noch das stehende Heer gab, das
sich zumeist aus zwangsrekrutierten Soldaten zusammensetzte.
Geschildert wird die Erschießung eines Deserteurs, der zu den
Preußen hatte überlaufen wollen.
"Der gute Kamerad" ist auch
heute noch - zumeist in einer reinen Instrumentalfassung - am
Volkstrauertag zu hören und soll an die Opfer der beiden
Weltkriege erinnern. Ludwig Uhland hat dieses Lied, das sich
bemerkenswert von anderen zeitgenössischen
"Kriegsgesängen" abhebt und zum "Volksgut" geworden ist, im
Jahr 1809 unter dem Eindruck der napoleonischen kriege geschrieben.
7. Ich
hatt‘ einen Kameraden (1902)
(Worte: Anonym, 1902 – Originaltext und Weise: Ludwig Uhland,
1809)
Ludwig Uhland Lied
„Der gute Kamerad“ diente wegen seiner Vorlage auch
gerne als Vorlage für Parodien. Diese Kontrafaktur aus dem
Jahr 1902 wurde seinerzeit in einem Regiment in Halle gesungen.
8.Ich hatt‘ einen Kameraden (1917)
(Worte: Anonym, 1917/18 – Originaltext und Weise: Ludwig
Uhland, 1809)
Von desillusionierten
österreichischen Soldaten ist eine weitere Fassung von Uhland
„Der gute Kamerad“ überliefert, in der
sich der Auflösungsprozess des Vielvölkerstaates
der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie am
Ende des Ersten Weltkrieges spiegelt. Fremdnationale
Mitkämpfer mutieren plötzlich zum Feind, gegen den es
sich zur Wehr zu setzen gelte.
9.Schlacht bei Regensburg
(Worte und Weise: Anonym, 1809)
In der „Schlacht bei
Regensburg“ werden sehr eindringlich, detailliert und
ausführlich die militärischen Auseinandersetzungen
zwischen den Österreichern auf der einen sowie den Franzosen
und ihren bayerischen Bundesgenossen auf der anderen Seite in der
freien Reichsstadt Regensburg im April 1809 geschildert. Zu diesen
Kampfhandlungen im weiteren Sinn gehören auch die Schlachten
bei Eggmühl, Abensberg und Thann (heute Herrnwalthann /
Hausen). Neben den zahllosen Menschenopfern, die gerade auch unter der
Zivilbevölkerung zu beklagen waren, blieb – nachdem
die Österreicher schließlich weichen mussten
– eine teilweise zerstörte Stadt
zurück …
10.D’ Salzburger Landwehr
(Worte und Weise: Anonym, aus der Gegend um Salzburg 1808/09)
Das Salzburger Landwehrlied
zählt wohl mit zu den originellsten Liedern aus der
Napoleonzeit. Am 09. Juni 1809 erließ Franz I. von
Österreich unter dem Eindruck der Kämpfe in Spanien
gegen die napoleonischen Truppen das Landwehrpatent. Der Landwehr
gehörten demnach alle wehrfähigen Männer
zwischen 18 und 35 Jahren an, die der Heerespflicht unterlagen.
„Nur schee langsam voran“ lautet hier der Appell
der behäbigen, kriegsunerfahrenen Landwehrleute. Sie
vermögen den „schnellen“
regulären Truppen nicht so recht zu folgen. Wie selbstironisch
vermerkt wird, ist es mit der Kriegslust und der Tapferkeit weder bei
den honorablen Vorgesetzten noch bei den Mannschaften weit her. Ein
wenig später entstand im norddeutschen Raum das Lied
„Die lippischen Schützen“, welches eine
ähnliche Thematik aufweist und in den 1970er Jahren durch die
Hamburger Gruppe „Liederjan“ verbreitet und
populär wurde.
11.„‘s ist Alles lauter
Falschheit“
(Worte: Anonym, um 1813/14 – Weise: „The Bonny
Light Horseman“)
In diesem Lied wird die
traurige Perspektive der betroffenen zwangseingezogenen Soldaten
geschildert, die ihre trauernden Angehörigen verlassen
mussten, um gegen Napoleon ins Feld zu ziehen. Die
„Feldtauglichkeit“ musste –
wenn kein Ersatzmann gestellt werden konnte –
innerhalb kürzester Zeit hergestellt werden. Dem Text wurde
von uns eine zeitgenössische iro-schottische Melodie
– “The Bonny Light Horseman“ –
unterlegt, die uns besser angesprochen hat als die
ursprüngliche Weise
12.
. Man gab uns viele schöne Wort’ (1815)
(Worte: Anonym – Weise: U. Otto)
Der
unbekannte Verfasser dieses ersten vorgestellten Liedes, das uns der
fränkische Liedersammler und Liedforscher Franz Wilhelm
Freiherr von Ditfurth überliefert hat, scheint einer der
zahllosen aktiven Teilnehmer der „Freiheitskriege“
gewesen zu sein, der, vertrauend auf die Versprechungen der
Landesherren in Bezug auf ein einiges Deutschland mit einer Verfassung
und frei gewählten Volksvertretung, in den Krieg gegen die
französische Fremdherrschaft gezogen war. Seine angesichts des
Wiener Kongresses enttäuschten Erwartungen und Hoffnungen
haben ihn zur Schreibfeder greifen lassen.
13. Wir wollen ihn nicht haben
(Worte: Anonym, März 1848 – Weise: Bär)
Das Flugblattlied
„Wir wollen ihn nicht haben“, eine Zusammenstellung
zweier Lieder sowie Kontrafaktur auf die Melodie des beliebten
„Rheinliedes“ („Sie wollen ihn nicht
haben, den freien deutschen Rhein“) von Nikolaus Becker aus
dem Jahr 1840, wendet sich entschieden gegen den Prinzen Wilhelm, den
Bruder König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen als
Scharfmacher und verhassten Vertreter der
„Militärpartei“ am Königshof in
Berlin. Er reorganisierte das preußísche
Militär, dessen Oberbefehl er nach seiner Rückkehr
aus dem englischen Exil im Sommer 1848 ab Anfang 1849 innehatte, zur
blutigen Niederschlagung der Revolution in Baden und der Pfalz. 1871
sollte Wilhelm zum ersten deutschen Kaiser werden.
14.Steh’ ich in finstrer Mitternacht (1848)
(Worte: Anonym, Altenburg/Thüringen
– Weise: „Ho Ro Mo Nighean Donn
Bhóidleach“)
Hier geht es um die
unmittelbaren Erfahrungen eines Soldaten während der Zeit der
Volkserhebungen des Jahres 1848. Normalerweise waren die Soldaten
früher in Privatquartiere einquartiert worden, was zum einen
für das Militärbudget günstig, zum anderen
für die Soldaten angenehm und bequem war, hatten sie doch in
vielen Fällen „Familienanschluss“ und
wurden mit versorgt. In der Revolutionszeit jedoch mussten sie im
Regelfall biwakieren oder wurden in Garnisonen untergebracht, wodurch
verhindert werden sollte, dass sie private Kontakte aufnahmen und mit
der Bevölkerung fraternisierten. Ursprünglich wurde
der Text auf ein bereits existierendes Lied gleichen Titels von Wilhelm
Hauff (1802-1827), Schriftsteller des deutschen Biedermeier und einer
der Hauptvertreter der Schwäbischen Dichterschule, verfasst,
welches jener Mitte der 1820er Jahre geschrieben hatte. Wilhelm Hauff
ist uns vor allem durch seine Märchen- und Sagensammlungen
(„Das Wirtshaus im Spessart“ u.a.) bekannt. Sein
Lied war seinerzeit sehr populär, kam mit Auswanderern sogar
mit in die USA, wo sich zwei angloamerikanische Versionen finden. Da
uns die Melodie nach den langen Jahren, in denen sich das Lied in
unserem Repertoire befand, inzwischen zu
„abgespielt“ erschien, haben wir uns hier einer
Weise schottischen Ursprungs bedient, die wir von der Rankin Family aus
Nova Scotia gelernt haben.
Eines der vielen Lieder, die
sich mit dem tragischen Schicksal des Paulskirchenabgeordneten und
Führers der dortigen Linken Robert Blum beschäftigen.
„Nun hütet euch, ihr Fürsten“,
lässt es dabei nicht bei der Erschießungsszene des
08. November 1848 in der Brigittenau in Wien bewenden, sondern geht auf
die Vorgeschichte von Robert Blums tragischem Ende ein. Blum war zur
Unterstützung der Revolution in Wien zusammen mit seinem
Parlamentskollegen Julius Fröbel in die
österreichische Hauptstadt geeilt. Auf ihre diplomatische
Immunität aufgrund ihres Abgeordnetenstatus vertrauend
verblieben die beiden auch nach dem Zusammenbruch der Wiener
Herbstrevolte in der österreichischen Metropole. Das
Kriegsgericht verurteilte Blum und Fröbel zum Tode. Ein
Schreiben, in welchem die Hinrichtung der beiden Abgeordneten
ausgesetzt werden sollte, kam für Robert Blum zu
spät. Fröbel wurde begnadigt und aus
Österreich abgeschoben. Wir haben den anonymen Text an einigen
Stellen leicht verändert, ihn von „antislawischen
Tönen“ gereinigt, und uns der Melodie eines
iroschottischen Liedes - „Bonny Woodhall“ -
bedient, die wir in den 1980er Jahren während eines
Irlandaufenthaltes in Gorey von Andy Irvine und Paul Brady gelernt
haben. Ursprünglich war der Text auf die Melodie des
„Andreas Hofer-Liedes“ verfasst worden.
16. Badisches
Wiegenlied(1849)
(Worte: Karl Ludwig Pfau – Weise: Volksweise)
Der Feder von Karl Ludwig Pfau (*25.08.1821 in
Heilbronn - +12.04.1894 in Stuttgart) entstammt das „Badische
Wiegenlied“, die wohl bewegendste Klage ob der
preußischen Unterdrückungsmaßnahmen nach
der endgültigen Niederschlagung der Revolution im
Südwesten Deutschlands im Frühsommer des Jahres 1849,
der zahllose Demokraten zum Opfer fielen und die viele Badener in der
Folge zur Auswanderung – vor allem in die Vereinigten Staaten
von Amerika als damaligem Hoffnungsträger und Zielland
– bewog. Gegen das Wiedererstarken der Reaktion und deren
Vorgehen gegen die revolutionären Errungenschaften des
März 1849 – an deren Spitze sich die
preußische Soldateska unter dem Oberfehl des
„Kartätschenprinzen“, des Prinzen Wilhelm
von Preußen, des späteren deutschen Kaisers Wilhelm
I. setzte – und für die Erhaltung demokratischer
Rechte hatte es 1849 mehrere Volksaufstände, so im Rheinland,
in Westfalen, Sachsen, in der Pfalz und in Baden gegeben, die diesmal,
- im Gegensatz zu früheren Revolten -, etwa in der Pfalz vom
einheimischen Militär unterstützt wurde. Auf diese
Kämpfe bezieht sich das „Badische
Wiegenlied“ implizite. Das badische Rastatt wurde zur letzten
Festung des badischen und pfälzischen Aufständischen,
die der preußischen Soldateska hinhaltenden Widerstand
leisteten. Als Rastatt Ende Juli 1849 gleichwohl vor der
Übermacht kapitulieren musste, wurde eine große
Anzahl von Aufständischen standrechtlich erschossen. Hunderte
starben in preußischer Gefangenschaft, unzählige
Menschen suchten ihr Heil in der Auswanderung. Noch jahrelang musste
die Region unter der preußischen Besatzung leiden, was
feindselige Gefühle wach hielt. Wenn Pfau leider auch
inzwischen bei einer breiteren Öffentlichkeit weitestgehend in
Vergessenheit geraten ist, wurde sein „Badisches
Wiegenlied“ zu einem echten „Volkslied“,
das in zahlreichen Varianten verbreitet noch lange Zeit gesungen und
während des Deutsch-Folkrevivals der 1970er Jahre
schließlich von zahlreichen Musikgruppen wiederentdeckt wurde.
17.Lied der
New-Ulmer (Minnesota 1862)
(Worte: vermutlich Georg Meile, 1862 – Weise: Tradit. Aus
Norwegen
„De twa Systrarne“)
Dieses Lied entstand
unmittelbar nach dem Hungeraufstand der Santee-Sioux und der Belagerung
New Ulms in Minnesota durch die aufständischen Indianer im
Jahr 1862. Es wurde gesungen, als die vorwiegend aus Deutschland,
speziell aus Bayern und Schwaben stammenden Einwohner der Stadt nach
den Kämpfen in die benachbarte Ortschaft Mankato einzogen. Die
Santee hatten lange Jahre als Maisbauern mit der
weißen Bevölkerung in Frieden und Eintracht gelebt,
viele von ihnen hatten sogar den christlichen Glauben angenommen.
Nachdem eines Tages ihre Maisernten durch Schädlingsbefall
vernichtet wurden und sie vom Hungertod bedroht waren, sahen sich die
Santee unter ihrem Häuptling „Little Crow“
zur blutigen Revolte bewogen, da ihnen seitens ihrer weißen
Nachbarn jegliche Unterstützung verweigert wurde.
Darüber hinaus waren sie von den zuständigen
Indianerbehörden auch noch betrogen worden. Der
Indianeraufstand wurde blutig niedergeworfen und ein Kriegsgericht
verurteile 307 Sioux zum Tode. Viele andere konnten sich diesem
Schicksal nur durch die Flucht nach Kanada entziehen. Ob das Gros der
weißen – und hier oftmals deutschstämmigen
– Bevölkerung über das Schicksal der
unglücklichen Santee-Nation und über die Ursachen und
Gründe für deren Aufstand irgendeinen Gedanken
„verschwendet“ hat ist fraglich.
18.Die Reise nach Jütland
(Worte und Weise: Anonym, 1848)
Ein Lied aus dem Vorfeld der
deutschen Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71. Schon im Jahre
1848 wurde auch Schleswig-Holstein in die revolutionären
Geschehnisse einbezogen. Die Unruhen im äußersten
Norden erhielten aber schon sehr bald den Charakter eines nationalen,
antidänischen Aufstandes. Unser Lied reduziert die
historischen Zusammenhänge, in denen es steht, auf das
für den Sänger im Augenblick der Abreise an den
Kriegsschauplatz vermeintlich Wichtige: den Abschied von der Liebsten
und die Sorge, sie vielleicht nie mehr wiederzusehen.
Der unbekannte Verfasser ruft
– nach der für die deutschen Truppen siegreichen
Schlacht bei Sedan am 01. Deptember 1870 – den kleinen
Landwehrmann, in diesem Fall aus Brandenburg, zu den Waffen. Auch er
solle nunmehr seinen Teil zum Sieg über Frankreich beitragen,
das bereits von den Linientruppen der verschiedenen deutschen
Länder hart bedrängt wurde, aber – und dies
nicht zuletzt durch die französischen Franctireurs –
erbitterten Widerstand leistete, wodurch der Krieg auf Seiten der
Franzosen zu einem regelrechten „Volkskrieg“ wurde.
In dem Lied wird auch noch einmal ausführlich auf die
Vorgeschichte des deutsch-französischen Krieges von 1870/71
eingegangen.
Das „Lithauische
Soldatenlied“ entstammt offensichtlich der Feder eines
Tagespoeten aus der fernen preußischen Provinz,
nämlich dem östlichsten Teil Ostpreußens,
dem Memelland und somit Grenzgebiet zu dem damals russischen Litauen.
Es ist in litauischem Dialekt verfasst und widmet sich
ausschließlich der Person Kaiser Louis Napoleons, den es als
Personifizierung des „französischen
Erbfeindes“ schmäht. Da das Lied sich nicht konkret
auf kriegerische Ereignisse des deutsch-französischen Krieges
bezieht, sonst würde wohl triumphierend darauf eingegangen
worden sein, ist es wahrscheinlich noch vor den ersten Gefechten
verfasst worden.
21.Bei Sedan auf den Höhen
(Worte und Weise: Anonym, 1870)
Am 01. September 1870 wurde
die Festung Sedan durch die deutschen Truppen eingenommen, wobei hier
vor allem die bayerischen und sächsischen Verbände
eine große Rolle spielten. In unserem – dem wohl
heute noch bekanntesten – Sedanlied geht es primär
nicht um das Kampfgeschehen oder Heroismus. Im Mittelpunkt steht
vielmehr eines der zahllosen Opfer, das im Sterben um die
Benachrichtigung seiner Hinterbliebenen bittet.
22.Siebzger
Auszug
(Worte und Weise: Joseph Schweikl, 1870)
Im Mittelpunkt des
„Siebzger Auszugs“ steht wieder einmal der
unglückliche Franzosenkaiser, der im Kampf den
Kürzeren zog und auf der Wilhelmshöhe bei Kassel
einsitzen musste. Im Gegensatz zum Liedtext, in welchem dem Louis
Napoleon ein elendes Schicksal prophezeit wird, waren die
Haftbedingungen für ihn realiter relativ angenehm.
23.Wie wir Metz erobern
(Worte: Anonym – Weise: Es kann ja nicht immer so bleiben)
Der Text war
ursprünglich ohne Melodie überliefert. Von der Gruppe
„Liederjan“ haben wir neben der Melodie
„Es kann ja nicht immer so bleiben“ am Anfang und
am Ende des Liedes auch eine Strophe verwendet. Der unbekannte
Verfasser schildert ohne Feinddenken mit bitterem Sarkasmus die Lage
des kleinen Soldaten an der Front und geht dabei auf all die kleinen
Widrigkeiten des Soldatenlebens ein, die dieses schon ohne Krieg zur
Hölle machten.
24.Auf einer Verbandstation 1870
(Worte: J. Wothe – Weise: „Still min
Hanne“)
In diesem Lied, das ein
– wohl weitgehend zeituntypisches – Dokument
humanitärer Gesinnung und der Versöhnung
ursprünglich verfeindeter Soldaten darstellt, teilen ein
verwundeter deutscher und ein französischer Soldat nicht nur
das Krankenlager, sondern auch die gewiss nicht üppig
bemessenen Rationen an Verpflegung, d.h. hier Brot, Wein und
Käse. Dabei haben wir hierfür die Melodie eines
plattdeutschen Wiegenliedes der Gruppe „Liederjan“
hergenommen und etwas verfremdet.
25. So is es zu
Kriegeszeeten
(Worte: Anonym, 1870/71 – Weise nach Motiven aus
„Dantes Prayer“ von Loreena McKennit)
Das schlesische Dialektlied
aus dem Siebziger Krieg wendet sich ganz ausdrücklich gegen
jede Form von Hurrapatriotismus, wie er sehr gerne an den Stammtischen
der Daheimgebliebenen üblich und verbreitet war. Der
Mär vom schönen, gemütlichen Krieg wird hier
die selbsterlebte bittere Realität und das Elend des
Kriegsgeschehens entgegengesetzt.
26.Ich bin Soldat
(Worte: vermutlich Max Kegel, vor 1870 und Max Hirsch, nach 1870
Weise: „Denkst du daran, mein tapferer Lagienka“)
In diesem – von uns
aus zwei Versionen zusammengestellten – Zwiegespräch
haben wir zwei Versionen kombiniert. Kegels Text thematisiert treffend
die Unlust eines zum Dienst fürs Vaterland gepressten
Soldaten, wogegen Hirschs satirisch-bittere Fassung eine nur scheinbar
positive Aussage zum Soldat-sein-Müssen trifft.
27.Freinderl, kennst du das Haus
(Worte: Anonym, vermutlich 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
–
Weise: „Siebzger Auszug“)
Hier werden
sehr anschaulich die Zustände im Münchner
Soldatengefängnis am Paradeplatz beschrieben. Das
„Zuchthauslied“ ist heute den Volksmusikfreunden
vor allem durch die Überlieferung vom Kraudn Sepp bekannt.
28.Der Schwalangschér
(Worte und Weise: angeblich Dr. Carl Müller alias
Saumüller, um 1820)
Das Lied
vom „Chevauleger“ wird als das wohl
vergnügteste bayerische Soldatenlied bezeichnet. In der
Münchner Mundart werden die Fremdwörter hierbei so
lange traktiert, bis sie wohl auch beispielsweise von einem Bauernbuben
aus dem Dachauer Hinterland ausgesprochen werden konnten.
29.Fuchsmühler Holzschlacht (1894)
(Worte: Anonym – Musik: Regimentsmarsch des 6.
Infanterieregiments zu Amberg)
„Die Fuchsmühler
Holzschlacht“ aus dem Jahr 1894 scheint inhaltlich auf den
ersten Blick zunächst natürlich nichts mit den
Unruhen der Jahre 1848/1849 zu tun zu haben, weist jedoch insofern
wieder einen direkten Bezug zur Revolutionszeit auf, als das in den
1890er Jahren im oberpfälzischen Amberg stationierte 6.
Infanterieregiment während der unruhigen Jahre Mitte des 19.
Jahrhunderts in der damals noch bayerischen Pfalz stationiert gewesen
war, und seine Angehörigen 1849 während der dortigen
Aufstände zu jenen Truppenteilen gehörten, die sich
weigerten, gegen die Revolutionäre vorzugehen, wie uns Alfred
Wolfsteiner, einer der besten Kenner der Fuchsmühler
Ereignisse und Verfasser einer vorzüglichen Chronik mitteilte.
Dies wurde in der Folgezeit – vor allem dann im
militaristischen wilhelminischen Kaiserreich – als
schmachvoll empfunden und als ein dunkler Fleck auf den Regimentsfahnen
angesehen, den es unbedingt zu tilgen galt. Am 29./30. Oktober 1894
ging daher ein Departement des 6. Regiments gegen eine Abteilung
unbewaffneter Bauern vor, die – gemäß
eines uralten „Gewohnheitsrechts“ – ihr
„Rechtholz“ für den Winter im Wald
schlagen wollten, nachdem der neue Waldbesitzer und Rechtsinhaber
Militär herbeigerufen hatte. Zwei tote Bauern und mehrere
Verletzte blieben auf dem Kampfplatz zurück. Das sinnlose
Blutbad wurde seinerzeit in der breiten Öffentlichkeit und
auch seitens der überregionalen Presse heftig kritisiert und
hat lange Zeit in der Erinnerung der einheimischen Bevölkerung
überlebt. Es hat also nicht nur im gerade von vielen Bayern
immer wieder vielkritisierten Preußen immer wieder gerade
auch nach innen gerichtete militaristische Bestrebungen gegeben, um
eine eventuell aufmüpfige Bevölkerung durch
martialisches und brutales Vorgehen einzuschüchtern, zu
disziplinieren und zu bestrafen …
Bei der von uns verwendeten Melodie handelt es sich um den
Regimentsmarsch des 6. Regiments, den Uli seinerzeit – was
den zweiten Teil anbelangt – rythmisch verändert hat.
30.Der Räuber-Hauptmann von
Köpenick
(Worte: Otto Reutter – Weise: „Die Musik
kommt“ von Oscar Strauss)
Im Herbst des Jahres 1906
wurde das Ansehen des Deutschen Reiches durch eine Affäre
erschüttert, als der aus dem Zuchthaus entlassene
Kleinkriminelle Wilhelm Voigt erneut in die Mühlen der
Bürokratie geriet. Für seine Arbeitssuche
benötigte er eine Aufenthaltsgenehmigung und einen Pass.
Beides wurde ihm aber ohne Nachweis einer Arbeit vorenthalten. In einer
bei einem Trödler erstandenen Hauptmannsuniform unterstellte
er sich daraufhin ein Wachkommando und besetzte kurzerhand das Rathaus
von Köpenick, um sich dort einen Pass zu beschaffen. Nur,
Köpenick besaß keine Passabteilung. So machte sich
Voigt mit der Gemeindekasse aus dem Staub, stellte sich später
aber von sich aus den Behörden. Das Viele Texte und
Karikaturen setzten sich mit diesem Vorfall auseinander. Das In- und
Ausland und auch Kaiser Wilhelm II., der für den
„Hauptmann von Köpenick“ durchaus
Wohlwollen aufbrachte, lachte und bemerkte: „Da kann man
sehen, was Disziplin heißt!“
31.Der abgerüstete Rekrut
(Worte und Weise: Otto Reutter)
Der bekannte Berliner
Coupletsänger Otto Reutter macht sich in Gestalt eines
Soldaten ironisch seine Gedanken zu zeitgenössischen
Abrüstungsforderungen. Das Lied stammt aus dem ersten
Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts
32.Stets in Trauern muss ich leben
(Worte: Anomyn – Weise: Schweizer Volkslied „Stets
in Trure“)
Dieses anonym verfasste Lied
schildert das traurige Los der Soldaten im Fürstendienst und
hier das spezielle Schicksal eines für ausländische
Dienste Angeworbenen. Die Melodie wurde dem schweizerischen Volkslied
„Stets in Trure“ entlehnt, welches das Duo
„Zupfgeigenhansel“ seinerzeit bekannt gemacht hat.
33.Bibel und Flinte
(Worte: Anonym, etwa um 1890 –
Weise: „Es klappert die Mühle am rauschenden
Bach“)
Das anonyme Spottlied auf die
Kolonialpolitik des deutschen Reiches schildert Einblicke in die
deutschen Kolonialpraktiken, die auch nicht humaner waren als
diejenigen der andere Kolonialmächte. Den aktiven Missionaren
kam bei der Eroberung und Aufteilung des afrikanischen Kontinents
– aber auch anderer Gebiete! – eine wichtige Rolle
zu. Die Mission nahm bezüglich der Ausrottungspolitik des
Deutschen Reiches eindeutig Stellung für die weiße
Obrigkeit. Das Lied, das zunächst in zeitgenössischen
sozialdemokratischen Liederbüchern abgedruckt war, wurde Mitte
der 1970er Jahre von der Gruppe „Zupfgeigenhansel“
wiederveröffentlicht.
34.Nach Südwesten hinzugehn war mein
Begehr
(Worte: Anonym, um 1904 – Weise: Rainer Hasinger)
Aus den Aufzeichnungen des
ehamligen Sergeanten E. Petrus, der den zweiten
südwestafrikanischen Feldzug 1905/06 mitmachte, stammt dieses
Liedbeispiel. Der Text gibt beredt den Frust der deutschen
Kolonialsoldaten wieder, als diese gegen die Guerillakrieger von
Hendrik Witbois und Jakob Morenga zeitweise nichts auszurichten
vermochten. Auch das Problem Prostitution wird hier angesprochen.
Rainer Hasinger hat sich mangels einer passenden Melodie als Komponist
betätigt.
35. Ich zog zum
fernen Afrika
(Worte und Weise: Anonym, um 1904)
In dem Lied, das aus den
Aufzeichnungen des ehemaligen Sergeanten E. Petrus stammt, der den
zweiten südwestafrikanischen Feldzug der deutschen
Kolonialtruppen 1905/06 mitmachte, wird die alltägliche
Realität des kleinen Schutztrupplers beschrieben, die den das
Klima und die Lebensumstände nicht gewöhnten Soldaten
oftmals mehr zusetzten als kriegerische Auseinandersetzungen.
Nach dem Boxeraufstand in
China und der Ermordung des deutschen Gesandten von Ketteler, welche
dieser durch sein brutales und darüber hinaus
überheblich-unvorsichtiges Verhalten geradezu heraufbeschworen
hatte, wurde ein alliiertes Expeditionskorps zur chinesischen Halbinsel
Kiautschou entsandt, wobei sich die deutschen Tuppen hier durch
besondere Grausamkeiten sogar bei ihren Alliierten unrühmlich
hervortaten. Das Lied war vor 1914 bei den deutschen Matrosen sehr
lebiebt.
Informationen
Die “Passepartout
GmbH” ist eine Deutschfolk-Formation freischaffender Musiker
aus Regensburg, die sich vor allem dem historisch-politischen Liedgut
vom 18. bis zum 20. Jahrhundert verschrieben hat.
CD
Hier finden Sie
ausgewählte Lieder der aktuellen CD “Ich
hatt’ einen Kameraden... - Soldatenlieder aus den Jahren 1740
bis 1914", Regensburg 1999, produziert von Dr. Uli Otto und Helmut
Köppl von der Firma MSR (Mobil Sound Recording).
Die Musiker
Nikola
Otto (Harfe, Viola), Till Otto (Mandoline, Mandola, Violine), Uli Otto
(Gesang, Thüringische Waldzither, Hamburger Waldzither,
Gitarre, Bass, Drehleier), Rainer Hasinger (Gesang, Mandoline,
Akkordeon, Gitarre), Eginhard König (Gesang, Gitarre), Michael
Kellner (Gesang, Drehleier, Dulcimer, Gitarre)
Ulrich
Otto: Die historisch-politischen Lieder und Karikaturen des
Vormärz und der Revolution von 1848/1849. Köln 1982.
(vergriffen)
In diesem Buch, einer Drucklegung seiner Dissertation gibt der
Verfasser Anfang der 1980er Jahre einen Überblick
über zwei bedeutsame und durchaus vergleichbare historische
Quellensorten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die
– obwohl ihr Wert seit langem theoretisch durchaus erkannt
und anerkannt ist – heute wieder weitgehend „in
Vergessenheit geraten“ sind, nachdem sich in den 1970er und
–80er Jahren zahlreiche Folkmusiker immer wieder gerade auch
der Lieder um 1848/49 verschrieben hatten und daran
anzuknüpfen trachteten, und diese Quellen zeitweise auch von
manchen Lehrern „entdeckt“ und für den
Unterricht herangezogen und genutzt wurden. Es werden in der
Untersuchung unter anderem Lieder der Pariser Julirevolution von 1830
und ihre Wirkungen auf Deutschland vorgestellt, weitere Lied- und
Karikaturbeispiele befassen sich sodann mit den Ereignissen der 1840er
Jahre, am Vorabend der Revolution, - erwähnt seien hier
beispielsweise die Geschehnisse des Jahres 1844 sowie die
„bayerische Episode“ um König Ludwig I.
und Lola Montez -, bevor sodann ausführlich und detailliert
auf die Revolution von 1848/49 im Spiegel der historisch-politischen
Lieder und Karikaturen eingegangen wird (Ausbruch der Revolution in
Österreich und Preußen – Die Ereignisse in
Baden im Jahre 1848 – Die Frankfurter Nationalversammlung im
Lied und in der Karikatur – Das Versagen des deutschen
Bürgertums. Der deutsche Michel im historisch-politischen Lied
und in der Karikatur – Der Sieg der Reaktion in Wien und
Berlin – Die Kämpfe um die Reichsverfassung im
deutschen Südwesten im Jahre 1849)
Uli
Otto: Hoffmann von Fallersleben. Ein
„Volkslieder“-Buch. Hildesheim 1984 (vergriffen)
Das Buch führt
anhand zahlreicher Lieder August Heinrich Hoffmanns von Fallersleben
knapp aber umfassend in die politische Landschaft des Dichters der
deutschen Nationalhymne ein, der im 19. Jahrhundert zeitweise zu den
oppositionellen Literaten gehörte, ja wohl der –
zumindest was die Quantität anbelangt – produktivste
Barde seiner Zeit war, der sich immer wieder mit zeitkritischen Liedern
und Gedichten zu Wort meldete und deswegen sogar seiner Professur
für Literatur und Sprachwissenschaft an der
Universität Breslau verlustig ging, als ihn der damalige
preußische Kultusminister seines Amtes enthob. In der Folge
sah Hoffmann sich zahllosen obrigkeitlichen Beobachtungen und
Repressalien ausgesetzt und lange Zeit zu einem unsteten Wanderleben
verurteilt. Viele der Hoffmann-Texte wurden in den 1970er/80er Jahren
„Standards“ für die damaligen
Deutschfolkgruppen. Der Band stellt daneben auch Hoffmanns
wissenschaftlichen und politischen Freunde und Kollegen vor, zu denen
unter anderem Jakob und Wilhelm Grimm, Ludwig Uhland, Heinrich Heine,
Ferdinand Freiligrath, Georg Herwegh, Franz Dingelstedt, Robert Prutz
und Adolf Glassbrenner gehörten. Eine wohl nach wie vor
durchaus aktuelle und zeitgemäße Publikation zum
Leben und Werk Hoffmanns von Fallersleben.
Die Regensburger
Deutschfolkformation „ANONYM“
veröffentlichte seinerzeit parallel zu diesem Buch die
Musikkassette “Deutschland, Deutschland über
alles??? ... oder: Ich bin Professor gewesen. Nun bin ich
abgesetzt“ mit 24 Liedern von August Heinrich Hoffmann von
Fallersleben und Zeitgenossen:
1. Kriech du und der Teufel
(Hoffmann) – 2. Trostlied eines abgesetzten Professors
(Hoffmann) – 3. Die Kaisersucht (Hoffmann) – 4.
Michels Abendlied (Hoffmann) – 5. Das
Freiheitsbüchlein (Prinz) – 6. Gute Presse und guter
Druck (Hoffmann) - 7. Stimme aus dem Kerker (Hoffmann) – 8.
Nun hütet euch, ihr Fürsten (Anonym) – 9.
Der finstere Geist (Hoffmann) – 10. Erleuchtung (Heine)
– 11. Die Weber (Heine) – 12. Trotz alledem
(Freiligrath) – 13. Schwabenkrieg (Hoffmann) – 14.
Der Gefangene (Schubart) – 15. Nationalhymne vom lateinischen
Firlefanz (Hoffmann) – 16. Brotstudium (Hoffmann) –
17. Das Lied vom deutschen Philister (Hoffmann) – 18. Lauter
triftige Gründe – 19. Lied eines pensionierten
Poeten (Hoffmann) – 20. Von der Walhalla die Rede seiend
(Hoffmann) – 21. König Ludewig (Glassbrenner)
– 22. Deutscher Nationalreichtum (Hoffmann) – 23.
Sie sähn es gern, ich würde kirre (Prutz) –
24. Spießbürger Tugend (Hoffmann)
„ANONYM“
bestand zu diesem Zeitpunkt aus Uli Otto (Gesang, Thüringer
Waldzither, Cister, Gitarre, Drehleier) – Ulrich
Graß (Gesang, Gitarre, Mandoline, Mandola, Flöten,
Deutscher Dudelsack) – Clemens M. Peters (Gesang, Gitarre,
Mandoloncello, Querflöte) – Hans Stängl
(Gesang, Geige, Concertina, Gitarre, Mandoline.
Bild
Hans Stängl, Uli Otto, Clemens Peters, Ulrich Grass, Hoffmann
von Fallersleben
Uli
Otto: „Geschichte(n) im Lied – Lieder zur
Geschichte“ („Musikalisches
Schlampermäppchen“ - Materialien aus dem
Repertoire), ca. 2000 Seiten mit Liedern, Schlagern, Kabarettsongs vom
16. Jahrhundert bis heute), 7-8 Teilbände Regensburg 2012.
In dieser umfangreichen Sammlung, die zur Zeit ergänzt und
überarbeitet wird und in 7 bis 8 Teilbänden
herausgegeben werden soll, die v.a. wohl für Deutsch-,
Geschichts- und Musiklehrer interessant sein und ihnen zahlreiche
Quellen bieten könnte, stellt der jahrzehntelange engagierte
Liedsammler und Folk-Musiker einen Teil seines Liedrepertoires
– zumeist in chronologischer Ordnung, in verschiedenen
Bänden thematisch geordnet - vor:
Band 1:
Historisch-politische Lieder vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.
Band 2: Historisch-politische Lieder
des 20. Jahrhunderts
Band 3: Lehrer, Schule,
Universitätswesen in Liedern vom 16. bis zum 20.
Jahrhundert.
Band 4: Liebe, Libido und andere
‚Widrigkeiten‘ des Zusammenlebens im Lied.
Band 5: Lieder aus dem Musikerleben –
Musik, Musiker und Musikinstrumente in Liedern vom 16. Jahrhundert bis
heute.
Band 6: Handwerks- und Handwerkerlieder.
Band 7: Bürgerrechtslieder und Lieder
der Friedens- und der Antiatombewegung.
Band 8: Inhaltsverzeichnis sowie
ausführliche Bibliographie und Diskographie.
Unter diesen Liedmaterialien finden sich – neben zahlreichen
eindeutig politischen oder historisch-politischen Liedern –
verschiedentlich auch scheinbar unpolitische Liebeslieder, erotische
Lieder und Schlager, die gleichwohl mit in die Sammlung Eingang
gefunden haben, spiegeln sie doch ebenfalls den Zeitgeist, bestimmte
Sehnsüchte oder Moralvorstellungen ihrer Epoche wider,
können also bisweilen ebenfalls als wertvolle
Quellenmaterialien dienen. Diese Sammlung könnte von
Interessenten dabei längerfristig auf CDRom oder
Stick bezogen werden, wobei der Herausgeber hier lediglich
die tatsächlichen Materialkosten, d.h. CD-Rom- bzw. Kopier-
und Bindekosten sowie die Versandkosten in Rechnung stellen
würde, die Liedmaterialien von den Rezipienten jedoch
allenfalls ausschließlich für den Unterricht genutzt
und nicht kommerziell genutzt werden dürften. Auch erhofft
sich der Herausgeber Zusendungen weiterer interessanter - ihm bis dato
unbekannter – Lieder zur deutschen Geschichte und Gegenwart,
damit längerfristig eine umfangreiche und detaillierte
Zusammenstellung historisch-politischer Lieder und anderer Liedquellen
ins Internet gestellt und kostenlos heruntergeladen werden
könnte und somit allgemein zugänglich wäre,
sollten die Lieder doch längerfristig in den aktiven
Repertoirefundus möglichst vieler Kolleginnen und Kollegen
eingehen.
Auf ca. 2000 Seiten bietet die Sammlung neben zahlreichen Liedertexten
und Angaben zu deren Melodien auch eine Zusammenstellung zahlreicher
Tonträger, d.h. LPs und CDs sowie eine Auflistung wesentlicher
Liedersammlungen und –bücher zum Thema
„Historisch-politisches Lied“ sowie zum Thema
Kulturgeschichte und Karikatur.
Till Otto & Uli Otto: „Ein
neues Lied, ein bessres Lied“ – Lieder von August
Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Heinrich Heine und anderen
Vormärzdichtern. (Erweiterte und ergänzte Fassung des
Kommentarheftes zur Dreifach-CD gleichen Titels), 100 Seiten,
Regensburg 2011/2012.
Till
Otto & Uli Otto: Handwerksliederbuch. Regensburg 2011/2012.
Seit der großen Folkbewegung Mitte der 1970er Jahre erlebte
mit den Handwerksliedern ein volksmusikalisches Genre eine zeitweilige
Wiederbelebung, die ohne die Waldecker Festivals der 1960er Jahre nicht
vorstellbar ist. Hier wurden sie vor dem Hintergrund eines Interesses
an der eigenen Historie wiederentdeckt, die zahllosen Handwerkerlieder,
die im Laufe des 20. Jahrhunderts nahezu in Vergessenheit geraten
waren. Hilfestellung leisteten dabei zwei 1954 und 1962 erschienene
voluminöse Sammlungen mit dem Titel Deutsche
Volkslieder demokratischen Charakters des Ostberliner
Volkskundlers Wolfgang Steinitz. In zahllosen Konzerten sowie auf
Tonträgern einiger Deutschfolk-Gruppen wurde jene Seite des
„Volksliedes“ neu gepflegt, die von Herder,
Hoffmann von Fallersleben oder Jakob Grimm und anderen einst entdeckt,
danach aber nicht zuletzt durch eine deutschnationale Germanistik und
Volksliedforschung verschüttet worden war.
Es war dabei Oskar Schade, der in seiner Sammlung „Deutsche
Handwerkslieder“, die auch eine Grundlage der vorliegenden
Kompilation gebildet hat, folgende Dreiteilung der
zusammengetragenen Lieder vorgenommen hat, der wir hier gefolgt sind:
Zunft- und Preislieder,
nach dem Namen der Handwerke die sie meinten alphabetisch geordnet, die
der Selbstvergewisserung und Selbstdarstellung und der Abgrenzung zu
anderen Bevölkerungsgruppen dienten, und in denen sich der
berufsständische Stolz der einzelnen Handwerkergruppen und
–zünfte artikulierte.
Gesellenlieder, die das
Treiben und die Bräuche der Handwerksgesellen besonders ihrer
Wanderschaft zum Gegenstand haben.
Erzählende
Lieder und Spottlieder.
Im Unterschied zu den
Liedern anderer Handwerker gibt es dabei aber vor allem bei
den Weberliedern viele Beispiele, die sich mit dem sozialen Elend ihrer
Träger bzw. den daraus resultierenden
Hungeraufständen etwa Mitte des 19. Jahrhunderts
beschäftigen.
Hinzugefügt wurden
der vorliegenden Sammlung dabei auch viele der seinerzeit umlaufenden
erotischen Lieder in Verbindung mit verschiedenen Berufsgruppen, da
bestimmte berufliche oder arbeitstechnische Tätigkeiten im
„Volksmund“ zu allen Zeiten nur zu oft mit
handfesten Liebesdingen bzw. -tätigkeiten in Verbindung
gebracht worden waren. Auf deren Abdruck hatte Schade seinerzeit wohl
ganz bewusst verzichtet und verzichten müssen, hätte
eine Veröffentlichung doch sicher die Drucklegung seiner
Sammlung unmöglich gemacht: „Einigen allzu
ungewaschenen Gesellen mußte der Eintritt versagt
werden“. Doch sind auch früher schon oder vermehrt
in den vergangenen Jahren einige Sammlungen erschienen, die sich gerade
auch dieser Spielart von Handwerkerliedern ausführlich
angenommen bzw. Liedbeispiele hierzu abgedruckt haben. Im
Regelfall aber lässt sich mit Rolf W. Brednich konstatieren:
“Der Grund für diese offensichtliche
Vernachlässigung“ über einen langen
Zeitraum, ja bis in unsere Tage „ist in den moralischen
Wertvorstellungen der Gesellschaft zu sehen. Die Tabuierung des
Sexuellen hat auch in der Geschichte der Volksliedsammlung und
–forschung seine tiefen Spuren hinterlassen. Mit dem Begriff
‚Volkslied‘ assoziiert man seit den Tagen Herders
bis heute Begriffe des ‚Echten‘,
‚Wahren‘, ‚Guten‘,
‚Alten‘ und ‚Schönen‘.
Die meisten Volksliedsammler des 19., teilweise auch noch des 20.
Jahrhunderts waren durch diese idealtypische Auffassung von Volkslied
noch tief geprägt“. (Brenich, R. W.: Erotische
Lieder aus 500 Jahren. Frankfurt a.M. 1979, S. 7)
Grundlage und Ausgangspunkt der vorliegenden Liedersammlung waren die
Weberlieder, die Till Otto seinerzeit für das Tuchmachermuseum
Bramsche zusammengestellt hat und die hier um zahlreiche
zeitgenössische Lieder zu anderen Handwerken und Berufen
Ergänzung finden, die von den beiden Herausgebern
zusammengetragen wurden. Eingang fand in die vorliegende Sammlung aber
auch mit „Drei Jahr und ein Tag“ ein neues
„Handwerkslied“ aus der Feder von Reinhard Mey.Wir
wollen in der vorliegenden Sammlung einen, wenn auch gewiss nicht
vollständigen, so doch gewiss repräsentativen
Querschnitt der seinerzeit umlaufenden Handwerkslieder vorstellen,
wobei aus Finanz- und Zeitgründen zum gegebenen Zeitpunkt auf
Sammel- oder gar Einzelinterpretationen und / oder die Darstellung der
jeweiligen konkreten historischen und gesellschaftlichen
Hintergründe sowie auf den Abdruck der uns
zugänglichen dazugehörigen Melodien verzichtet wird.
Dies könnte – ebenso wie eine eventuelle Produktion
begleitender Tonträger – im Rahmen einer
Weiterführung dieses Projektes geschehen. Hier könnte
u.U. auch Kontakt zu anderen Handwerksmuseen sowie zu Archiven Kontakt
aufgenommen werden, um hier nach weiteren Liedern oder Liedvarianten zu
forschen.